Öl- Und Gaskarte Turkmenistans. (© Hendrik Meurs)
Geschätztes BIP pro Einwohner (UN)
3.397 - 7.986 US-$ (genauer Wert unbekannt)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
3140 - 7.112 US-$ KKP (genauer Wert unbekannt)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 111 von 188 (2016)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
etwa 40% (2010, keine neuere Schätzung)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
etwa 40 (2011, keine neuere Schätzung)
Wirtschaftlicher Transformationsindex
Rang 108 (von 129) (2016)
Gender Inequality Index
Für Turkmenistan bislang nicht ermittelt

3.1 Wirtschaft

3.1.1 Grundlagen des turkmenischen Wirtschaftssystems

Die inhaltliche Grundlage der turkmenischen Wirtschaft bilden für jeweils 10 oder 20 Jahre formulierte Wirtschaftsprogramme. In diesen werden allgemeine Schwerpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung wie die Förderung und Modernisierung der Gasexploration oder der Ausbau des Weizenanbaus festgelegt. Ergänzt werden solche Leitlinien um konkrete Einjahrespläne. Hierin werden für jeden einzelnen Betrieb (Dienstleistungen und Industrie ebenso wie Landwirtschaft) präzise Produktionsziele vorgegeben. Die betrieblichen Ziele werden aufaddiert zu Planvorgaben für die Regierungsbezirke, aus denen sich wiederum die Planvorgaben für die fünf Provinzen errechnen, aus welchen schließlich die Jahrespläne für die nationale Güter- und Warenproduktion sowie das Dienstleistungsangebot errechnet wird. Entsprechende Planvorgaben werden nicht nur für die Produktionsziele formuliert, sondern auch für die verschiedenen Inputs wie Düngemittel, Beton oder Tafelkreide.

3.1.2 Wirtschaftsindikatoren

Einen Überblick zu den wirtschaftlichen Eckdaten des Landes bieten die Datenbank des CIA World Factbook, die Seite Ipicture und die Datenbanken der Weltbank. Die auf diesen Seiten genannten Werte weichen allerdings teilweise sehr deutlich voneinander ab und sind bisweilen auch widersprüchlich. Ursächlich hierfür ist die Zurückhaltung der turkmenischen Regierung bei der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten. Bei der Interpretation der wenigen offiziell publizierten Daten muss zudem berücksichtigt werden, dass diese fast immer den jeweils zu Beginn des Jahres formulierten Planvorgaben entsprechen. Folglich können die Angaben in regierungsunabhängigen Datenbanken lediglich Schätzwerte sein - die wiederum auf ebenfalls geschätzten Angaben zur turkmenischen Wirtschaftsentwicklung basieren. Entsprechend geben sämtliche Zahlen zum turkmenischen Wirtschaftssystem lediglich einen vagen Orientierungsrahmen. Im "Misery Index" auf Grundlage der Daten des CIA-World Factbook belegt Turkmenistan gegenwärtig Platz 5 und gilt damit als "eines der ärmsten und wirtschaftlich schlechtest gestellten Länder weltweit". Das Zitat bezieht sich auf das Jahr 2013. In späteren Jahren wurde das Land nicht mehr berücksichtigt, so dass keine Aussagen zur Platzierung in jüngeren Ausgaben des "Misery Index" gemacht werden können.
Weitere Informationen zur turkmenischen Wirtschaft, zu Abläufen und Prozessen innerhalb des Wirtschaftssystems sowie einige von der turkmenischen Regierung offiziell veröffentlichte Statistiken:

3.1.3 Wirtschaftspolitik und strukturelle Probleme

Die Währung des Landes ist der Neue Turkmenische Manat (ISO-4217 Code: TMT). Ein TMT entspricht 100 Teňňe. Im Januar 2009 ersetzte der TMT den zuvor gültigen Turkmenischen Manat im Kurs von 1 zu 5.000. Der Wechselkurs zum US-Dollar ist staatlich fixiert und liegt seit dem 01.01.2015 bei genau 3,41 TMT je US-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt kann der US-Dollar derzeit je nach Region (und Verhandlungsgeschickt) in 4 bis 7 TMT getauscht werden.

Das turkmenische Wirtschaftssystem ist nach wie vor weitgehend staatswirtschaftlich organisiert. Gegenüber den Unternehmen tritt der Staat als einziger Anbieter von Inputs auf und ist am Ende der Produktionskette der einzige Abnehmer fertiger Güter und Produkte. Die staatlichen Betriebe und Unternehmen haben keinen Zugang zum Weltmarkt und sind verpflichtet, ihre Produkte zu den staatlich vorgegebenen Preisen  zu verkaufen. Zahlreiche Produkte und Dienstleistungen werden von der turkmenischen Regierung hochsubventioniert oder kostenlos an die Bevölkerung weiter gegeben.

Dieses System der Staatswirtschaft ist nach offiziellen Angaben überaus erfolgreich. Demnach liegt das reale Wirtschaftswachstum jährlich bei mindestens 10% und erreicht damit Jahr für Jahr einen der höchsten Werte weltweit. Im Jahr 2016 bspw. wäre Turkmenistan damit nach Katar und der Mongolei die am drittschnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt gewesen. Eine unabhängige Überprüfung dieser Zahlen ist kaum möglich, Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die staatlichen Meldungen nicht immer zuverlässig sind und die tatsächlichen Wachstumsraten um bis zu 20 Prozentpunkte unterhalb den offiziell verkündeten liegen können. Diese Beobachtung führt zu der wenig hilfreichen Feststellung, dass das turkmenische Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren vermutlich zwischen minus zwei und plus >20% gelegen hat.

Bei sich weiter verschlechternder Tendenz gilt Turkmenistan gegenwärtig noch hinter Ländern wie Nordkorea, Osttimor und Myanmar als das investitionsfeindlichste Land der Welt.

Jenseits solcher Angaben lassen sich zudem einige Besonderheiten des turkmenischen Wirtschaftssystems ausmachen:

3.1.3.1 Aktuelle Wirtschaftskrise (seit 2016)
Die bereits seit dem Herbst 2016 zu beobachtende Wirtschaftskrise hat im Verlauf des Jahres 2017 zunehmend dramatische Ausmaße angenommen und sich in 2018 noch weiter zugespitzt.. Ursächlich für die Krise ist eine Kombination aus  ineffektiver und generell investitionsfeindlicher Wirtschaftspolitik, verschleppten Reformen, veralteter Infrastruktur, veralteten und monostrukturell ausgerichteten Industrieanlagen, mangelnder wirtschaftlicher Diversifikation und internationaler Kompetitivität, dem zunehmenden Mangel an ausgebildeten Fachkräften, der Abhängigkeit von Gasexporten und verbreiteter Korruption. Als Auslöser gilt ein mit China geschlossener Vertrag zur langfristigen Lieferung von Erdgas nach China zu für Turkmenistan überaus ungünstigen Bedingungen. Der Vertrag erlaubt es China, die abzunehmende Gasmenge flexibel zu bestimmen, während zugleich das an China gelieferte Gas auf längere Zeit vornehmlich dazu dient, die von China finanzierte Pipeline abzubezahlen. Zugleich ist Turkmenistan durch strenge Auflagen an die Erfüllung des Vertrages gebunden. Als besonders problematisch stellt sich dabei heraus, dass die turkmenischen Förderkapazitäten unzureichend sind, parallele Verträge zu erfüllen oder neue Absatzmärkte zu erschließen, selbst wenn diese für sich genommen deutlich lukrativer wären.

