Frauengruppe in Ostuganda / © J. Ehrler
Bedeutende Religionen
Christentum 85 %, Islam 13,7 %
Städtische Bevölkerung
16,8 %
Lebenserwartung (m/w)
55,4 / 57,3 Jahre (geschätzt 2017)
Gender Inequality Index
Rang 121 von 159 (2015)
Anzahl der Geburten
5,71 / Frau (geschätzt 2017)
Kindersterblichkeit
57,6 /1000 Lebendgeburten (gschätzt 2016)
Anteil alphabetisierte Erwachsene
78,4 %

Soziale Struktur

Bevölkerungsentwicklung

Kind in Bananenplantage
An Kindern mangelt es in Uganda nicht. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt. © J. Machulla
Frauen und Kinder
Frauen und Kinder verfolgen gespannt ein Dorftheaterspiel © R. Längle

Die Bevölkerung von derzeit 39,5 Millionen lebt vorwiegend in den ländlichen Regionen. Uganda weist das neunthöchste Bevölkerungswachstum weltweit auf. Laut den Angaben des CIA World Factbooks nimmt hier Uganda weltweit Platz 6 mit einem Bevölkerungswachstum von 3,2 % ein. Die höchste Bevölkerungsdichte findet man Osten und im Südwesten des Landes. Karamoja, mit seinem ariden Klima, ist am dünnsten besiedelt.

Daten und Datenbanken zur Bevölkerung Ugandas finden Sie bei bei der Weltbank oder beim Uganda Bureau of Statistics. Eine Vielzahl von Daten z.B. zu Geburten- und Sterberaten, Altersstruktur u.v.m. mit vielen Grafiken finden Sie bei Index Mundi.

Altersgruppen

Ugandische Frauen gebären im Durchschnitt 5,7 Kinder pro Frau. Nur der Niger, Mali, Burundi und Somalia toppen Uganda noch. 58 von 1000 Babies sterben bevor sie ein Jahr alt sind. 14 % der Kinder unter fünf Jahren sind untergewichtig. Problematisch ist die frühe Verheiratung von minderjährigen Mädchen: 40 % werden vor ihrem 18. und 10 % vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Uganda hat vorbildliche Gesetze um die Kinder zu schützen, doch die Umsetzung ist oftmals mangelhaft. Hier leisten NGOs gute Hilfe, wie zum Beispiel das Uganda Child Rights NGO Network.

Ethnien Ugandas

Uganda ist, wie die meisten afrikanischen Länder, ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung ist ethnisch, kulturell, sprachlich und religiös heterogen und komplex. Im Land leben ca. 40 Nationalitäten (Ethnien), die aufgrund ihrer Kultur und Sprache zwei Hauptblöcke bilden: die Bantuvölker im Süden und die Niloten und Nilohamiten im Norden.

Bantu

Zahlenmäßig sind die Bantu die größere Volksgruppe. Die Baganda stellen mit 17 % die größte ethnische Gruppe Ugandas. Die Bedeutung des Königreichs Buganda ist bis heute spürbar und hat die Geschichte Ugandas schicksalhaft bestimmt. Bevor allerdings ausländische Forscher, Eroberer und schließlich die Engländer ihren Fuß auf den Boden des heutigen Uganda setzten, war Bunyoro-Kitara im Westen Ugandas gelegen, das bedeutendste Königreich.

Die Karimajong

Einen krassen Gegensatz zu den relativ gut entwickelten Regionen des Südens finden Sie in Karamoja, im Nord-Osten des Landes. Hier ist augenscheinlich die ärmste, trockenste und am meisten unterentwickelte Region Ugandas. Dieser Landesteil ist semi-arid, die Landschaft geprägt durch Savannen-Grasland und das Klima ist trockener, heißer, stürmischer und somit erschwerter bewohnbar als der Rest des Landes. Die Karimajong sind Niloten und leben als Halbnomaden in einem komplizierten Clansystem zusammen. Die Viehhaltung ist existentiell und nimmt - für viele Nicht-Karimajong kaum verständlich - abgesehen vom ökonomischen Wert, die wesentliche Stelle im kulturellen wie religiösen Leben ein. Vor allem während der Trockenzeit ziehen die Männer mit ihren Herden oft viele Kilometer täglich auf der Suche nach Weideland und leben in temporären Camps. Frauen dagegen bleiben mit den Kindern und alten Menschen in den Dörfern. Doch selbst die Häuser in den Dörfern sind aufgrund der einfachen Bauweise jederzeit in fruchtbarere Gegenden verlegbar. Mobilität ist ein essenzieller Bestandteil der Lebensweise der Karimajong. 

