Wüstenlandschaft im Westen Turkmenistans. (© Hendrik Meurs)
Offizieller Name
Turkmenistan
Fläche
491.000 km²
Einwohner
4,5 - 6,7 Mio. (genaue Zahl unbekannt)
Bevölkerungswachstum
zwischen 1,14% (CIA Schätzung) und 6% (Offiziell)
Regierungssitz
Aschgabad
Amtssprache
Turkmenistan
Regionalsprachen
Russisch, Usbekisch, Armenisch, Kasachisch u.a.

Turkmenistan

Kameltreiber mit Kamelen in der turkmenischen Wüste. (© Hendrik Meurs)
Kameltreiber mit Kamelen in der turkmenischen Wüste. (© Hendrik Meurs)

Im Süden Zentralasiens gelegen ist Turkmenistan einer der verschlossensten Staaten der Welt. Etwa 90 bis 95% des Landes werden von der Karakum Wüste beherrscht. Turkmenistan verfügt über die viertgrößten Gasreserven der Welt, deren Export die ökonomische Grundlage des Wirtschaftssystems bildet.

1.1 Übersichtskarten

Satellitenbild Turkmenistans. (Quelle: Wikipedia, ©: NASA, Public Domain)
Satellitenbild Turkmenistans. (Quelle: Wikipedia, ©: NASA, Public Domain)
Grenzen, Infrastruktur und Relief. (Quelle University of Texas, ©: U.S. Central Intelligence Agency, ID 146102, Public Domain)
Grenzen, Infrastruktur und Relief. (Quelle University of Texas, ©: U.S. Central Intelligence Agency, ID 146102, Public Domain)

    Im Internet lassen sich schon nach kurzer Suche zahllose Karten zu Turkmenistan finden. Diese gehen mehrheitlich kaum über eine Darstellung der Grenzen und Straßen hinaus. Zu den wenigen (frei zugänglichen) Ausnahmen gehören die teilweise veralteten, qualitativ jedoch zumindest außerhalb der Großstädte nach wie vor unübertroffenen, sowjetzeitlichen Militärkarten. Diese sind mittlerweile gemeinfrei und damit in sämtlichen Maßstäben frei zugänglich. Übersichtliche Zusammenstellungen finden sich hier:

    Die handliche Kombination verschiedener Kartensysteme durch Topomapper ermöglicht die Betrachtung des Landes mit Kartensystemen wie Open Street Map, Google Maps und Bing, ohne zwischen den jeweiligen Programmen wechseln zu müssen. Gerade zu Aschgabad hat sich die Darstellung in Open Street Maps in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Die hier gewonnene Detailtiefe wird von keiner anderen Karte erreicht. Eine hervorragende und zudem auch optisch ansprechende Ergänzung bieten die Informationen auf Wikimapia.

    Neben diesen Übersichtskarten finden sich einige attraktive Spezialkarten. Hierzu gehören beispielsweise die Risikokarte Zentralasien (natürliche und anthropogene Risiken), die Karte des Umweltschutzes und der Umweltprobleme in der Küstenregion oder das umfangreiche vom WWF erstellte Kartenmaterial zu Biodiversität und Naturschutz in Zentralasien. Zudem finden sich Karten mit Darstellungen etwa der in Turkmenistan gesprochenen Sprachen oder der Öl- und Gasfelder des Landes.

    1.2 Lage und Größe

    Die Lage Turkmenistans im überregionalen Kontext. (Quelle: Wikimedia Commons, ©: GNU Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder jünger, gewährt am 20.04.2011)
    Die Lage Turkmenistans im überregionalen Kontext. (Quelle: Wikimedia Commons, ©: GNU Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder jünger, gewährt am 20.04.2011)
    Die Lage Turkmenistans im regionalen Kontext der südlichen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. (Quelle University of Texas, ©: U.S. Central Intelligence Agency, ID 8025591, Public Domain)
    Die Lage Turkmenistans im regionalen Kontext der südlichen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. (Quelle University of Texas, ©: U.S. Central Intelligence Agency, ID 8025591, Public Domain)