Aufgrund der komplexen Ausganssituation und dem bisherigen Verhalten der Regierung im Umgang mit der Krise wird diese von ersten Beobachtern als systemgefährdend eingeschätzt. Initiale Reaktion der Regierung auf erste Anzeichen der Krise war die Suche nach Sündenböcken, die in der Umstrukturierung zahlreicher Ministerien und Behörden insbesondere aus dem Energiesektor mündete, verbunden mit der Entlassung der jeweiligen Minister und Behördenchefs.

Dass hierdurch die Krise nicht beigelegt werden würde, wurde spätestens im Herbst 2016 offenkundig, als neben weiten Teilen des Landes zunehmend auch die Hauptstadt von Nahrungsmittelengpässen betroffen war. Um den Anschein der Normalität zu wahren, wurde Schlangestehen vor Lebensmittelgeschäften oder das (nur unbestimmt definierte) Leerkaufen von Regalen bei Androhung von Lagerhaft verboten. Gleichzeitig entwickelte sich ein System von Wartelisten zum Kauf von Grundnahrungsmitteln. Im Jahr 2017 verschärfte die Krise sich weiter. Seit Februar 2017 gelingt es der Regierung nicht mehr, die Nachfrage an Eiern zu bedienen. Seit dem Frühjahr werden Auswirkungen auch auf das ohnehin fragile Gesundheitssystems berichtet.

Im Sommer 2017 erschien in den staatlichen Medien ein Bericht, in dem die Regierung die Krise zumindest indirekt zugab. Dieser Bericht ist ein deutliches Indiz für die Schwere der Krise, da es sich hierbei zugleich um die erste bekannte Meldung in der Geschichte des Staates handelt, in dem eindeutig von der Vorgabe zur Meldung ausschließlich positiver Nachrichten abgewichen wurde. Seit Sommer 2017 ist die Versorgungslage in weiten Teilen des Landes (mit Ausnahme der Hauptstadt) teils katastrophal. Schon Getreide und Reis sind, wenn überhaupt, nur in geringen Mengen und von schlechter Qualität erhältlich.

Privilegierte Bevölkerungsteile mit Zugang zu subventionierten Waren und Flugscheinen der Turkmenistan Airlines haben den Verkauf entsprechender Produkte (beispielsweise Wodka, eingelegte Gurken, Brot) in der Türkei als lukrative Einkommensquelle für sich erschlossen. Dementsprechend werden die Flugzeuge der Turkmenistan Airlines in die für Turkmenen visafrei zu erreichende Türkei vermehrt von Kleinhändlern genutzt, die mit üppigen Gepäckmengen nach Istanbul aufbrechen und in der Regel mit dem nächsten Flugzeug wieder zurück fliegen. Da hiervon vorwiegend solche Bevölkerungsgruppen profitieren, die für den Systemerhalt als elementar angesehen werden, ist derzeit trotz der für 2018 angekündigten Kürzungen im Staatshaushalt nicht zu erwarten, dass die entsprechenden Vergünstigungen gestrichen werden.

Sollte es zur Freigabe des kaum noch zu stützenden Wechselkurses und damit zur Abwertung des Manat kommen (möglicherweise bereits im Jahr 2018), droht aufgrund der Importquote von mehr als 90% für Lebensmittel unmittelbare und umfassende Verarmung und zugleich die brisante Verschlimmerung der Krise. Seit Herbst 2017 verschwinden immer mehr Importwaren aus dem Sortiment der turkmenischen Lebensmittelhändler. Die Substitution durch einheimische Produkte gelingt sowohl qualitativ wie quantitativ nicht immer zuverlässig. Ein Beispiel hierfür sind die Getränke von "Coca Cola": Diese sind seit November 2017 wenn überhaupt nur noch als teuer verkaufte Importe aus Afghanistan, Iran oder Usbekistan erhältlich. Eine Sprecherin von Coca Cola begründete die Situation mit temporären Herausforderungen bei der Versorgung mit Rohmaterialien infolge neuer Regelungen zum Tausch von Devisen.

Zugleich ist weiterhin keine Strategie zur Bewältigung der Krise erkennbar. Die Abschaffung von Subventionen spart zwar Geld, die resultierende Erhöhung der Lebenshaltungskosten für die oft am Existenzminimum lebende Bevölkerung ist jedoch in der Lage, das fragile gesellschaftspolitische Gleichgewicht kurz bis mittelfristig zu gefährden. Folgerichtig wird die sich weiter verschärfende Krise von mit der Situation vertrauten Beobachtern zunächst noch vorsichtig und seit Dezember 2017 mit zunehmend deutlichen Worten als möglicherweise systemgefährdend bezeichnet.

Der Anstieg der Lebenshaltungskosten im Jahr 2017 infolge der Nahrungsmittel- und der zugrundeliegenden Wirtschaftskrise war geradezu dramatisch und konnte durch die Ausweitung der Subsistenzwirtschaft und die Möglichkeit zum unregulierten Anbau von Sonderkulturen auf privaten Kleinstparzellen nicht mehr aufgefangen werden. Aufgrund der landesweit zunehmend katastrophalen Versorgungslage sprechen Beobachter seit dem Herbst 2017 von einer "sich abzeichnenden humanitären Katastrophe".

Vor diesem Hintergrund dürfte das Verständnis für den Bau kostspieliger Repräsentationsbauten und Prestigeprojekte ebenso weiter abnehmen, wie das für unattraktives Regierungshandeln, selbst wenn letzteres krisenbedingt ist.

Beispiele hierfür sind:

- Die am 12.10.2017 angekündigte und ab dem 01.11.2017 wirksame Erhöhung des Preises für Trinkwasser um etwa 2.380% (von 0,006 ct auf 14,3 ct je Kubikmeter Wasser)

- die Erhebung von Zwangsabgaben zur Finanzierung "Weißer Elefanten" wie beispielsweise der Asiatischen Martial Arts Indoor Games im Sommer 2017

- die ununterbrochene Politik der Zwangsenteignung und Umsiedlung der Bevölkerung etwa zum Bau eines neuen Golfplatzes.

Demgegenüber hält der Präsident die Krise für überwunden und bezeichnete das Jahr 2017 als eines der glorreichen Errungenschaften, während im kommenden die die Bevölkerung mit großzügigen Ernten und Wohlstand belohnt werde. Explizit wies der Präsident darauf hin, dass es keinerlei Schwierigkeiten bei der Bezahlung von Gehältern gebe.

Auf russischer Seite weckt die sich zuspitzende Krise Befürchtungen hinsichtlich der Entwicklung des Landes nach einem möglichen Zusammenbruch des Herrschaftssystems. Um diesen Zusammenbruch zu verhindern und zudem eine engere Bindung des Landes an Russland zu erreichen, unterzeichnete die russische Regierung im Oktober 2018 mit der turkmenischen einen Vertrag zur Wiederaufnahme der seit Jahren ausgesetzten Gaslieferungen an Russland. Entsprechend der für Turkmenistan vergleichsweise günstigen Konditionen des Vertrages sprechen erste Stimmen von einem ökonomischen Rettungsring. Das Vorgehen entspricht der auch in anderen Staaten der Region zu beobachtenden Tendenz einer deutlichen Verstärkung des ökonomischen Engagements in Zentralasien.