Kleine Bilderreise durch Karamoja:

Kraal in Karamoja
Ein Kraal in Karamoja (Luftbildaufnahme) ©Anne Fennel
Pokotmädchen
Pokotmädchen ©Anne Fennel
Mädchen mit Geschwisterkind
Mädchen mit Geschwisterkind ©Anne Fennel
Pokotfrau
Pokotfrau mit Schmuck ©Anne Fennel

Sprachen Ugandas

Die Kommunikation in Uganda ist sehr vielfältig. Im Land werden über 40 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Englisch, seit 2005 zusätzlich Suaheli. Damit soll vor allem die ostafrikanische Integration bzw. die Kommunikation in der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), gefördert werden. Bisher beschränkte sich die Verbreitung von Suaheli auf die Grenzregionen und galt als Sprache des Handels und vor allem des Militärs, vor allem berüchtigt seit dem Amin-Regime. Doch heute wird die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas von immer mehr Menschen genutzt und steht auf dem Lehrplan der Schulen, wenn auch noch kompetente Lehrer fehlen.

Im südlichen Teil Ugandas ist Luganda sehr weit verbreitet. Seit 2007 wird in den ersten drei Jahren der Grundschule in der lokalen Sprache der Region unterrichtet, zusätzlich wird Englisch als Fach angeboten. Dieses bietet vielen Kindern vor allem in den ländlichen Regionen den Vorteil, den Unterrichtsstoff zu verstehen. Manche Eltern befürchten allerdings, dass ihre Kinder gegenüber den Stadtkindern, die häufig sofort in Englisch unterrichtet werden, im Nachteil sind. In Regionen mit ethnischer Vielfalt hat manches Kind das Pech, in einer ihm fremden lokalen Sprache unterrichtet zu werden, wiederum mit verheerenden Folgen für die schulische Zukunft.

Soziale Lage und soziale Klassen

Grastransport auf dem Rad
Überleben auf dem Land: Ein Bauer transportiert Gras für das Dach seines Hauses auf dem Fahrrad ©J. Ehrler

Viele der rund 39,5 Millionen Ugander kämpfen ums tägliche Überleben. Eine regelmäßig bezahlte Arbeit haben nur wenige. Circa 80 % der Bevölkerung lebt von der Subsistenzlandwirtschaft, viele verdienen sich als landwirtschaftliche Helfer oder im Kleinhandel gelegentlich ein Zubrot. Der informelle Sektor entwickelt sich stetig. Ob als Schreiner an der Straße oder Hersteller von Recyclingartikeln, wie z.B. Öllampen aus alten Dosen, lässt sich zuverlässiger Geld verdienen als in der alleinigen Abhängigkeit von der Landwirtschaft. Allerdings sind die Löhne in den meisten Bereichen so gering, dass die Menschen auf die Lebensmittel der eigenen Landwirtschaft angewiesen sind. In der Hauptstadt Kampala gibt es jedoch immer mehr Menschen, die gut leben können. Es herrscht ein wahrer Bauboom, denn mit der Vermietung von Häusern und Wohnungen lässt sich gutes Geld verdienen. Die Straßen sind nicht mehr nur mit Kleinbussen und Projektfahrzeugen verstopft, dazu kommen immer mehr Privatfahrzeuge. Doch, was in Uganda immer noch rar ist, ist die Mittelklasse. Menschen die arbeiten, Geld verdienen und auch Steuern zahlen.