    Turkmenistan liegt im Süden Zentralasiens. Im Westen grenzt das Land an das Kaspische Meer. Die nördlichen Nachbarländer sind Kasachstan und Usbekistan, wobei der Amu-Darja den Grenzfluss zu letzterem bildet. Im Süden grenzt das Land an den Iran, hier bilden die Kämme des jungen und seismisch entsprechend aktiven Kopet Dag Gebirges die Grenzen. Die südöstliche Grenze teilt Turkmenistan sich mit  Afghanistan. Bei einer maximalen Ost-West Erstreckung von 1.300 km und einer maximalen Nord-Süd Erstreckung von 540 km beträgt die Fläche Turkmenistans etwa 490.000 km². Als Brückenland zwischen den Staaten der ehemaligen Sowjetunion im Norden, den Staaten des Kaukasus im Westen und denen des Vorderen Orient im Süden kommt Turkmenistan eine potenziell wichtige Transitfunktion zu, die jedoch gegenwärtig nur in Ansätzen realisiert werden kann.

    Bilder

    Bildergalerien:

    • Sehr umfangreiche und qualitativ meist hochwertige Sammlung von Bildern zur Architektur Turkmenistans, mit Fokus auf die unter dem gegenwärtigen Präsidenten neu errichteten Bauten.


    Reiseberichte mit Bildern:

    Videos

    Reisetagebücher:

    • Von der Teilnehmerin einer Reisegruppe privat geschnittenes und vertontes Video eines Besuchs in Turkmenistan
      Ort: Vorwiegend Aschgabad und Konye Urganch (Norden)
    • Gefilmtes Reisetagebuch eines Individualtouristen in Turkmenistan.
      Orte: Aschgabad

     

    Dokumentationen über Turkmenistan:

    • Aufwändig recherchierte Dokumentation aus dem Jahr 2006
      Ort: Vorwiegend Aschgabad
    • Dokumentation der Reise einer Journalistin durch Turkmenistan. Teil 2 . Entstanden während der Regierungszeit Präsident Niyazovs.
      Orte: Aschgabad (Teil 1) und Turkmenbaschi (im Westen) (Teil 2)
    • Kurze Dokumentation des Senders Al Jazeera über Avaza
      Orte: Turkmenbaschi (Hafenstadt im Westen)
      Orte: Avaza (Feriensiedlung bei Turkmenbaschi im Westen des Landes)
    • Imagefilm der turkmenischen Tourismusorganisation
      Orte: Vorwiegend Aschgabad

    1.4 Grunddaten

    Administrative Gliederung von Turkmenistan. (Quelle: Wikipedia Commons, GNU Free Documentation License Version 1.2 or later granted August 17th, 2012 )
    Administrative Gliederung von Turkmenistan. (Quelle: Wikipedia Commons, GNU Free Documentation License Version 1.2 or later granted August 17th, 2012 )

    Staatsname: Türkmenistan (Turkmenistan)

    Verfassung: Die gegenwärtige Verfassung wurde im Sommer 2016 auf Vorschlag des Präsidenten vom turkmenischen Parlament einstimmig verabschiedet. Die vorherige Verfassung wurde im Sommer 2008 verabschiedet - gleichfalls auf Wunsch des Präsidenten und gleichfalls einstimmig.

    Einwohnerzahl: Zwischen 3,7 Millionen (letzter Zensus 1991), 5,1 Millionen (CIA World Factbook, ebenso: Vereinte Nationen) und 7,0 Millionen (offizielle Regierungsangabe)

    Bevölkerungswachstum: zwischen 1,14% (CIA World Factbook) und 6 % (offizielle Regierungsangabe).