3.1.3.2 Korruption
Turkmenistan gilt als "eines der korruptesten Länder der Welt". Dementsprechend ist Korruption eines der größten Hemmnisse nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung. Diese bestimmt nahezu jeden Bereich des Wirtschaftslebens und erschwert ausländisches Engagement in erheblichem Maße. Entsprechend belegt das Land seit Jahren in dem von Transparency International herausgegebenen Korruptionsindex ebenso einen der letzten Plätze (2018 Platz 167 von 180) wie im von der Heritage Foundation veröffentlichten Index der ökonomischen Freiheit (2017 Platz 170 von 180). Entsprechend ihrer herrschaftssichernden Bedeutung ist die Gesetzgebung zur Korruptionsbekämpfung weitgehend wirkungslos. Sie erfüllt vornehmlich den Zweck, als Argumentationsvorlage zur Entlassung missliebiger Personen zu dienen. In zahlreichen Unterkategorien des Index belegt das Land den schlechtesten Platz weltweit. Letztlich befindet die Reigerung sich in dem Dilemma, auf der einen Seite zur Absicherung ihrer Herrschaft auf ein umfassend korruptes System angewiesen zu sein und zugleich durch die alle Lebensbereiche berührende Korruption eine progressive wirtschaftliche Entwicklung deutlich zu erschweren oder gar gänzlich zu ersticken. Behördenmitarbeiter erwarten bereits für die Kontaktaufnahme in bürokratischen Standardabläufen finanzielle Gegenleistungen. Auch in anderen Berichten wird das Ausmaß der Korruption in Turkmenistan als umfassend beschrieben. Explizit sieht das Außenministerium der USA verbreitete Korruption in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens und des turkmenischen Wirtschaftssystems und erkennt zugleich eine geringe Bereitschaft der turkmenischen Regierung, diese effektiv zu bekämpfen.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch das International Institute for Political Expertise in seinem umfangreichen Bericht zu den Chancen und Risiken ausländischer Direktinvestitionen in Turkmenistan. Die ausführlichen und inhaltliche größtenteils korrekten Darstellungen des Berichtes bieten eine umfassende Aufarbeitung der wesentlichen Potenziale und Risiken ausländischer Direktinvestitionen in Turkmenistan und dürften entsprechend gerade für mittelgroße ausländische Unternehmen von erheblichem Interesse sein.

3.1.3.3 Infrastruktur
Ein weiteres Problem ist die in vielen Bereichen veraltete Infrastruktur (Landesübersicht - Infrastruktur). Hiervon betroffen sind die Transportinfrastruktur und das Pipelinenetz ebenso wie bspw. die Gas- und Wasserleitungen zu den Endverbrauchern. Größtenteils datiert diese noch auf die Zeit der großen sowjetischen Investitionen während der 1950er bis frühen 1970er Jahre und im Gasbereich v.a. auf die 1960er bis späten 1970er Jahre. Nur vereinzelt wurden Anlagen seither modernisiert oder (meist mit chinesischer Unterstützung) neu errichtet. Und nur in einigen prestigeträchtigen Bereichen (bspw. Flughäfen und prestigeträchtige Fabriken) sowie im Umfeld der Hauptstadt wurde vermehrt in moderne Infrastruktur investiert. Insbesondere der neue Flughafen Aschgabad gilt aufgrund der Baukosten gilt als ein Paradebeispiel für die Vorliebe der Regierung zum Bau von "Weißen Elephanten". Die Baukosten des Flughafens werden auf etwa 2,25 Milliarden US-$ geschätzt. Die Kapazität des Flughafens liegt bei etwa 1.600 Passagieren pro Stunde bzw. etwa 17.000.000 An- und Abreisen pro Jahr. In der Eröffnungsrede gab der Präsident den im Bau befindlichen Flughafen von Dubai als Referenz an und verwies darauf, dass Turkmenistan über das Potenzial verfüge, zur künftigen Drehscheibe der globalen Güter- und Personenverkehrsströme zu werden. Die Schaffung adäquater Infrastruktur, so der Präsident, sei hierfür die Voraussetzung. Im Jahr 2017 besuchten insgesamt etwa 105.000 Menschen Turkmenistan, wovon etwa 80.000 den Flughafen zur An- und Abreise nutzten. Die Auslastung lag damit bei etwas weniger als 5%.

Generell wird bezüglich der turkmenischen Infrastruktur vorwiegend von Potenzialen gesprochen, deren Realisierung aufgrund der wirtschaftspolitischen Prioritätensetzung sowohl im Hinblick auf die infrastrukturelle Hardware als auch deren Nutzbarkeit weit hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurück bleibt.

Auf thematisch entsprechend fokussierten Webseiten lassen sich vertiefende Informationen zu Einzelaspekten der turkmenischen Infrastruktur finden. Dies gilt beispielsweise für Aspekte der turkmenischen Gaswirtschaft oder der Wasserleitungen und Bewässerungssysteme des Landes.

3.1.3.4 Industrie
Zudem fehlt es in den vielen Industriebereichen an Zulieferbetrieben, so dass bestehende Betriebe auf permanente Importe angewiesen sind. Tatsächlich dienen weite Teile der Industrie v.a. dazu, den Arbeitskräfteüberschuss aufzufangen oder prestigeträchtige High-End Produkte (wie beispielsweise Solarzellen) zu produzieren. Daher argumentieren Beobachter argumentieren, dass es der Nachfrage nach modernen Maschinen zum Trotz beispielsweise oftmals Fällen zwecklos sei, als internationales Unternehmen an turkmenischen Messe teilzunehmen. Diese Beobachtung ist um so bemerkenswerter, als dass die Produktionsanlagen, das Know-How und die zur Produktion notwendigen Inputs vollständig bzw. dauerhaft im Ausland erworben werden, so dass in Turkmenistan keine nennenswerte Wertschöpfung erfolgt. Zudem konnten bislang keine Märkte oder Kundengruppen für solche Produkte definiert werden. Der Export turkmenischer Waren wird durch den ausgesprochen hohen Wechselkurs des neuen turkmenischen Manat zusätzlich erschwert. Verschärfend kommt hinzu, dass inzwischen auch die turkmenische Öl- und Gasindustrie von der umfassenden Wirtschaftskrise betroffen ist.

3.1.3.5 Währung
Der turkmenische Manat ist fest an den US-Dollar gebunden. Obgleich die Inflationsrate in Turkmenistan über lange Jahre im zweistelligen Bereich lag und möglicherweise nach wie vor liegt (verlässliche aktuelle Angaben liegen nicht vor), wird der Wechselkurs von 3,41 TMT zum US-Dollar bislang unverändert beibehalten. Hieraus folgt eine relative Verteuerung turkmenischer Produkte, die deren Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich verschlechtert. Auf der anderen Seite profitierte die Regierung von dem die realen Verhältnisse kaum noch abbildenden Wechselkurs, da die allermeisten Konsum- und Investitionsgüter importiert werden müssen und entsprechend vergleichsweise günstig eingekauft werden können. Indem die Handelsgesellschaften ausnahmslos in staatlicher Hand sind, kann die Regierung die Wechselkursgewinne entweder selbst einfahren oder in Form subventionierter Preise an die Konsumenten weiter reichen.

Ausnahmslos unangekündigt kommt es gelegentlich zu Anpassungen des Wechselkurses. Zur Motivation für Anpassungen in die eine oder andere Richtung ist nichts bekannt. Hieraus resultiert auf Seiten der turkmenischen Bevölkerung eine erhebliche Unsicherheit. Die bislang letzte unangekündigte Wechselkursanpassung erfolgte am 01.01.2015, als der Preis für einen US-Dollar von 2,85 Manat auf 3,41 Manat angehoben wurde. Mit der etwa 18-prozentigen Entwertung des Manat ging eine entsprechenden Teuerung bei Importgütern einher. Die angesprochene Unsicherheit ist zugleich eine Ursache dafür, dass sich Gerüchte über bevorstehende Währungsauf- und abwertungen regelmäßig rasant verbreiten können. Infolgedessen kommt es immer wieder zu Panikkäufen und -verkäufen der Landeswährung.