Stadt-Land-Verhältnis

In Uganda leben ca. 83 % der Menschen auf dem Land. Zu Ihnen gehören auch viele arme Menschen und die Ärmsten des Landes. Viele suchen und finden Arbeit in der Stadt, doch bleibt die Landverbundenheit zumeist erhalten. Zum Teil werden Familien geteilt, die Männer gehen auf Arbeitssuche in die Stadt und die Frauen versorgen weiterhin den Hof der Familie. Oftmals entwickeln sich daraus polygame Strukturen. Einige Familien jedoch entscheiden sich auch für ein gemeinsames Leben in der Stadt.

Verglichen mit Kampala spielen die restlichen Städte des Landes nur eine untergeordnete Rolle. In der Hauptstadt sind die besten Schulen, Universitäten, Jobs und inzwischen sogar Industrie vorhanden. Kein Wunder, dass auf Kampalas Straßen kaum noch ein Durchkommen ist. Schon während der Kolonialzeit wurde der Süden vorrangig entwickelt. Dies ist heute immer noch so. In den letzten Jahren hat sich dieses Süd-Nord-Gefälle durch den über 20-jährigen Konflikt in Norduganda verstärkt, der im Norden jegliche Entwicklung lähmte und im Gegenteil die Armut massiv verstärkte.

Migration spielt auch in Uganda eine Rolle. Der langjährige Krieg in Norduganda und zuvor die Konkflite in Teso oder Luwero, veranlassten viele Menschen Sicherheit in anderen Regionen des Landes zu suchen; allerdings meistens in der Hoffnung auf eine Rückkehr in friedlichen Zeiten.

Arbeitssuche führt die Menschen teilweise in Nachbarländer oder in andere Kontinente, zumeist zeitlich befristet.

Nicht zu unterschätzen ist die Anzahl von Kindern, die als Haushaltshilfen zu Verwandten in die Stadt gegeben werden. Die Eltern erhoffen sich gewöhnlich eine gute Versorgung des Kindes oder eine bessere Schulbildung. In der Realität werden die Kinder und Jugendlichen, zumeist Mädchen, oftmals als billige Arbeitskräfte ohne Stimmrecht ausgebeutet oder gar von den Hausherren sexuell missbraucht.

Als ein friedliches Land inmitten von Konfiktherden ist Uganda auch ein Land, das regelmäßig Flüchtlinge der Nachbarländer aufnimmt und versorgt.

Die Gendersituation

Die Frauen tragen immer noch die größte Arbeitslast ©Ernst Herold
Ein Plakat wirbt für die Beteiligung der Männer bei den Haushaltsaufgaben
Ein Plakat soll Männer ermuntern im Haushalt mitzuwirken © J. Ehrler

Die Gender-Situation in Uganda unterscheidet sich nicht grundlegend von der in anderen afrikanischen Staaten. Hohe Müttersterblichkeit, unterdurchschnittlich niedrige weibliche Alphabetisierungsraten und die weit stärkere Arbeitsbelastung von Frauen im Vergleich zu der von Männern sind hier nur einige Stichworte.

Traditionelle Gesetze und Praktiken beherrschen immer noch die ugandische Gesellschaft, obwohl die in 1995 ratifizierte demokratische Verfassung die Gleichheit der Geschlechter zusichert. So gehören auch heute noch Unterdrückung, überdurchschnittliche Arbeitsbelastung, Gewaltanwendung durch den Ehepartner und Vergewaltigung zum Alltag der Frauen in Uganda. Dass Frauen dabei Gefahr laufen, sich mit HIV anzustecken, ist leicht nachvollziehbar. Familienplanung ist zwar für viele Frauen ein Thema, doch ihre Ehemänner haben noch zuhauf Vorurteile, die es abzubauen gilt.
Doch es gibt auch Positives von Ugandas Frauen zu berichten. So setzen sich z.B. die Frauen im Tororo-Distrikt im Osten des Landes dafür ein, dass der Brautpreis abgeschafft wird.

Die ugandische NGO ACFODE (Action for Development) hat sich u. a. die rechtliche Gleichstellung der Frauen zum Ziel gesetzt.

Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Darin enthalten sind, zusammen mit anderen Werten, zwei „Gender sensitive" Indizes: der Gender-Related Development Index (GDI) und der Gender Inequality Index (GII). Beim GII liegt Uganda auf Platz 121 von 159, beim HDI auf Platz 163 von 188 untersuchten Staaten.

Bildung

Schüler in Uganda
Die meisten Kinder werden in Uganda eingeschult, doch die Abbrecherquote ist groß ©Josef Ehrler

Mehr als die Hälfte der Menschen in Uganda sind jünger als 15,7 Jahre. Nur wenige von ihnen haben Chancen auf einen guten Schulabschluss und eine Berufsausbildung, die ihnen einen guten Lebensunterhalt garantieren würde. 

Ugandas Bildungssystem besteht aus sieben Jahren Grundschule, der eine vierjährige Phase der Mittelschule und eine zweijährige Phase der Oberschule folgt. Drei bis fünf Jahre werden im Folgenden für ein Hochschulstudium veranschlagt. 

Grundschulbildung

Seit 1997 ist die Grundschulbildung kostenfrei. Die Schülerzahlen stiegen um über 2,5 Millionen auf ca. 6.8 Millionen im Jahr 2000. Dennoch leidet die Qualität der Grundschulbildung bis heute durch überfüllte Klassenzimmer, schlecht ausgebildeten Lehrern und schlechtem Schulmanagement. Laut der ugandischen Tageszeitung New Vision hat Uganda die höchste Schulabbrecherquote in Ostafrika. Nur 29 % der im Jahr 2006 eingeschulten Kinder beendete die siebenjährige Primarschulzeit 2012.

Sekundarschule

Seither konnten nur wenige Jugendliche die Sekundarschule besuchen. Die Kosten von durchschnittlich 130 $ pro Jahr können viele Eltern nicht aufbringen. Im Jahr 2007 führte Uganda als erstes Land Afrikas südlich der Sahara die freie Sekundarschulbildung ein. Bereits ein Jahr später wuchs der Anteil der Schüler, die die Primarschule beendeten und auf die Sekundarschule wechselten, von 50 % auf 69 %. Über 1000 staatliche und private Schulen wurden für das Programm ausgewählt.

Berufsbildung

Lange Zeit war das Berufsbildungssystem Ugandas sehr unzureichend. Immer noch gibt es zu wenige staatliche Berufsschulen. Zudem ist die Ausstattung der Bildungseinrichtungen oftmals mangelhaft und das Management und Lehrpersonal schlecht ausgebildet. Um die Situation zu verbessern, hatte die Bundesrepublik Deutschland Berufsbildung zu einem Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit Uganda gemacht. In den letzten Jahren konnten bereits einige Fortschritte erreicht werden. So werden von Ugaprivi (Uganda Association of Private Vocational Institutions) landesweit private Ausbildungszentren betreut und unterstützt. Ein neues Schlagwort nennt sich "Universal Post-Primary Education and Training" (UPPET). Hierbei ist neben der Finanzierung der Sekundarschule durch den Staat die Unterbringung junger Menschen in einer adäquaten berufsbildenden Einrichtung, die ihren Grundvoraussetzungen und ihren Kompetenzen entspricht, ein wichtiges Ziel im Kampf gegen die Armut.

Hochschulbildung

Bereits im Jahr 1922, noch während der Kolonialzeit, wurde die Makerere Universität, damals als technische Schule, erbaut. Heute studieren dort über 30.000 Studenten. Die Hochschule zählt zu den bedeutendsten Universitäten in ganz Ost- und Zentralafrika. Derzeit verfügt Uganda über elf staatliche, 34 private und vier militärische Universitäten, Tendenz steigend. Nur wenige Sekundarschulabsolventen können mit einem Stipendium kostenfrei studieren. Für alle anderen ist der Besuch einer Hochschule eine sehr teure Angelegenheit. 