    Hauptstadt: Aschgabad

    Staatsoberhaupt: Gurbanguly M. Berdimuhamedow (seit 14.02.2007)

    Grunddaten: CIA - The Factbook, UN data country profile Turkmenistan, Library of Congress: a Country Study: Turkmenistan, Auswärtiges Amt über Turkmenistan

    1.5 Naturräumliche Gegebenheiten

    Wüsten und Halbwüsten: 90-95% der Landesfläche
    Niederschlagssumme: 75 - 130mm
    Durchschnittliche Minimaltemperatur (Januar): -5 bis -8°C (Extrema < -20°)
    Durchschnittliche Maximaltemperatur (Juli): +35 bis +40°C (Extrema > 45°C)
    Aufgrund der sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit kann im Sommer eine tägliche Temperaturdifferenz von über 30° erreicht werden (unter 10°C nachts und über 40°C tagsüber). Bei einem Jahresdurchschnitt von etwa 28 bis 34°C werden unmittelbar über dem Boden Temperaturen von bis zu 70°C erreicht. In Bezug auf die Oberflächentemperatur und die durchschnittlichen Maximalwerte gehört die Karakum damit zu den heißesten Wüsten der Welt. Im Norden ist die Karakum durch den Amu-Darja begrenzt, im Osten durch die Ausläufer des Hindukusch, im Süden durch das Kopet Dag Gebirge und im Westen durch das Kaspische Meer. Niederschläge fallen, wenn überhaupt, in der Zeit von Dezember bis April. Außerhalb der Bewässerungsoasen im Norden und Osten ist die Wüste kaum besiedelt (Die Bevölkerungsdichte von etwa 0,15 Menschen pro Quadratkilometer oder 0,00071% der in Deutschland erreichten Bevölkerungsdichte). Nur wenige Oasendörfer erreichen mehr als 200 Einwohner.

    Vorgebirgsregion: 4 - 8%
    Niederschlagssummen: 200 bis 300mm
    Durchschnittliche Minimaltemperatur (Januar): -1 bis -4°C (Extrema < -10°)
    Durchschnittliche Maximaltemperatur (Juli): +35 bis +38°C (Extrema > 40°C)
    Die Vorgebirgsregionen bilden aufgrund der im Vergleich zum übrigen Turkmenistan relativ hohen Niederschlagssummen in Kombination mit den relativ fruchtbaren Pedimentflächen einen Gunstraum. Hier finden sich einige der größten Städte des Landes und auch außerhalb der großen Zentren ist die Region durch eine hohe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet.

    Gebirge > 1.500m: 1-2% der Landesfläche
    Niederschlagssumme: um 200mm
    Durchschnittliche Minimaltemperatur (Januar): -4 bis - 20°C (Extrema: unbekannt)
    Durchschnittliche Maximaltemperatur (Juli): 15 bis 20°C (Extrema: unbekannt)
    Die westlichstens Ausläufer des Kopet Dag Gebirges reichen bis auf die Höhe von Balkanabad, ragen hier jedoch nur noch wenige hundert Meter aus den mächtigen Pedimentflächen heraus. Noch weiter westlich versinken die Berge in diesen. In östlicher Richtung gewinnen die Berge zunehmend an Höhe und erreichen bei Aschgabad mit knapp 3.000m ihre größte Höhe. Aufgrund eines Vorstoßes der iranischen Grenze, liegt der Gebirgskamm noch weiter östlich innerhalb des Iran. Die nach Turkmenistan hineinreichenden Ausläufer des Hindukusch im äußersten Südosten des Landes erreichen kaum Höhen von mehr als 750m und nur an wenigern Stellen ragen die Berge ber 1000m auf. Entsprechend der weit auslaufenden Pedimentflächen sind die Hänge hier flach. Von einigen tief eingeschnittenen Tälern südwestlich der Hauptstadt abgesehen ist die Gebirgsregion unbewohnt. Nur wenige Dörfer erreichen mehr als 500 Einwohner.

    Von dem einst dichten Netz an Wetterstationen wurden die meisten inzwischen aufgegeben, so dass aktuelle Wettermeldungen und verlässliche Klimadiagramme nur von wenigen Orten vorliegen.

    Rohstoffe

    Turkmenistan verfügt nach unabhängigen Schätzungen über die viertgrößten Gasvorkommen der Welt und mit dem Süd Jolotan Gasfeld über eines der größten zusammenhängenden Gasfelder weltweit. Die Erschließung erfolgte größtenteils während der 1970er und frühen 1980er Jahre. Seit 1991 wurde nur vereinzelt in neue Explorations- und Extraktionstechniken investiert. Auch die Transportinfrastruktur ist erneuerungsbedürftig. Als diesbezüglich größter Geldgeber haben sich in den vergangenen Jahren chinesische Unternehmen etabliert, während europäische Firmen bislang vorwiegend im technisch anspruchsvolleren offshore Bereich Konzessionen zugesprochen bekommen.

