Natronverkauf (Joerg Meyer)
Geschätztes BIP (2018)
11,5 Mrd. Euro
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität), 2018
1716 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 187 (von 189), 2018
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
80 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient), 2011
43,3
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 118 von 137 (2020)

Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft des Tschad ist geprägt von der Landwirtschaft und der im Jahr 2003 begonnenden Förderung von Erdöl. Die Probleme der Wirtschaftsentwicklung lassen sich vor allem durch die Binnenlage, jahrzehntelange politische Instabilität und hohe Energiekosten erklären. 
Seit die Erdölförderung im Doba-Becken begonnen hat, wird die Wirtschaft mit etwa 47,8 % am BIP vom Industriesektor dominiert. Die Landwirtschaft trägt mit 21,5 % und der Dienstleistungssektor mit 30,6 % zum BIP bei.
Korruption und eine schwach ausgebildete Rechtssicherheit behindern sowohl die Privatwirtschaft als auch vorhandene Entwicklungspotenziale in großem Maße. Eine dringende Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank (WB) ist die Privatisierung der wenigen traditionellen Schlüsselindustrien (Baumwolle, Elektrizität- und Wasserunternehmen), die aber nach wie vor unter staatlicher Kontrolle stehen. Allein die Zucker- und Mobilfunkbetreiber-Unternehmen sind bereits privatisiert worden. Eine mangelnde Infrastruktur erschwert zusätzlich den Handel und die wirtschaftliche Entwicklung, besonders außerhalb der vier größten Städte. Es existieren inzwischen ca. 2500 km geteerte Straßen; das weitläufige Pistennetz ist während der Regenzeit größtenteils unpassierbar und schränkt die Versorgung der ländlichen Gebiete stark ein.

Wirtschaftslage

Verendetes Rind (Joerg Meyer)
Verendetes Rind (Joerg Meyer)

Der Tschad zählt trotz eines Pro-Kopf -Einkommens von statistisch etwa 1010 US $ (zum Vergleich vor der Erdölförderung 2003: ca. 300 US $) zu den ärmsten Staaten der Erde und belegt nach dem Human Development Index von 2018 mit dem Rang 187 der 189 (2015: Rang 185 von 188) untersuchten Länder weiterhin einen der letzten Plätze. Ein Großteil der Bevölkerung (ca. 80 %) lebt in absoluter Armut, wobei ein großer Unterschied zwischen Stadt und Land festzustellen ist. Allerdings haben sich die statistischen Daten durch die seit 2003 stattfindende Erdölförderung bereits erheblich verändert. Die sozio-ökonomische Entwicklung des Landes wurde durch die isolierte Binnenlage und die Gliederung des Landes in "le tchad utile" (Süden) und "le tchad unutile" (Norden) während der französischen Kolonialzeit (Karte) entscheidend geprägt. Durch die Favorisierung des Südens und die klimatischen Faktoren besteht ein deutliches Nord-Süd-Gefälle der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Zudem beeinflussen bis heute der Jahrzehnte währende Bürgerkrieg, viele Dürreperioden, Korruption und die unzureichend ausgebaute Infrastruktur die Wirtschaftslage des Tschad.

Nachdem die Wachstumsraten für den Tschad in den Jahren 1996-2005 noch bei durchschnittlich 7,8 % lagen, stagnierte die Wirtschaft im Jahr 2006 und die Wirtschaftsleistung schrumpfte in den Folgejahren. Vor allem der Ölpreisverfall seit 2015 stürzte den Tschad in eine tiefe Rezession.