3.1.3.6 Enteignung
Die Eigentumsrechte von Turkmenen werden nur so lange gewahrt, wie sie nicht den Interessen des Staates zuwider laufen. So kommt es bspw. im Rahmen von Infrastruktur- und Bauprogrammen mit großer Regelmäßigkeit zur (weitgehend) kompensationslosen Enteignung von Haus- und Grundstückseigentümern.

3.1.3.7 Weiße Elefanten
Bei einem erheblichen (möglicherweise dem überwiegenden) Teil der staatlichen Ausgaben handelt es sich nicht Investitionen im klassischen Sinne sondern um Ausgaben für "Weiße Elefanten". Hierbei gibt die turkmenische Regierung Geld für Prestigeobjekte aus, die aufgrund ihrer hohen Bau- und Folgekosten den Staatshaushalt ohne erkennbare Wertschöpfung langfristig belasten. So wurden alleine in den Jahren 2010 und 2011 mehr als 23 Milliarden US-Dollar für den Neubau hunderter zumeist mit weißem Marmor verkleideter Gebäude eingeplant.

Gründe für den Bau sind neben dem Versuch der Gewinnung von internationalem Ansehen beispielsweise die Gewährleistung einer konstanten Auftragslage für klientelistisch einzubindene Bauunternehmen oder die Versorgung von Teilen der Bevölkerung mit Arbeit. In diesem Sinne können auch Wohnungen und Fabriken Weiße Elefanten sein, wenn sie (wie in weiten Teilen der Hauptstadt) ohne erkennbaren Bedarf errichtet werden. Derartige machtpolitisch initiierten Entscheidungen sind dementsprechend nur selten (oder zufällig) ökonomisch sinnvoll und produzieren vielfach auch langfristig weniger Output als sie gleichzeitig an Inputs benötigen. 

So wird seit über zwei Jahrzehnten deutlich mehr Geld für die Symbolisierung von Wohlstand aufgewendet als für den wirtschaftlichen Aufbau. Bemerkenswert ist hierbei, dass die teils inakzeptablen Lebensumstände weiter Teile der turkmenischen Bevölkerung zahlreiche Möglichkeiten für eine sinnvolle Investition der Renteneinnahmen anbieten. Die Errichtung der Prestigebauten ist daher nicht nur mit hohen Kosten verknüpft, sondern über den gleichzeitigen Verzicht auf Maßnahmen etwa zur Entwicklung der Infrastruktur, zur Förderung der Lebensqualität oder zum Aufbau einer funktionierenden Wirtschaftsgrundlage auch mit hohen Opportunitätskosten.

Wie massiv die Bauplanung seit Jahrzehnten an den Realbedürfnissen vorbei geht, zeigt sich nicht zuletzt an der ausgesprochen geringen Verkehrsdichte auf den bis zu sechsspurigen Verkehrsachsen, dem Fehlen an Passanten in Malls und Vergnügungsparks, dem extremen Leerstand in den weitläufigen Apartmentsiedlungen und den nur spärlich besuchten Parkanlagen. 

Beispiele für diese Prestigebauten sind:

> 5 Milliarden Euro:

- "Goldenes Zeitalter" See im Nordwesten des Landes (geschätzt: 18 Milliarden €) 

- die 10-tägigen Asian Indoor und Martial Arts Games im Jahr 2017 (geschätzt: 5 Mrd. € wurden alleine für die Sportanlagen ausgegeben, mehr als 10 Mrd. € für das gesamte Event) 

- Feriensiedlung Avaza bei Turkmenbaschi (Schätzung 2009: 5 Milliarden US-Dollar, vermutlich deutlich mehr) 

 

> 1 Milliarde Euro:

- Flughafen Aschgabad (geschätzt: 2,25 Milliarden €)

 

> 100 Millionen Euro

- der Präsidentenpalast in Aschgabad (geschätzt : 350 Millionen US-Dollar) 

- der neue Zoo der Hauptstadt (geschätzt: zwei- bis dreistelliger Millionenbetrag)

- der größte achteckige Stern der Welt - Fernsehturm Aschgabad (geschätzt: 184 Millionen US-Dollar) 

- der Hochzeitspalast in Aschgabad (geschätzt: 100 Millionen €)

 

< 100 Millionen Euro

- das größte Indoorriesenrad der Welt (geschätzt: 90 Millionen US-Dollar)

- Verfassungsmonument (60 Millionen US-Dollar) 

3.1.4 Handel und Handelsbilanz

Verlässliche Angaben zum turkmenischen Handel und zur Handelsbilanz sind gegenwärtig nicht erhältlich. Die verfügbaren Angaben weichen so deutlich voneinander ab, dass sie bestenfalls als grobe Orientierungshilfe dienen können. Belastbare Angaben liegen lediglich zur Handelsbilanz mit den USA sowie mit der Europäischen Union vor. Aufgrund des generell ausgesprochen niedrigen Handelsvolumens Turkmenistans mit den USA und der EU lassen sich in zeitlich hochaufläsenden Statistiken erhebliche Schwankungen feststellen, die in der Regel auf individuelle Vertragsabschlüsse zurückzuführen sind. So lag das Handelsvolumen (Importe + Exporte) mit den USA im Januar 2017 bei etwa 2 Millionen US-Dollar um im Februar des gleichen Jahres auf etwa 92 Millionen US-Dollar hochzuschnellen und im März auf lediglich etwa 5 Millionen US-Dollar zurück zu fallen. Für das Gesamtjahr 2016 wird ein Handelsvolumen von etwa 124 Millionen US-Dollar angegeben.

3.1.4.1 Exporte / Importe
Die OECD schätzt, dass Erdöl und Erdgas sowie Öl- und Gasprodukte einen Anteil von etwa 91,5% an den turkmenischen Exporten halten, mit China als derzeit einzigem Abnehmer.

Mit einem Exportanteil von etwas mehr als 6% sind Baumwolle und Baumwolprodukte das zweitwichtigste Exportgut des Landes. Turkmenistan hat in den vergangenen beiden Jahrzehnten einige Verarbeitungsbetriebe für Baumwolle errichtet und konnte durch die nun innerhalb des Landes erfolgende Wertschöpfung die Einnahmen aus dem Baumwollexport deutlich steigern.

Die wenig differenzierte Exportlandschaft lässt sich auch an den Exportvolumina der fünf wichtigsten Exportpartner ablesen:
China           - 7.000 Millionen US-$ - entspricht etwa 78% des Exportvolumens
Afghanistan -    550 Millionen US-$ - entspricht etwa   6% des Exportvolumens  
Türkei          -    540 Millionen US-$ - entspricht etwa   6% des Exportvolumens 
Italien          -    170 Millionen US-$ - entspricht etwa   2% des Exportvolumens 
Georgien      -    110 Millionen US-$ - entspricht etwa   1% des Exportvolumens 

Das Portfolio der turkmenischen Importe ist deutlich diversifizierter als das der Exporte. Die größte Importposition sind verschiedene Arten von Baumateralien, die zusammengenommen etwa 14% des turkmenischen Importvolumens ausmachen. Wichtigster Importpartner ist die Türkei, gefolgt von Russland und China. Das Importvolumen liegt bei etwa 5,54 Milliarden US-$.