    Darüber hinaus verfügt Turkmenistan über erhebliche Lagerstätten folgender Rohstoffe: Sulfur, Potassium, Magnesium, Kalkstein, Gips, Zement, Basalt. Sämtliche Rohstofflagerstätten sind in staatlicher Hand. Des bekannten Rohstoffreichtums zum Trotz ist es bislang zu keiner systematischen Erschließung gekommen. Einzige bekannte Ausnahme sind zwei Zementfabriken im Süden des Landes. Der Exportanteil der Summe aller nicht petrochemischen Rohstofferzeugnisse liegt bei unter 1,5% an den turkmenischen Gesamtexporten.

    Öl- und Gasvorkommen in Turkmenistan (verändert und aktualisiert nach: McArdle und Rowley 2009, S. 78)
    Öl- und Gasvorkommen in Turkmenistan (verändert und aktualisiert nach: McArdle und Rowley 2009, S. 78)

    1.6 Ökologische Probleme

    1.6.2 Naturschutzgebiete

    In Turkmenistan findet sich mit dem Biosphärenreservat Repetek, eines der ältesten Naturschutzgebiete der Sowjetunion. Das etwa 350 km² große Gebiet wurde bereits 1928 ausgewiesen. Im Zentrum befindet sich eine 1912 eingerichtete Forschungsstation. Bei sehr hoher Variabilität liegt der Jahresniederschlag hier bei durchschnittlich etwa 40mm, die durchschnittlichen Maximaltemperaturen im Juli liegen bei 40°C, die durchschnittlichen Minima im Januar bei -3°C. Das ausgeprägte Wüstenklima in Kombination mit der frühen Ausweisung als Naturschutzgebiet sind die Grundlagen dafür, dass sich in Repetek eine für große Teile Zentralasiens ursprünglich typische inzwischen jedoch weitgehend verdrängte Wüstenfauna und -flora in geradezu idealtypischer Weise erhalten konnte. Unabhängig von der Jahreszeit bietet das Naturschutzgebiet daher einzigartige und andernorts kaum wiederholbare Einblicke in ein weitgehend intaktes Wüstenökosystem.

    Zunehmender Weidedruck und die Aufweichung der ehemals sehr strengen Zugangsvorschriften bedrohen jedoch inzwischen den Erfolg der jahrzehntelangen Schutzarbeit.

    Die interaktive Darstellung von Protectedplanet gibt neben zahlreichen qualitativen und quantitativen Hintergrundinformationen zu den turkmenischen Naturschutzgebieten auch einen einen guten Überblick zur jeweiligen Fauna und Flora der einzelnen Schutzgebiete.

    Eines der eindrucksvollsten Naturschutzgebiete ist sicherlich das ehemalige Sapowednik Repetek, das als seit 1927 streng geschützter Steppenbereich durch die Schönheit der Natur und die Vielzahl der hier heimischen Pflanzen und Tiere begeistert. Innerhalb des mehr als 34.000 ha großen Naturschutzgebietes (einschließlich der unmittelbaren Umgebung) leben nicht mehr als 350 Menschen. Dementsprechend ist das Gebiet keinem nennenswerten Bevölkerungs- oder Nutzungsdruck ausgesetzt. Damit ist Repetek einer der ganz wenigen in ihrer ursprünglich Schönheit und Natürlichkeit erhaltenen Steppenräume Zentralasiens. Im Jahr 2009 wurde Repetek in die Vorschlagliste der UNESCO zum Weltnaturerbe eingetragen.

    Achtung: Ausländer dürfen Schutzgebiete ausschließlich in Begleitung autorisierter Turkmenen betreten und benötigen zudem eine schriftliche Erlaubnis durch das Ministerium für Umwelt- und Naturschutz. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Abschnitt Alltag (Unterkapitel Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen).