Trotz einiger positiver Prognosen hat sich die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen im Tschad nicht oder nur kaum verbessert, die inzwischen leicht positive Wirtschaftsentwicklung kommt nur einem geringen Teil der Bevölkerung zugute. Dazu tragen auch die ständigen Nahrungsmittelkrisen, durch die sich die Hirsepreise seit 2007 (von 125 FCFA auf 240 FCFA pro kg) nahezu verdoppelt hatten, nicht unwesentlich bei.
Der Index der Heritage Foundation von 2020 über die ökonomische Freiheit im Land bescheinigt dem Tschad eine leichte Positiventwicklung gegenüber dem Vorjahr, aber weiterhin einen der hinteren Plätze, auch im subsaharischen Vergleich. Allerdings werden dem Land Fortschritte in der Entwicklung eines dynamischen Klimas für Unternehmen bescheinigt, aber in der Untersuchung der Weltbank wird zu den Rahmenbedingungen für Investitionen ein leichter Aufwärtstrend für 2020 beschrieben. Hinzu kommen geringe Verbesserungen in der Korruptionsbekämpfung und verbesserte Preisstabilität.

INSEED (Institut National de la Statistique, des Etudes Economique et Demographiques), das Nationale Institut für Statistik des Tschad, gibt einige Informationen über nationale Entwicklungspläne, Prognosen und Statistiken zum Land.

Wirtschaftssektoren

Wasserturm in Mao (Joerg Meyer)
Wasserturm in Mao (Joerg Meyer)
Braunhirse (Annette Funke)
Braunhirse (Annette Funke)
Reisernte (Annette Funke)
Reisernte (Annette Funke)

Landwirtschaft

Rund 80 % der Arbeitskräfte sind nach wie vor in der Landwirtschaft tätig, wobei lediglich 3-4 % der Landesfläche für den Ackerbau nutzbar sind. Allerdings deckt die überwiegend auf Subsistenz ausgerichtete Landwirtschaft nur in regenreichen Jahren die nationale Selbstversorgung. Aufgrund fehlender Mittel und fehlendem Know-how dominieren einfache, traditionelle Anbauweisen die Landwirtschaft. In Zentral- und Nordtschad wird von den Tubu, den Fulbe und anderen Ethnien nomadische und halbnomadische Viehhaltung praktiziert. Im Rahmen der Subsistenzwirtschaft werden vor allem von den Frauen kleine Gemüsegärten in der Nähe der Gehöfte angelegt. Überschüsse werden dann im Kleinhandel auf den lokalen Märkten angeboten.

Da die Erntemengen infolge großer Variabilität der Niederschläge stark schwanken, ist die landwirtschaftliche Ertragsmenge ausgesprochen labil. Ernteschäden durch extreme Dürren, wie z.B. 2009/2010 aber auch Überschwemmungen gefährden regelmäßig die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. So gab es 2007 bis 2009 in einigen Regionen (2009 in und um Bongor) erhebliche Verluste und auch in den Folgejahren hinterließen extreme Regenfälle auch 2020 Verheerungen und waren u.a. Ursache von Choleraepidemien die auch 2018/19 wiederholt auftraten. Trotz einer Erholung der Getreideerträge im Jahr 2016, sind 2019 rund 2,2 Millionen Menschen von akuter Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, was eine Zunahme der Unterernährung von 29% im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Zudem haben die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona Pandemie die Preiserhöhung des Grundnahrungsmittel Hirse um 37% im Vergleich zum Vorjahr 2019 mitbestimmt und verschärft. Damit zählt der der Tschad auch weiterhin zu den Krisenländern.

Die Entwicklung der Ernährungssituation im Tschad zeigt im Welthunger Index 2019 eine seit dem Jahr 2000 nur geringfügig verbesserte Lage (WHI-Wert 43,5 Punkte im Vergleich 2000: 51,9), die nach wie vor alarmierend beschrieben wird. Verschärft wird die Versorgungssituation 2020 noch durch die Corona Pandemie mit ihren Mobilitätsbeschränkungen. Insgesamt rangiert der Tschad weiterhin auf dem vorletzten Platz nur vor der Zentralafrikanischen Republik und die Ernährungslage wird als sehr ernst eingestuft. Vor allem in der Region Lac, in der Boko Haram besonders aktiv ist, spitzt sich die prekäre Ernährungssituation aufgrund von Flucht und Vertreibung zu. Zudem können negative Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft beobachtet werden.