In absteigender Reihenfolge sind die fünf wichtigsten Importpartner:
Türkei          - 1.850 Millionen US-$ - entspricht etwa 33% des Importvolumens 
Russland      -   840 Millionen US-$ - entspricht etwa 15% des Importvolumens 
China            -  810 Millionen US-$ - entspricht etwa 15% des Importvolumens 
Deutschland -  330 Millionen US-$ - entspricht etwa   6% des Importvolumens
Süd Korea    -  180 Millionen US-$ - entspricht etwa   3% des Importvolumens 

Russland und China als Handelspartner
Generell nimmt Russlands Bedeutung als Handelspartner ab und die Chinas zu. China wird momentan zum wichtigsten Empfänger turkmenischen Erdgases, während Russland hier auf den zweiten Platz abgerutscht ist. Zugleich ist China nach der Türkei das wichtigste Herkunftsland für Konsumprodukte. Die einseitige Orientierung auf China als derzeit einzigem Abnehmer für turkmenisches Gas hat dazu geführt, dass einige Beobachter von einer regelrechten ökonomischen Gefangennahme Turkmenistans durch China sprechen. War die Orientierung auf China ursprünglich auch im Sinne der Loslösung vom eins übermächtigen Russland erfolgt, zeigten sich spätestens 2017 erstmals die möglichen Herausforderungen dieser erneut einseitigen Orientierung jetzt auf China: Die Reduktion der Gasimporte aus Turkmenistan durch China gilt als maßgeblich für die erhebliche Verschärfung der turkmenischen Wirtschaftskrise. Mangels alternativer Wirtschaftspartner, war die turkmenische Regierung nicht in der Lage, das Wegbrechen der Exporte nach China zu kompensieren.

Besonders deutlich lässt sich die extreme (und einseitige) Abhängigkeit von China an den OECD-Zahlen zur turkmenischen Exportwirtschaft ablesen: Der Wert der nach China exportierten Waren lag im Jahr 2015 (jüngere Daten liegen bislang nicht vor) bei etwa 7 Milliarden US-$. Der Wert der an den zweitgrößten Abnehmer turkmenischer Exporte - Afghanistan - verkauften Waren lag mit etwa 550 Millionen US-$ bei weniger als einem zehntel des chinesischen Wertes. Insgesamt exportierte Turkmenistan Waren im Wert von etwa 8,94 Milliarden US-$. Damit enfallen alleine auf China damit 80% des Warenwertes der turkmenischen Exporte. 

Weißrussland als Handelspartner
Der sich bereits 2014 abzeichnende Trend einer kontinuierlichen Zunahme der Handelsvolumina zwischen den Ländern wurde in den vergangenen Jahren fortgeschrieben. Als 2017 bekannt wurde, dass das Volumen der nach Turkmenistan exportierten Waren erstmals die Grenze von 100 Millionen US-$ überschritten hatte, gab der weißrussische Botschafter in Turkmenistan das Ziel aus, dieses Volumen auf eine Milliarde US-$ zu steigern. 

Iran als Handelspartner
Auch wenn die Bedeutung des Iran als Handelspartner in den vergangenen Jahren zugenommen hat, liegt das absolute Volumen des Austauschs zwischen den beiden Ländern weiterhin erheblich hinter den Möglichkeiten. Dieses Defizit wird insbesondere von iranischer Seite regelmäßig beklagt. Nach wie vor leiden die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern unter der regelmäßigen Nichteinhaltung von Gaslieferverträgen, wobei die Regierungen Turkmenistans und des Iran sich traditionell gegenseitig des Vertragsbruchs beschuldigen. Nachdem Turkmenistan die Lieferungen auf Basis des aktuellen Vertrags erneut unterbrochen hat, hat die iranische Regierung verlauten lassen, zu sie bevorzuge eine bilaterale Lösung der Frage, erwäge zugleich aber auch die Klärung vor einem internationalen Gerichtshof.
Ein wichtiger - informeller - Handelszweig ist der Schmuggel zwischen den beiden Ländern. Insbesondere entlang der flacheren westlichen Ausläufer des Kopet-Dag Gebirges blüht diese Form des Austauschs. Hier erscheinen zahlreiche Dörfer auf beiden Seiten der Grenze tagsüber wie ausgestorben, während nachts scheinbar endlose Scharen von Händlern den beschwerlichen Weg über die Grenze suchen. Besonders rege ist der Schmuggel mit subventionierten Waren (etwa Getreide, Salz, Brot oder Benzin und teilweise auch Kerosin aus Turkmenistan), mit auf der anderen Seite der Grenze legal nicht erhältlichen Waren (Alkoholika im Iran, Zigaretten, Bibeln und Korane in Turkmenistan) sowie mit überregional geschmuggelten Waren (insbesondere Heroin) und Frauen (als illegale Arbeitskräfte oder Prostituierte).

Türkei als Handelspartner
Die Handelsbeziehungen zwischen Turkmenistan und der Türkei entwickeln sich sehr dynamisch und überwiegend positiv. Zwischen 2012 und 2016 wurde der Austausch dadurch unterstützt, dass dass beide Seiten sich im Jahr 2012 auf den Warenaustausch auf der Basis ihrer jeweiligen nationalen Währungen verständigten. Seit dem Jahr 2016 scheinen die Herausforderungen des Verzichts auf Referenzwährungen wie Euro oder US-Dollar (Inflation, Wechselkursschwankungen) die Vorteile zu überwiegen, so dass Händler wieder dazu übergegangen sind, bei Vertragsschluss Preise in Referenzwährungen zu vereinbaren.

3.1.4.2 Binnenhandel
Entsprechend der generell sehr zurückhaltenden Informationspolitik der turkmenischen Regierung und insbesondere des sehr restriktiven Umgangs der mit statistischen Angaben lassen sich keinerlei Angaben zu Volumen, Hauptströmen, Strukturen und Entwicklungstendenzen des turkmenischen Binnenhandels machen. 

3.1.4.3 Ausländische Direktinvestitionen
Ausländische Direktinvestitionen erfolgen nur in begrenztem Umfang. Außerhalb der Öl- und Gasindustrie sowie des Textilsektors stagnieren sie auf sehr niedrigem Niveau. Entsprechend ist die turkmenische Außenhandelskammer aktiv um die Gewinnung internationaler Investoren bemüht. Ein Grund für das weitgehende Ausbleiben von Direktinvestitionen ist die Währungspolitik der turkmenischen Regierung (s. o.). Das 1983 mit der Sowjetunion geschlossene Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen war bis zum August 2016 grundsätzlich noch in Kraft. Da es sich zeigte, dass es für deutsche Investoren gleichwohl unerlässlich war, den Ausschluss von Doppelbesteuerungen zum Bestandteil der Vertragsschließung mit turkmenischen Partnern zu machen, wurde das Abkommen am 29.08.2016 durch die Schließung eines Abkommens mit der turkmenischen Regierung erneuert und bilateral bestätigt. In Bezug auf Turkmenistan hat das Abkommen von 2016 das 1983 geschlossene Abkommen substituiert.

Besonders belastend auf die Entwicklung eines vertrauensvollen Verhältnisses zu ausländischen Investoren wirkt die mangelhafte Vertragstreue der turkmenischen Regierung. Diesbezüglich sind gegenwärtig vor dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (einem Schiedsgerichtshof der Weltbank) zahlreiche Verfahren zwischen (klagenden) internationalen Unternehmen und dem turkmenischen Staat anhängig. Bereits mehrfach wurde Turkmenistan wegen Vertragsbruch durch den Schiedsgerichtshof zur Zahlung von Straf- und Kompensationszahlungen aufgefordert und endeten Verfahren mit einem Schiedsspruch zugunsten der ausländischen Kläger. Die Unternehmen klagen wegen des wiederholten Vertragsbruchs der turkmenischen Regierung und ausstehender Zahlungen in einer Gesamthöhe von einer Milliarde Euro. Einige der klagenden Unternehmen sind aufgrund der getätigten Vorleistungen in Kombination mit der zahlungsunwilligen Regierung in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Obgleich türkische Partner in aller Regel sämtlichen anderen ausländischen Investitionspartnern gegenüber bevorzugt werden (etwa in Form geringerer außervertraglicher Zahlungen oder günstigerer Konditionen bei der Konvertion von in turkmenischen Manat erzielten Gewinnen), haben auch diese mit erheblichen und sich zuletzt deutlich verschärfenden Schwierigkeiten zu kämpfen.