    1.7 Sozialgeographische Gegebenheiten

    1.7.2 Verkehrsinfrastruktur

    Turkmenisches Straßennetz: breite gelbe Linie: asphaltiert, in der Regel markiert und ausgebuat, jederzeit befahrbar; schmale rote Linie: nur teilweise asphaltiert, schlechterer Zustand, nicht bei jedem Wetter befahrbar, teils nur Allradantrieb; gestrich
    Turkmenisches Straßennetz. (Quelle und ©: Geoatlas)
    Turkmenisches Eisenbahnnetz. (Quelle und ©: Homepage der turkmenischen Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten)
    Turkmenisches Eisenbahnnetz. (Quelle und ©: Homepage der turkmenischen Botschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten)

    Die turkmenische Verkehrsinfrastruktur ist auf die Verbindung der großen Zentren des Landes ausgelegt und diesbezüglich sehr gut ausgebaut. Die wesentlichen Straßen und Eisenbahntrassen verlaufen landesweit annähernd parallel zueinander. Entsprechend der Verteilung der Städte über das Land ähneln die Hauptlinien des Verkehrs einem auf den Kopf gestellten T - eine West-Ost Strecke verbindet Turkmenbaschi im Westen mit Aschgabad in der Mitte, Mary im Osten und Turkmenabad im Nordosten. Eine zweite Strecke zweigt von Aschgabad aus nach Norden ab und führt in Richtung der Stadt Daschogus. Zudem verbindet eine im Nordosten des Landes parallel zum Amu-Darja verlaufende Straße die Orte Turkmenabad und Daschogus.

    Der zum Preis von mehr als 2 Milliarden Euro modernisierte und im Jahr 2016 neu eröffnete Flughafen Ashgabat International ist der wichtigste und größte Flughafen des Landes. Mit aktuell (2015) etwa 105.000 Besuchern pro Jahr ist der Flughafen bei einer Kapazität von etwa 14 Millionen Passagieren derzeit zu etwa 0,75% ausgelastet. Anders ausgedrückt hätte der Flughafen bei Ausnutzung seiner vollen stündlichen Kapazität von etwa 1.600 Passagieren ab einem theoretischen ersten Januar das jährliche Passagiervolumen am dritten Januar gegen 17.37 Uhr erreicht und könnte danach seine Pforten bis zum nächsten Jahr schließen.

    Der einzige weitere internationale Flughafen findet sich in Turkmenbaschi - Turkmenistan Airlines bietet von hier einen wöchentlichen Flug nach Istanbul. Von der Hafenstadt Turkmenbaschi bestehen Fährdienste über das Kaspische Meer. Zugleich ist der Bahnhof der Stadt der westlichste Punkt der Trans-Kaspischen Eisenbahn, die auf ihrem weiteren Verlauf in östlicher Richtung unter anderem die Städte Balkanabad, Aschgabad, Mary und Turkmenabad miteinander verbindet.

    Der wichtigste Hafen des Landes ist der Hafen von Turkmenbaschi, der im täglichen Durchschnitt zwischen 4 und 10 Schiffe abfertigt.

    Detaillierte Informationen zum grenzüberschreitenden Verkehr, zu sämtlichen innerhalb des Landes verkehrenden Verkehrsmitteln, zur individuellen Fortbewegung mit eigenem Auto oder Fahrrad sowie zum öffentlichen Personnennahverkehr innerhalb der großen Städte finden Sie im Abschnitt Alltag und praktische Informationen.

    1.8 Flagge, Wappen, Hymne und Eid

    Nationalflagge von Turkmenistan. (Quelle: Wikipedia)
    Nationalflagge von Turkmenistan. (Quelle: Wikipedia, Creative Commons Lizenz CC0 1.0)

    1.8.1 Nationalflagge

    Beschreibung: fünf Sterne mit weißem Halbmond auf dunkelgrünem Grund und (an der Liek) fünf Teppichmuster mit Olivenzweig auf rotem Grund.