Wichtigstes Agrarprodukt für den Export ist die Baumwolle, die häufig in Mischkultur mit Hirse gepflanzt wird. Baumwolle wurde im südlichen und v.a. südwestlichen Tschad (Zentrum Moundou) zunächst nur im Rahmen der Eigenversorgung angebaut, mit der Kolonisierung ab etwa 1920 zum Zwangsanbau als gewinnbringendes Cash-Crop ausgedehnt. Seit 1971 wurde die Baumwolle von dem halbstaatlichen Unternehmen Coton-Tchad kontrolliert, das sowohl den Ankauf als auch den Export regelte. Seit 2018 ist das Unternehmen Olam aus Singapur zu 60 % an Coton Tchad beteiligt. Zudem ist der Tschad, nach dem Sudan, der weltweit zweitgrößte Produzent von Gummi Arabicum.

Wichtigste landwirtschaftliche Anbauprodukte sind in der Subsistenzwirtschaft Hirse und Sorghum (in feuchteren Gebieten), dazu kommt noch Mais. Zusammen mit den Hirsearten werden fast überall Okraschoten, Bohnen oder Erbsen angebaut.

Reis wird am Chari und im Südwesten gepflanzt, Weizen im Tschadseegebiet. Allerdings werden auch diese Getreide nur in geringem Maße kommerziell und überregional vertrieben. Zuckerrohr und Erdnüsse, Maniok und Batate aus den feuchteren Gebieten im Süden und Zwiebeln und Knoblauch aus den östlichen Landesteilen kommen noch hinzu. Die selten vorkommende Süßwasseralge Dihe (Spirulina), die im Tschadseegebiet geerntet wird, soll in einem Pilotprojekt zu Verbesserung der Ernährung in dem Gebiet beitragen, da sie sehr eiweißhaltig und ernährungsphysiologisch wertvoll ist.

Viehwirtschaft

Tschads Viehwirtschaft bildet eine weitere wichtige Ressource für die Versorgung des Landes.
Im zentralen und nördlichen Teil des Landes wird Viehzucht mit Rindern, Schweinen und Ziegen betrieben. Dafür wird insgesamt ein Drittel der Landesfläche als Weideland genutzt. Das Kuri-Rind ist eine am Tschadsee beheimatete Rasse und optimal an die ökologischen Gegebenheiten der Region angepasst.

In Sarh wurde eine kleine fleischverarbeitende Industrie aufgebaut, deren Produkte nach Gabun und in den Kongo exportiert werden. Zudem investiert die Regierung in den Bau neuer Schlachthäuser. Dennoch wird der größte Teil des Viehbestands als Lebendvieh v.a. nach Nigeria verkauft, wobei sehr viele Tiere auf illegalen Wegen in die Nachbarstaaten gelangen.
Zwischen den Ackerbauern aus dem Süden und den Viehzüchtern aus dem Norden kommt es zunehmend zu bewaffneten Konflikten um die Wanderkorridore und Weide-  und Wasserplätze. In den Jahren 2009 und 2010 verendeten große Teile (vermutlich ein Drittel der Viehbestände des Landes) der Rinderherden, die für ihre Besitzer überlebenswichtig sind.

Fischerei

Etwa 240 000 Menschen leben im Tschad von der Fischerei. Der Fisch wird frisch oder konserviert, also getrocknet oder geräuchert, verkauft. Der Großteil des Fischs kommt aus dem Tschadsee, dem Chari oder dem Logone. Problematisch dabei sind vor allem die fehlenden Kühlmöglichkeiten und der klimabedingte Rückgang der Wasserflächen. Im Fischereisektor wurden in den letzten Jahren etwa 75.000 t Fisch erwirtschaftet, was einen deutlichen Rückgang im Vergleich zur letzten Dekade erkennen lässt.