Entsprechend warnt die Botschaft der USA in einem im Jahr 2013 veröffentlichten Bericht davor, dass: "the Government of Turkmenistan has a history of arbitrary expropriation of the property of local businesses and individuals". Darüber hinaus warnt die US-Regierung in einem umfassenden Bericht zum turkmenischen Investitionsklima davor, dass Eigentumsstreitigkeiten grundsätzlich und unabhängig von den in individuellen Verträgen festgelegten Bestimmungen immer vor turkmenischen Gerichten ausgefochten werden. Auch zeigt Turkmenistan bislang kein Interesse an der Einführung und Umsetzung von Gesetzen und Verordnungen zur Achtung geistigen Eigentums. Eine vergleichbar scharfen Tonfall gegenüber dem Vorgehen der turkmenischen Regierung verwendet die US-Amerikanische Botschaft seit 2006 in jedem ihrer Berichte.

Neben den jederzeit drohenden Enteignungen und der Tendenz zur mangelhaften Vertragstreue von Seiten der turkmenischen Regierung, werden ausländische Investitionen auch durch die Erwartungshaltung der turkmenischen Regierung zur direkten Beteiligung an den Gewinnen ausländischer Unternehmen erschwert. Diese Erwartungshaltung wird auch in offiziellen Verkündungen zum Ausdruck gebracht. Eine zu geringe Beteiligung der Regierung an den Gewinnen ausländischer Unternehmen wird daher mitunter auch als Begründung für deren Enteignung genutzt. Die Höhe der Beteiligung wird von der Regierung bestimmt. Kooperiert der ausländische Konzern nicht oder wird die gezahlte Beteiligung von der Regierung als zu gering eingeschätzt, reagiert diese ebenfalls regelmäßig mit kompensationslosen Enteignungsmaßnahmen. Aufsehenerregend war diesbezüglich das Vorgehen gegenüber der turkmenischen Tochter des russischen Mobilfunkkonzerns MTS. Dessen Enteignung wurde in der verlinkten Mitteilung des turkmenischen Außenministerium damit begründet, dass: "MTS transferred only a very small portion of its huge profits to the Turkmen side. This situation was clearly abnormal".

Darüber hinaus müssen ausländische Unternehmen vor Vertragsabschlüssen die Notwendigkeit nicht monetärer Ergänzungsleistungen in ihre Kalkulation mit einbeziehen. Eine unter Präsident Niyazov wie auch unter Präsident Berdimuhamedow praktikable (da nicht finanzielle und daher in den Heimatländern der ausländischen Unternehmen nicht als Korruption geltende) Lösung ist hierbei das Angebot, Werke des Präsidenten in eine andere Sprache zu übersetzen. Die Darstellung solcher Übersetzungen nutzt die Regierung innenpolitisch zur Demonstration des internationalen Ansehens ihres Präsidenten. Entsprechende Übersetzungen werden von Einzelunternehmen ebenso durchgeführt wie von Organisationen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Insbesondere die Daimler A.G. musste in der Vergangenheit für zusätzlich gezahlte finanzielle Anreize zur Initiierung von Verträgen Strafzahlungen in Kauf nehmen. Auf der anderen Seite zeigt der turkmenische Präsident sich unzufrieden, wenn die erbrachten Zusatzleistungen nicht seinen Erwartungen entsprechen. So hatte er beispielsweise vom tatarischen Unternehmen ITERA als Gegenleistung für die gewährte Möglichkeit zur Onshoregasförderung eine deutlich größere Yacht erwartet als das ihm letztlich zugestellte Exemplar im Wert von etwa 60 Millionen US-$.
Abbildungen, die Berdimuhamedow zusammen mit seiner Yacht zeigen sind inzwischen zu vergleichsweise verbreiteten Darstellungen des Personenkultes um den Präsidenten geworden.

Überblicksartig fasst die deutsche Außenhandelskammer die grundlegenden Probleme bezüglich des unternehmerischen Engagements in Turkmenistan wie folgt zusammen:

  • weit verbreitete Korruption.
  • ein nicht entwickeltes Bildungssystem.
  • der Missbrauch von Öl- und Gaseinnahmen.
  • das Zögern der Regierung in Aschgabat gegenüber marktorientierten Reformen.

Konkret werden als größte Herausforderungen die "Erhöhung der Attraktivität für internationale Investoren trotz starker Regulierung durch den Staat (sowie die) Diversifizierung der Wirtschaft zur Verringerung der Rohstoffabhängigkeit" genannt.

3.1.5 Erdgas

Den größten Anteil an der Beschäftigung hat zwar die Landwirtschaft, die Grundlage des gegenwärtigen Wirtschaftsmodells sind jedoch die Gas- und Ölreserven des Landes. Jede genauere Angabe zum Volumen turkmenischer Gasreserven wird von der Regierung als Staatsgeheimnis behandelt. Entsprechend ungewiss sind Angaben zu deren tatsächlicher Größe. Gleichwohl haben einige unabhängige Beobachter basierend beispielsweise auf dem Gasdruck einzelner Extraktionsstellen, dem bekannten Ausmaß einiger Gasfelder sowie den geologischen Gegebenheiten und sowjetzeitlichen Explorationsmaßnahmen Schätzungen angestellt, nach denen Turkmenistan über mindestens 4,5 Billionen m³ bis maximal 17,5 Billionen m³ verfügt. Die Europäische Union gibt sogar Reserven in Höhe von etwa 25 Billionen m³ an, womit Turkmenistan noch vor Katar über die drittgrößten Gasreserven weltweit verfügen würde. Unzweifelhaft ist in jedem Fall, dass Turkmenistan mit dem "Galkynysh"-Gasfeld (alter Name: "South Yoloten Gasfield") über das zweitgrößte und zweitproduktivste Gasfeld der Welt verfügt.

Bei aller Unsicherheit bezüglich der genauen Größe der turkmenischen Gasreserven, besteht unter internationalen Beobachtern weitgehende Einigkeit dahingehend, dass Turkmenistan zu den vier Ländern mit den größten Reserven an konventionell gelagertem Gas weltweit gehört. Unter Fortschreibung des gegenwärtigen jährlichen Extraktionsvolumens reichen diese Reserven (ohne neue Funde) für etwa 250 Jahre. Hinzu kommt, dass die geologischen und die klimatischen Gegebenheiten die Gasförderung in Turkmenistan vereinfachen und entsprechend günstig machen:

  • Das Gas ist auf wenige sehr große Einzelfelder verteilt. Bspw. gilt das südöstlich der Hauptstadt gelegene Süd-Yolotan Feld als eines der größten zusammenhängenden Gasfelder weltweit.
  • Die Gasfelder liegen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - relativ oberflächennah und zugleich unterhalb sehr stabiler, harter Gesteinsschichten. Diese seltene Kombination vereinfacht die Erschließung und senkt die Kosten ganz erheblich
  • Die klimatischen Bedingungen vereinfachen die Gasförderung zusätzlich. In Folge der sehr geringen Luftfeuchtigkeit korrodiert das eingesetzte Material kaum. Die Temperaturen erlauben einen ganzjährigen Förderbetrieb.
  • Die meisten Gasfelder liegen im deutlich einfacher zu erschließenden Onshore Bereich. Die Erschließung dieser Gasfelder erfolgt vornehmlich in Kooperation mit chinesischen Partnern. Demgegenüber wurde die DEA-Group mit der Exploration der technisch deutlich anspruchsvolleren Gasfelder im Offshore Bereich betreut (Block 23). Zusätzlich verkomplizier wird die Situation hier durch die instabile Lagerung, den weicheren und zudem kompliziert gelagerten Untergrund sowie die hohe seismische Aktivität. Nachdem DEA im Jahr 2010 ein Büro in Aschgabad eröffnet hatte und im Jahr 2012 die seismischen Erkundungen der Felder aufgenommen hatte, zeigten sich schon bald unüberbrückbare administrative Herausforderungen verbunden mit entsprechenden Verzögerungen sowie die permanente Notwendigkeit zur Finanzierung nicht unmittelbar unternehmensrelevanter Aktivitäten im Land. Infolgedessen kündigte DEA im Jahr 2015 an, die Aktivitäten in Turkmenistan mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Die sehr große Bedeutung die der Gasförderung aufgrund dieser Voraussetzungen zukommt, lässt sich bereits an einer Zusammenstellung der nach ihrem Umsatz größten turkmenischen Unternehmen erkennen. Diese sind:

  • Turkmengaz (Erdgasextraktion)
  • Turkmengeologiya (Erdölexploration)
  • Turkmenneft (Erdölexploration)
  • Turkmenneftegaz (Öl- und Gashandel)
  • Turkmenneft-gazstroy (Bau von Öl- und Gasanlagen)

Auch die jährlichen Einnahmen aus dem Gasexport werden von der turkmenischen Regierung als Staatsgeheimnis gehandelt und größtenteils unmittelbar vom Präsidenten und seinem Beraterstab verwaltet. Schätzungen gehen davon aus, dass die Einnahmen zwischen 8 und 10 Milliarden US-$ pro Jahr betragen.

Der Export von Erdgas erfolgt über zwei kleinere Pipelines in den Iran (Korpeje–Kordkij Pipeline und Dowlatabad-Sarakhs-Khangiran Pipeline), eine neu eröffnete volumenstarke Pipeline nach China (der Bau eines parallelen Strangs zur Steigerung der Kapazität wurde im Frühjahr 2016 auf unbestimmte Zeit ausgesetzt), eine sowjetzeitliche Pipeline nach Russland sowie die Gasverflüssigungsanlage von Turkmenbaschi.

Herausforderungen
Nach Streitigkeiten zwischen Turkmenistan und Russland wurde der Gasexport an Russland Anfang 2016 eingestellt. Streitigkeiten zwischen Turkmenistan und Iran waren Ende 2016 der Auslöser für die Einstellung der Lieferungen an den südlichen Nachbarn. Da zugleich die Kapazität der Gasverflüssigungsanlage Turmenbaschi nicht ausgenutzt wird (über die Abnehmerländer von turkmenischem Flüssigas ist nichts bekannt), ist China derzeit der einzige relevante Käufer von turkmenischem Erdgas.

Entsprechend des mit Turkmenistan geschlossenen Vertrags darf China die importierte Gasmenge jederzeit frei bestimmen. Zugleich legt der Vertrag fest, dass Turkmenistan sich zwar nicht finanziell am Bau der Pipeline beteiligen muss, den Bau dafür jedoch durch die Lieferung von Erdgas abzugelten hat. Entsprechend des angesetzten Wertes der Pipelineerhält Turkmenistan für die Lieferung von Erdgas an China noch auf viele Jahre nur sehr geringe Einnahmen. Hinzu kommt, dass China die importierte Gasmenge seit 2016 deutlich reduziert hat, so dass sich die Abzahlung der Pipeline entgegen der ursprünglichen Schätzungen weiter verzögern wird und erste Erträge aus dem Chinadeal in weite Ferne rücken.

Generell leidet die turkmenische Gasindustrie und damit die turkmenische Wirtschaft unter zahlreichen Herausforderungen. Hierzu gehören insbesondere die veraltete Infrastruktur, mangelnde Kapazitäten zur Bedienung der auf politischer Ebene geschlossenen Exportverträgen, für Turkmenistan ausgesprochen negative Konditionen in den geschlossenen Exportverträgen und fehlendes Know-How zur Umsetzung der ebenso ambitionierten wie aus wirtschaftlichen Gründen zwingend notwendigen Explorations- und Extraktionsziele.

3.2 Entwicklung und Entwicklungspolitik

Turkmenistan spielt in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit bislang keine größere Rolle. Ursächlich hierfür ist vor allem das tiefverwurzelte Misstrauen der turkmenischen Regierung gegenüber der Einmischung internationaler Organisationen in interne Angelegenheiten. Daher waren bereits während der Präsidentschaft Niyazovs nur sehr wenige Organisationen im Land tätig. Seit der Machtübernahme Präsident Berdimuhamedows hat sich deren Zahl weiter reduziert. Zu den bekanntesten Organisationen die seither das Land verließen gehören die Ärzte ohne Grenzen und das us-amerikanische Peace Corps. In einer bereits im Jahr 2006 erstellten ausführlichen Analyse der möglichen Handlungsstrategien der Entwicklungszusammenarbeit mit Turkmenistan wird auf die Probleme, Risiken und möglichen Ansatzpunkte der Arbeit im Land sowie die Erfolge und Defizite bisheriger Projekte eingegangen.

Die Summe der für Turkmenistan jährlich aufgewendeten Gelder der internationalen Entwicklungszusammenarbeit liegt bei etwa 5 Dollar pro Kopf (zum Vergleich: in Kasachstan liegt dieser Wert bei etwa 90$ und in Usbekistan liegt er bei etwa 12 Dollar).

Turkmenistan bezeichnet sich selber als hochentwickelt und sieht daher keinen Bedarf für Maßnahmen zur Armutsbekämpfung.

3.2.1 Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Die vor Ort aktiven Geberorganisationen arbeiten vorwiegend in den Bereichen Landwirtschaft sowie Umwelt- und Naturschutz. Hierzu gehören:

  • Die Weltbank mit etwa 30 Millionen US-$ pro Jahr (zu Vergleich: Kasachstan etwa 1,25 Milliarden US-$ pro Jahr; Usbekistan: etwa 310 Millionen US-$ pro Jahr).
  • USAID (US Agency for International Development) zwischen 1992 und 2005 mit einem Gesamtvolumen von etwa 34 Millionen US-$ (zum Vergleich: Kasachstan: etwa 275 Millionen US-$; Usbekistan etwa 85 Millionen US-$). Die wenigen und vergleichsweise kleinen in Turkmenistan verfolgten Projekte sind im Jahr 2017 ausgelaufen.
  • Aufgrund anhaltender Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit stagniet die Anzahl der vom United Nations Development Programme (UNDP) in Turkmenistan verfolgten Projekte seit einigen Jahren auf sehr niedrigem Niveau
    Infolge dieser Anhaltenden Schwierigkeiten wurde seit dem Jahr 2003 kein turkmenistanspezifischer Bericht zu den Millennium Development Goals oder den Sustainable Development Goals veröffentlicht.
  • Aus dem Freedom Support Act der USA wurden in Zentralasien im Zeitraum zwischen 1992 und 2005 Projekte im Gesamtvolumen von etwa 1,15 Milliarden US-Dollar unterstützt. Hiervon entfielen etwa 60 Millionen US-$ auf Turkmenistan.
  • Seit dem Jahr 2000 ist die Asian Development Bank in Turkmenistan tätig. Allerdings ruhte die Arbeit der Bank faktisch von 2000 bis 2012 weitgehend. Erst seitdem Turkmenistan in zunehmendem Maße von Krediten der Bank abhängig geworden ist und, um diese zu erhalten, eine gewisse Compliance notwendig ist, zeigt Turkmenistan Bereitschaft, Projekte der Bank (insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Energie) zuzulassen.
  • Im Rahmen des Instruments für Entwicklungszusammenarbeit (EZI) hat die Europäische Union im Jahr 2017 insgesamt 5,5 Millionen Euro für Aktivitäten in Turkmenistan zur Verfügung gestellt. Zum Vergleich: Zwischen 2007 und 2010 entfielen von den 321,5 Millionen Euro die für Zentralasien insgesamt zur Verfügung gestellten wurden etwa 23,5 Euro (etwa 7,3 %) auf Turkmenistan. Für den Zeitraum 2011 - 2013 hatte sich der Wert auf 31 Millionen Euro (von 321 Millionn Euro, entspricht 9,6%) erhöht.