    Erklärung: Die grüne Farbe und der weiße Halbmond stehen für den Islam, die fünf Sterne repräsentieren die fünf Provinzen (Welayate) des Landes. Die fünf Teppichmuster (sog. Guls) stehen für die fünf Stämme Turkmenistans, der Olivenzweig steht für die von den Vereinten Nationen offiziell anerkannte Neutralität des Landes. Der rote Grund entspricht der roten Farbe traditionell turkmenischer Teppiche

    Hintergrund: Bezüglich der fünf auf der Flagge repräsentierten Stämme besteht keine Einigkeit. Sicher ist nur, dass die Akhal-Tekke im Umfeld der Hauptstadt und die Mary-Tekke im Osten des Landes zu diesen gezählt werden.

    Darüber hinaus lassen sich die auf dem Gebiet des heutigen Turkmenistan lebenden Turkstämme in folgende Gruppen unterteilen:

    • Göklen und Südliche Yomut (im Westen des Landes, v.a. Provinz Balkan)
    • Nördliche Yomut und Chaudir (im Norden, v.a. Provinz Daschogus)
    • Ersari (im Nordosten, v.a. Provinz Lebap)
    • Salir (im Südosten, Provinz Akhal und Mary)
    • Sarik (im Südosten, v.a. Provinz Mary)

     

    Bereits seit mehreren tausend Jahren werden in Turkmenistan Teppiche geknüpft. Die traditionell aus Kamel- und Schafswolle gefertigten Teppiche sind fast ausnahmslos von roter Farbe. Die Teppiche unterscheiden sich durch die individuellen Stammes- und Clanmotive (Guls), die wie eine Art frühes Label den jeweiligen Hersteller verraten und so zugleich als Qualitätssiegel dienten. Die Bezeichnung dieser Teppiche (Tekke-Teppich) rührt daher, dass die Tekke-Stämme im Süden des Landes die Hauptproduzenten dieser Teppiche waren (und sind). Vor allem im westlichen Ausland geläufiger ist jedoch die Bezeichnung der Teppiche nach einem ihrer wichtigsten Verkaufsorte - Buchara (Buchara-Teppich). In beiden Fällen handelt es sich um den gleichen Teppichtyp. Ausführlich zum Kauf und zur Ausfuhr von Teppichen im Abschnitt - Souvenierkauf.

    1.8.2 Staatswappen

    Staatswappen von Turkmenistan. (Quelle: Wikipedia)
    Staatswappen von Turkmenistan. (Entsprechend des turkmenischen Zivilgesetzes in der gültigen Fassung vom 17. Juli 1998, Art. 1061 unterliegt das Staatswappen von Turkmenistan keinem Copyright).

    Sämtliche turkmenischen Nationalsymbole - insbesondere aber die Nationalflagge und das Staatswappen - sind voller Anspielungen auf die Geschichte, die materiellen Werte und die Kultur des Landes.

    Beschreibung: Pferd auf blauem Grund, umgeben von den fünf Teppichmustern der fünf Stämme Turkmenistans auf rotem Grund umgeben von einem 4/5 Kranz aus goldenen Ähren und Baumwolle mit weißer Mondsichel und fünf weißen Sternen in der Kranzöffnung auf grünem Grund in Form eines achteckigen Sterns.

    Erklärung: Das Pferd in der Mitte symbolisiert die turkmenische Pferdezuchttradition der Nomadenvölker und steht konkret für die aus Turkmenistan stammenden Akhal-Tekkiner Pferde. Die Teppichmuster symbolisieren die fünf Stämme (s.o.). Weizen und Baumwolle stehen für die Haupterzeugnisse der turkmenischen Landwirtschaft. Der Mond steht wie der grüne Untergrund für den Islam (s.o.) und die fünf Sterne stehen für die fünf Provinzen (s.o.). Die achteckige Form leitet sich von den Oghusen her, die nach turkmenischer Geschichtsschreibung einen achteckigen Stern als Erkennungszeichen hatten und vor 5.000 Jahren den turkmenischen Nationalstaat gründeten, von dem wiederum alle anderen Turkvölker abstammen.