Verarbeitende Industrie

Industrielle Entwicklung konzentriert sich im Tschad seit 2003 auf die Erschließung und Produktion von Erdöl. Ansonsten existieren nur wenige größere Schlüsselindustrien, wie etwa die schon genannte Cotontchad, das nationale Zuckerunternehmen CST, früher SONASUT (Société Nationale Sucrière du Tchad), das tschadische Textilunternehmen STT (Société Tchadienne de Textile), die Logone Brauereien BDT (Brasseries du Tchad) und die tschadische Zigarettenfabrik MTC (Manufacture des Cigarettes du Tchad). Diese fünf Industriezweige machen etwa 20 % des GDI aus. Von geringerer Bedeutung sind kleinere Gewerbebetriebe wie Reismühlen, Ziegeleien und Sägewerke, dagegen sind die lokalen Handwerksbetriebe, bspw. der Töpfer, Schmiede oder Weber, von großer Bedeutung für die ländliche Bevölkerung.

Erdöl

Am 10. Oktober 2003 ist der Tschad offiziell, aber auch unter internationaler Kritik, in den Klub erdölfördernder Länder eingestiegen. Eine 1070 km lange Pipeline erstreckt sich von den Erdölfeldern des Doba-Beckens im südlichen Tschad bis zum Verladehafen Kribi in Kamerun. Von dort wird das Rohöl dann weiterverschifft. Mit Kosten von etwa 3,7 Milliarden US$ stellt das Projekt zurzeit die größte Investition im subsaharischen Afrika dar und hat die Wirtschaftsstruktur des Tschad erheblich verändert.

Die Produktion im Erdölsektor, die sehr kapitalintensiv ist, ist hauptsächlich auf gut ausgebildetes, meist ausländisches Fachpersonal angewiesen, die ansässige Bevölkerung geht dagegen leer aus.

Bodenschätze

Der Tschad verfügt neben dem Erdöl über zahlreiche wertvolle Bodenschätze wie Uran, Natron, Gold und Bauxit. Neben den schwer erschließbaren Uran- und Bauxitvorkommen im Norden des Tschad, prüfen südafrikanische Unternehmen zurzeit, ob im Südwesten des Landes, in Mayo-Kebbi, Uran und Gold in größerem Umfang gefördert werden kann. Chinesische Unternehmen haben das Gebiet für den Kalkabbau entdeckt und 2012 ein Zementwerk errichtet. Zur Betreibung des neuen Werks soll das Holz der umliegenden Wälder genutzt werden. Regionen zur Ölförderung wurden von der Chinese National Petroleum Company (CNPC) in der Nähe von Sarh, Bongor und des Tschadsees untersucht. Eine weitere Pipeline in der Region Chari Baguirmi (Koudalwa) wurde Anfang März 2011 von Präsident Déby eröffnet und die verzögerte Eröffnung der Sedigui Ölfelder in der Region Kanem ist trotz Sicherheitsgefährdung Ende 2019 vollzogen worden.

Die CNPC hatte Ende 2010 einen Industriepark mit einer weiterverarbeitenden Raffinerie in der Nähe von N'Djaména eingeweiht.

Wirtschaftspolitik

Baumwolle (Annette Funke)
Baumwolle (Annette Funke)
Cotontchad Pala, Entkernung (Annette Funke)
Cotontchad Pala, Entkernung (Annette Funke)
Entkernte Baumwolle (Annette Funke)
Entkernte Baumwolle (Annette Funke)

Von der anhaltenden politischen Instabilität ist die Wirtschaftspolitik des Landes stark betroffen. Seit 1998 kooperiert der Tschad auf Druck der Weltbank und mit ihrer Hilfe im Rahmen wirtschaftspolitischer Reformprogramme, die auf Privatisierung, Liberalisierung und verschiedene Sektorprogramme abzielen. Aufgrund von Nichterfüllung durch die tschadische Seite werden diese jedoch immer wieder unterbrochen. Auch die anvisierten Privatisierungen gingen nur schleppend voran, wie im Falle von Cotontchad.