Der International Monetary Fund (IMF) ist in Turkmenistan (als einzigem Staat Zentralasiens) nicht in Projekten tätig. Die Zusammenarbeit beschränkt sich derzeit auf gelegentliche Besuche des IMF in Turkmenistan sowie Missionen im Rahmen von Artikel IV zur Untersuchung der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes. Soweit bekannt hat Turkmenistan Artikel IV Konsultationen des IMF bislang nicht behindert.

Eine Übersicht der in Turkmenistan tätigen internationalen Organisationen bietet der entsprechende Resource Guide der US-Amerikanischen Botschaft in Aschgabad.

3.2.2 Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Teil eines abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge: Unterstützung beim Bau von kleinen Dämmen zur Reduktion der Abflussgeschwindigkeit nach Starkregenereignissen. (© Hendrik Meurs)
Abgeschlossenes Projekt der GtZ im Kopet Dag Gebirge. (© Hendrik Meurs)
Teil eines abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge: Unterstützung beim Bau von kleinen Dämmen zur Reduktion der Abflussgeschwindigkeit nach Starkregenereignissen. (© Hendrik Meurs)
Abgeschlossenes Projekt der GtZ im Kopet Dag Gebirge. (© Hendrik Meurs)
Teil eines abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge: Unterstützung bei der Schaffung einer fruchtbaren Ackerfläche zur individuellen Bewirtschaftung, bewässert über ein hierfür angelegtes Wasserrückhaltebecken. (© Hendrik Meurs)
Abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge. (© Hendrik Meurs)
Teil eines abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge: Unterstützung bei der Schaffung einer fruchtbaren Ackerfläche zur individuellen Bewirtschaftung, bewässert über ein hierfür angelegtes Wasserrückhaltebecken. (© Hendrik Meurs)
Abgeschlossenen Projektes der GtZ im Kopet Dag Gebirge. (© Hendrik Meurs)

Turkmenistan gehört zu den Ländern, mit denen das BMZ im Rahmen der fokussierten regionalen oder thematischen Zusammenarbeit kooperiert. Ein bilaterales Länderprogramm existiert nicht.

Den jüngsten vorliegenden Zahlen zum Gesamtvolumen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Turkmenistan entsprechend, wurden zwischen 2000 und 2011 insgesamt 136 Projekte mit einem Gesamtvolumen von etwa 13,5 Millionen US-Dollar finanziert. Der Schwerpunkt lag dabei auf Projekten zur tertiären Bildung und zur Forstwirtschaft (vor allem entlang des Kopet Dag Gebirges), die zusammen für mehr als 99,5% der geleisteten Ausgaben verantwortlich sind. Eine geringere Summe wiesem im Vergleichszeitraum lediglich Äqutorial Guinea, Belize, Bhutan, Djibouti, Guinea-Bissau, Surinam und Swasiland auf.

Zu den wenigen derzeit in Turkmenistan tätigen deutschen Organisationen gehört die GIZ - etwa mit ihrem im Auftrag des Auswärtigen Amtes durchgeführten Projekts zum grenzüberschreitenden Wassermanagement in Zentralasien (einschließlich Turkmenistan, 2009 - 2017). Diese ist nach wie vor mit einem Büro in Aschgabad vertreten. Aufgrund ihrer langjährigen Aktivitäten im Land des des breiten Spektrums an bislang verfolgten Projekten und Regionalvorhaben gehört die GIZ zu den Organisationen mit dem größten Erfahrungsschatz zur erfolgreichen Initiierung und Implementierung von Projekten unter den lokalen Bedingungen. Ein aktuelles und noch bis 2018 laufendes Projekt zur Förderung der Rechtsstaatlichkeit in Zentralasien schließt Turkmenistan mit ein.

Darüber hinaus gehört die Succow-Stiftung zu den aktivsten und engagiertesten Organisationen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Turkmenistan. Diese unterstützt die Erschließung der Nationalparke und ist hierfür mit einem Projekt vor Ort vertreten.

Finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) führte das Leibniz Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien zwischen 2015 und 2017 ein sämtliche Staaten Zentralasiens berührendes Forschungsprojekt zur zur Entwicklung der Agrarreformen auch in Turkmenistan durch. Auch das in Teilen hierauf aufbauende Nachfolgeprojekt (2017 - 2019) wird vom BMBF gefördert - erneut als einziges Projekt des Ministeriums mit Beteiligung turkmenischer Partner.

Die deutsche Außenhandelskammer (Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien) unterhält eine turkmenistanfokussierte Seite, auf der sie regelmäßig Informationen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Turkmenistan sowie Nachrichten mit wirtschaftsspezifischem Inhalt veröffentlicht.

Seit einigen Jahren ist auch die Sparkassenstiftung in Turkmenistan aktiv. Schwerpunkte der Tätigkeit liegen hier neben dem bankfokussierten interkulturellen Erfahrungsaustausch insbesondere auf Ausbildungsprogrammen zur Einführung der dualen Berufsausbildung für die Kundenberater turkmenischer Banken.

 

 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im November 2018 aktualisiert

Über den Autor

© Hendrik Meurs
© Hendrik Meurs

Dr. Hendrik Meurs

hat nach seinem Studium der Geographie in Bonn und London am Lehrstuhl für Anthropogeographie in Heidelberg über die Politische Geographie Turkmenistans promoviert. Hierzu führten ihn zahlreiche teils längere Forschungs- und Arbeitsaufenthalte in sämtliche Länder Zentralasiens und dort insbesondere nach Turkmenistan. Seit 2012 ist er bei der GIZ Landestrainer für Turkmenistan und Länderredakteuer bei der AIZ.

Literaturhinweis

Eine umfangreiche und kontinuierlich weiter ergänzte, kommentierte Literaturliste finden Sie im Abschnitt Literatur (auf der Seite Alltag und praktische Informationen).

Die GIZ-Literaturdatenbank weist derzeit einen Bestand von 22 Titeln mit Bezug zu Turkmenistan aus. 

Ausführliche Hintergrundinformationen zu angesprochenen Themen:

Eine bemerkenswerte, ausgesprochen dicht geschriebene und sehr detaillierte Auseinandersetzung mit den Entwicklungen und Problemen der Weidewirtschaft in Turkmenistan (und Kasachstan):
Kerven, C. (2003): Prospects for Pastoralism in Kazakstan and Turkmenistan: From State Farms to Private Flocks. In: Central Asia Research Forum (Routledge).

 

Begriffserklärungen und Hintergründe:

Altyn Asyr Lake (See Goldenes Zeitalter)

Amu Darja

Binnendelta

Bodenmelioration

Karakum-Kanal

Murgab

Staubewässerung

Tröpfchenbewässerung

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