     

    1.8.3 Nationalhymne

    Offizielle Übersetzungen der gegenwärtigen Version der turkmenischen Nationalhymne liegen bislang ausschließlich in russischer und englischer Sprache vor. Eine informelle Übersetzung ins Deutsche konnte bislang nicht gefunden werden, so dass hier im Sinne der Barrierefreiheit auf die Wiedergabe des Textes verzichtet wird. Einen akkustischen Eindruck vermittelt eine feierlich eingespielte Instrumentalversion der turkmenischen Nationalhymne.  

    Im Jahr 2008 ließ Berdimuhamedow die Erinnerung an seinen Vorgänger aus der Nationalhymne entfernen. Nach der offiziellen Übersetzung lauteten die erste Zeile der Hymne und des Refrains zuvor: "Das große Haus, erbaut von Turkmenbaschi". Turkmenbaschi (zu Deutsch etwa Vater (und zugleich Anführer) der Turkmenen) war der Ehrentitel, den Präsident Niyazov sich gegeben hatte.

     

    1.8.4 Nationaleid

    Eine offizielle Übersetzungen der gegenwärtigen (seit 2016) Version des turkmenischen Nationaleides liegt bislang lediglich in englischer Sprache vor, die hier im Sinne der Barrierefreiheit nicht wiedergegeben wird. Eine informelle deutschsprachige Übersetzung lautet:

     

    Turkmenistans, bestens Vaterland, mein Heimatland und in Gedanken und im Herzen bin ich immer bei Dir. Für das kleinste Böse das ich Dir verursache soll mir meine Hand genommen werden. Für das nichtigste üble Wort, das ich Dir nachspreche, soll mir meine Sprache genommen werden. Und in der Stunde meines Hochverrates am Präsidenten von Turkmenistans, an der heiligen (turkmenischen) Flagge, soll mir mein Atem genommen werden.

     

    Auch hier ließ Präsident Berdimuhamedow nach seiner Machtübernahme die Referenz zu seinem Vorgänger entfernen. Während Turkmenen den Eid nach wie vor unmittelbar auf den Präsidenten schwören und ihr Leben an das seine knüpfen, wurde in der früheren Fassung nicht der Präsident angesprochen sondern Turkmenbaschi persönlich. Der Abschluss lautete entsprechend: "Und im Moment meines Verrates an seinem heiligen Banner, an Präsident Turkmenbaschi, soll mein Atem mir genommen werden".

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    Letzte Aktualisierung

    Diese Länderseite wurde zuletzt im November 2018 aktualisiert.

    Über den Autor

    © Hendrik Meurs
    © Hendrik Meurs

    Dr. Hendrik Meurs

    hat nach seinem Studium der Geographie in Bonn und London am Lehrstuhl für Anthropogeographie in Heidelberg über die Politische Geographie Turkmenistans promoviert. Hierzu führten ihn zahlreiche teils längere Forschungs- und Arbeitsaufenthalte in sämtliche Länder Zentralasiens und dort insbesondere nach Turkmenistan. Seit 2012 ist er bei der GIZ Landestrainer für Turkmenistan und Länderredakteuer bei der AIZ.

    Literaturhinweis

    Eine umfangreiche und kontinuierlich weiter ergänzte, kommentierte Literaturliste finden Sie im Abschnitt Literatur (auf der Seite Alltag und praktische Informationen).

    Die GIZ-Literaturdatenbank weist derzeit einen Bestand von 84 Titeln mit Bezug zu Turkmenistan aus.

     

    Weiterführende Informationen zum Thema Wasserkonflikten in Zentralasien:

    Regionalexpertise Destabilisierungs- und Konfliktpotenzial (WBGU)

    Wasserkonflikte in Zentralasien (Julia Bar)

    Zwischenstaatliche Wassernutzungskonflikte in Zentralasien (Giese et al.)

    Wasserknappheit und Klimawandel in Zentralasien (KAS)

    Wasser und Frieden (Wissenschaftliche Dienste, Deutscher Bundestag)

    Wasser und Zentralasien (Weiss et al.)


    Studie zum Thema Wasserverbrauch in Zentralasien

     

     

    Abbildungen

    Soweit nicht anders vermerkt, wurden sämtliche Abbildungen vom Autor selbst angefertigt und dürfen ohne dessen ausdrückliche Genehmigung weder anderweitig verwendet noch wiedergegeben werden.

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