Frankreich kontrollierte nach der Unabhängigkeit noch jahrzehntelang die Exporte der Baumwolle aus dem Tschad und anderer Sahel-Länder durch sein Unternehmen CFDT (Compagnie Française pour le Développement des Fibres Textiles). Nach der Unabhängigkeit war Frankreich am staatlichen Baumwollunternehmen Cotontchad beteiligt, kümmerte sich um Absatzmärkte und fördert den Bau von Entkernungs- und Ölfabriken. Nach dem Sektorreformprogramm 1999 ist inzwischen ein langwieriger Prozess der Privatisierung von Cotontchad in Gang gekommen, der jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Dabei haben die Auswirkungen der Privatisierungsreformen auf die Armutsentwicklung und weitere Sozialindikatoren eine große Bedeutung.

Hinsichtlich Investitionen im öffentlichen oder privaten Sektor ist der Tschad in aller Regel auf Entwicklungshilfemittel und Fremdkapital angewiesen.

Seit dem Jahr 2000 fließen jedoch in großem Stil ausländische Direktinvestitionen (FDI's) in den Tschad, was v.a. mit der Ausbeutung der Ölfelder im Süden des Landes zu tun hat. Das Erdölprojekt wurde von einem Konsortium der Mineralölkonzerne Esso, Chevron, Petronas und der Weltbank durchgeführt. Dabei hat sich die Regierung unter Idriss Déby gegenüber der Weltbank verpflichtet, 80 Prozent der Erdölexporteinnahmen in Investitionen in den Bereichen Bildung, Umwelt und Gesundheit einzusetzen. Fünf Prozent der Einnahmen waren direkt für das Doba-Becken bestimmt. Das von ihr eingesetzte Kontrollgremium veröffentlichte dazu regelmäßig Berichte. Pro Tag sollten bei voller Auslastung 250.000 Barrel Rohöl gefördert und damit die Staatseinnahmen des Tschad um jährlich bis zu 50 Prozent gesteigert werden. Um die richtige Verwendung der Gelder zu gewährleisten, hatte auch die Weltbank ein internationales Beratergremium, die International Advisory Group (IAG), eingerichtet. Im September 2009 legte dieses ihren Abschlussbericht vor.

Das Projekt hatte jedoch schon im Vorfeld seiner Umsetzung Kritik bei zahlreichen nationalen und internationalen Menschenrechts- und Umweltorganisationen hervorgerufen. Die deutsche Arbeitsgruppe Tschad verwies auf eklatante Sicherheitsmängel, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen. Bewohner des Doba-Beckens beklagen zudem die negativen Folgen der Erdölförderung für ihre Gesundheit, den Zugang zu Bildungseinrichtungen und die Diskriminierung im Beschäftigungsbereich.

Anhaltende Meinungsverschiedenheiten und die Weigerung der tschadischen Regierung, sich an die Vereinbarungen bezüglich der Ausgaben der Erdöleinnahmen zu halten, haben im September 2008 schließlich zu einem Rückzug der Weltbank aus dem Projekt geführt. Zum 10. Jahrestag der Zustimmung der Weltbank zur Finanzierung des Projekts am 6. Juni 2010 attestierte die Arbeitsgruppe der Bank eine Mitverantwortung am Scheitern des Projekts. Auch die Studie des BICC (Bonn International Center for Conversion) kommt zu einer negativen Bilanz des Erdölprojekts.

Außenhandel

Der Außenhandel des Tschad ist seit Beginn der Förderung vom Ölsektor abhängig.
Im Jahr 2017 führte der Tschad Waren im Gesamtwert von ca. 2.438 Mrd. US Dollar (Schätzung CIA Word Factbook) aus. Dies stellt eine Verringerung im Vergleich zum Jahr 2014 dar, und liegt immer noch unter der Warenausfuhr von 2008, was sich durch den gesunkenen internationalen Ölpreis erklärt.

Die Importe sanken von 5,0 Mrd. US-Dollar im Jahr 2014 auf geschätzte 4,1 Mrd. US-Dollar 2015, stiegen 2016 auf 5,4 Mrd und fielen dann wieder auf 4,7. Importiert wurden vor allem Brennstoffe, Fahrzeuge, Medikamente, Getreide, Plastikprodukte und Textilien. Der vermehrte Import von Rüstungsgütern und Gütern für den Wiederaufbau und für Investitionen v.a. in der Infrastruktur, erklären den Zuwachs in den vorangegangenen Jahren. China ist der größte ausländische Investor.

Die wichtigsten Exportgüter des Landes - abgesehen von Erdöl (92 % in 2017) - bestehen aus Gold (11%), Baumwolle, die nur noch 2 % des Gesamtexportwerts ausmacht, Vieh, Fleisch, Sesam und Gummi Arabicum. Haupthandelspartner sind vor allem China, USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreich, Kamerun, Algerien, Japan und Italien. Auch als Abnehmer für Baumwolle gewinnt in den letzten Jahren China vermehrt an Bedeutung. Problematisch stellt sich die Abhängigkeit dar, die von den großen Preisschwankungen beim Export der Rohbaumwolle auf dem Weltmarkt ausgehen und die regionalen Absatzprobleme, die auf schlechte Infrastruktur und Organisation zurückzuführen ist. Dazu kommen die angesprochene schleppende Privatisierung im Baumwollsektor und die Folgen der Doha-Gespräche über Handelsliberalisierungen, in denen v.a. die Abkommen über Agrarzölle und -subventionen zu Divergenzen zwischen Ländern des Nordens und Ländern des Südens führen.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Verteilungsbesprechung von Hilfslieferungen (Joerg Meyer)
Verteilungsbesprechung von Hilfslieferungen (Joerg Meyer)
Oasenbrunnen bei Mao (Joerg Meyer)
Oasenbrunnen bei Mao (Joerg Meyer)

Armut und Armutsbekämpfung

Seit 1998 kooperierte der Tschad mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds im Rahmen von Armutsbekämpfung und Strukturanpassungsprogrammen. Seit Mai 2001 hatte er sich für die Aufnahme in den Kreis der HIPC-Länder (Heavily Indebted Poor Countries) qualifiziert. Dazu wurde 2003 vom Tschad ein Poverty Reduction Strategy Paper und 2007 ein Progress-Paper entwickelt. Die Zusammenarbeit kam 2008 aufgrund der Nichterfüllung der eingegangenen Verpflichtungen der tschadischen Seite zum Erliegen, wurde in den letzten Jahren wieder aufgenommen und im April 2015 hat der Tschad seinen Entschuldungspunkt und damit die Schuldendienstentlastung erreicht. Das bedeutet für den Tschad konkret einen Schuldenerlass von 30 Millionen Euro und den Zugang zu neuen Krediten und Hilfen. Bei der Unesco kann der Nationale Entwicklungsplan für den Tschad 2017-2021 eingesehen werden.

Das letzte Poverty Reduction Strategy Paper für den Tschad wurde im Juni 2013 veröffentlicht.
Der letze Bericht des Tschad zur Umsetzung der Millennium Development Goals (MDG) wurde im Jahr 2010 erstellt, die neuesten Daten des Tschad in Bezug auf die Indikatoren der MDG im Jahr 2010 und im Januar 2011 erhoben.
Die Post-2015-Entwicklung wird mit den Ende 2015 vom Tschad gemeinsam mit den anderen Vertretern der internationalen Gemeinschaft vereinbarten Zielen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, Sustainable Development Goals (SDG), beschrieben.

Die Armut, die am stärksten die ländliche Bevölkerung trifft, wurde in der letzten Dekade nur unzureichend bekämpft. Dafür verantwortlich sind sowohl das schlecht ausgebaute Gesundheitswesen, das keine Versorgung der Landbevölkerung gewährleisten kann, als auch naturräumliche Gegebenheiten, wie Desertifikation, Bodenerosion, Dürren und Überschwemmungen, die sich 2012 zu einer Sahel-Krise ausweiteten.

Auch der Zugang zu landwirtschaftlichem Know-how, Technologien und günstigen Krediten, die eine höhere Produktivität und damit eine bessere Versorgung begünstigen könnten, bleibt der ländlichen Bevölkerung zumeist verwehrt.
Dazu kommt v.a. im Osten des Tschad der Kampf um Ressourcen zwischen der Dorfbevölkerung und den Flüchtlingen aus dem Darfur.

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Die zivilgesellschaftlichen Akteure, also Vereinigungen, Kooperativen, die Presse, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NRO) sind im Tschad im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern nur wenig entwickelt. Nach den langanhaltenden politischen Unruhen bilden sich seit Mitte der 1990er Jahre langsam zivilgesellschaftliche Strukturen heraus. Inzwischen sind etliche nationale und internationale NROs im Tschad registriert, die aber alle unterschiedlich aktiv sind. Erschwerend auf die Arbeit aller NRO wirkt sich die schlechte Infrastruktur des Landes aus, die sich sowohl in den mangelhaften Verkehrs- und Kommunikationswegen, als auch in den hohen Defiziten im Gesundheits- und Bildungssektor manifestiert.

Die einheimischen NRO beschränken sich daher zumeist auf die urbanen Zentren, die ländlichen Gebiete bleiben unterversorgt. Da der tschadische Staat seinen zentralen sozialen Aufgaben in vielen Bereichen nicht nachkommt und nur über eingeschränkte Kapazitäten verfügt, sind in den letzten Jahren viele Selbsthilfeinitiativen entstanden. Ihnen mangelt es allerdings an finanziellen und personellen Ressourcen und sie können ohne Unterstützung und Beratung häufig wenig Wirkkraft entfalten. Um diese zu stärken, werden oftmals Partnerschaften mit ausländischen NRO's, wie im Beispiel der APLFT (Vereinigung zur Förderung von Grundfreiheiten im Tschad), die als Partnerorganisation mit Swissaid zusammengearbeitet hat, geschlossen.
Vor allem Menschenrechtsorganisationen wie die Association Tchadienne pour la Protection et la Défense des Droits de l'Homme (ATPDH) und Ligue tchadienne des droits de l'Homme (LTDH) und tschadische Nichtregierungsorganisationen, die im sensiblen Bereich der Erdölförderung und deren Auswirkungen arbeiten, sind vielfachen Einschüchterungsversuchen und Bedrohungen ausgesetzt.
Einen großen Anteil an Unterstützungsarbeit leisten die regionalen kirchlichen Organisationen wie z.B. Belacd und SECADEV. Das überregional in großen Teilen Afrikas aktive Bildungsinstitut Inades führt v.a. Fortbildungen im Bereich ländlicher Entwicklung durch. Inter-réseaux versteht sich als Organisation zur Förderung der ländlichen Entwicklung v.a. in der Subsahara-Region. Die Université Populaire ist eine Bildungseinrichtung, die schon 1994 gegründet wurde und auf vielen Ebenen Fortbildungen für die Zivilgesellschaft anbietet und den Demokratisierungsprozess voranbringen will.

Speicher der Moundang im Südtschad (Joerg Meyer)
Speicher der Moundang im Südtschad (Joerg Meyer)
Wochenmarkt in Massaguet, Nähe N'Djaména (Brigitte Salzberger)
Wochenmarkt in Massaguet, Nähe N'Djaména (Brigitte Salzberger)

Multilaterale und bilaterale Entwicklungsanstrengungen

Die internationalen Entwicklungsanstrengungen konzentrieren sich im Tschad vor allem auf Armutsminderungsprogramme, verantwortungsvolle Regierungsführung und die Versorgung der Flüchtlingsgebiete im Osten und Süden des Landes. Frankreich ist neben den USA, der Schweiz und den Niederländern der bedeutendste bilaterale Geber.
Wichtigste multilaterale Geber sind Europäische Union, Afrikanische und Islamische Entwicklungsbank, UNDP und die Weltbank. Die EU hat im November 2013 im Rahmen des 11. Europäischen Entwicklungsfonds eine Erhöhung der Entwicklungshilfe für den Zeitraum 2014-2020 zugesagt.
Ende 2005 kam es zu Spannungen zwischen der tschadischen Regierung und der Weltbank. Die tschadische Regierung hatte das Gesetz zur Finanzierung eines Zukunftsfonds praktisch annulliert, der eine Vertragsbedingung der Weltbank für die Finanzierung des Projekts war. Kurz darauf ist dieser Konflikt zugunsten des Regimes Déby entschieden worden. Die Weltbank ließ zu, dass sich die Transparenz bei der Verwendung der Erdöleinnahmen reduzierte und die Ausgaben für Entwicklungsmaßnahmen zugunsten militärischer Ausgaben vermindert worden sind.
Als Konsequenz hat sich die Weltbank im September 2008 aus dem Projekt zurückgezogen und ihr Büro im Tschad erst im Januar 2009 teilweise wieder eröffnet.

Ausgewählte Beispiele zu Organisationen und deren Engagement und Projekte im Tschad

Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Die bilateralen Entwicklungsleistungen, die nicht unerheblich waren, konzentrierten sich im Tschad auf Projekte der Armutsbekämpfung. Zwischen 2000 und 2011 gab es im Tschad 716 Projekte der deutschen Entwicklungshilfe. Schwerpunkte bildeten neben der Nothilfe Unterstützungsmaßnahmen in der dezentralen ländlichen Entwicklung (u.a. Wasserversorgung, Grundschulbildung),  Demokratieförderung, Gesundheitswesen und in der Steuerung natürlicher Ressourcen.

2008 hat der Tschad seine Einstufung als Partnerland in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit aufgrund der mangelnden Entwicklungsorientierung der Regierung verloren. Die bilaterale Zusammenarbeit ist 2011/12 ausgelaufen, die Not- und Übergangshilfeprogramme bleiben jedoch bestehen. Vor allem Flüchtlingsprojekte, Maßnahmen zum Menschenrechtsschutz und Vorhaben im Bereich Konfliktprävention werden seither unterstützt.
Die GIZ unterstützt den Tschad weiterhin über Projekte der regionalen Entwicklungszusammenarbeit. Für die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen wurde Ende 2008 zudem ein TZ-Abkommen mit der Tschadseebeckenkommission geschlossen. Zudem unterstützt die GIZ die Tschadseebeckenkommission durch Organisationsberatung und in der Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel.

Im Mai 2016 wurde das bilaterale Entschuldungsabkommen Tschad V unterzeichnet, das den
Erlass der tschadischen Finanzrückstände (0,2 Mio. Euro) sowie die Annullierung der tschadischen Schulden gegenüber Deutschland beinhaltet.
Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Brigitte Salzberger, Ethnologin (MA), geb. 1967 lebt und arbeitet in Rheinland-Pfalz.

Verschiedene Forschungsaufenthalte in Tschad, Ghana und Südostasien. Seit 2001 als freie Referentin in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit (Erwachsenenbildung, Kinder und Jugendliche) tätig.

Seit 2003 Landestrainerin für den Tschad bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

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