Non-formale Bildung und Erwachsenenbildung

Mehr zur Aktion "Bildung für Alle", finden Sie auf einer Seite des Afrikahauses "Unterricht unter dem Mangobaum". Besonders wenig Chancen auf Bildung haben Kinder in Karamoja. Eine alternative Basiserziehung (ABEK) bringt Chancen für Kinder, die ansonsten mit dem Hüten der Tiere bzw. dem Bewältigen des Alltags vollauf beschäftigt wären.

Gesundheit

Mbale Hospital
Medizinstudenten im Hospital in Mbale © Bild: N.Lotz

Gesundheitsversorgung

Das Gesundheitsministerium Ugandas bemüht sich zwar die Gesundheitseinrichtungen zu modernisieren, die Bevölkerung zu impfen und sogar vereinzelt Krankenwagen anzuschaffen, dennoch hat der Gesundheitssektor in den letzten Jahren nur wenig Fortschritte erzielt. In den staatlichen Gesundheitszentren ist die Behandlung offiziell kostenlos, doch in der Realität herrscht ein ständiger Mangel an Medikamenten und Personal. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist nach wie vor hoch, die Anzahl neuer Tuberkuloseerkrankungen alarmierend. Die meisten Patienten sterben an Malaria. Ein ehrgeiziges nationales Malariakontrollprogramm, unterstützt vom Global Fund und anderen Gebern, möchte die Erkrankungsfälle reduzieren. Eine bisher sehr erfolgreiche Strategie ist die Bereitstellung von zumeist kostenlosen Insektizid-behandelten-Moskitonetzen. Doch auch die schlechten sanitären Bedingungen mit ca. 17 % der Bevölkerung ohne Toiletten und nur 75 % mit Zugang zu sauberem Wasser, sind verantwortlich für zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle.

Am schlimmsten ist die Gesundheitssituation in Karamoja im Kabong-Distrikt, wo kaum Zugang zu medizinischer Versorgung besteht.

Im Rahmen des Health Sector Strategic Plans (HSSP) wurde durch die Schaffung von Health Sub Districts (HSC) - jedes mit einem besser ausgerüsteten Gesundheitszentrum oder Krankenhaus - eine Dezentralisierung des Gesundheitssektors erreicht.

Außerdem werden nun kostenfreie Minimum-Gesundheitsvorsorge-Packages (sofern vorhanden!) zur Verfügung gestellt, z.B. für Gebärende. Verbesserte Ausbildungen, u.a. für Gesundheitsassistenten und sog. Comprehensive Nurses, sollen ebenfalls zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation in Uganda beitragen.

Ebola und Marburgvirus, Zika Virus und Nodding Disease

Seit Jahren tritt in Uganda immer wieder das gefürchtete Ebolafieber auf, zuletzt gleich zweimal im Jahr 2012. Wie schon bei früheren Ausbrüchen, nahm die Erkrankung in Westuganda ihren Anfang. Siebzehn Menschen starben daran, 24 Patienten wurden vorsichtshalber isoliert. Diese schwere Erkankung lässt die Menschen innerhalb von kurzer Zeit innerlich bluten, oftmals gar verbluten. Die Überlebenschancen sind in Uganda etwas besser als in den Nachbarländern, sie liegen bei rund 50 %. Im Vergleich zur Ebola-Epidemie in Westafrika hat Uganda die seitherigen Ausbrüche der Seuche relativ gut gemeistert. Ein System wurde etabliert um Verdachtsfälle bereits an der Basis zu erkennen und weitere Instanzen zu involvieren. Innerhalb von 24 - 48 Stunden können Ebola-Verdächtige diagnostiziert und isoliert werden.

Mitte 2008 starb eine niederländische Touristin am Marburgvirus. Sie hatte Fledermaushöhlen in Westuganda besucht. Fledermaus-Spezies gelten als potenzielle Überträger der Krankheit. Im Herbst 2012 trat die gefährliche Erkrankung erneut in Uganda auf. Anfang Oktober 2014 blieb der Ausbruch auf einen Erkrankungsfall beschränkt.

Zwar gibt es derzeit keine Fälle des Zika-Viruses in Uganda, jedoch wurde dieses im sog. Zika-Wald, dies bedeutet "überwuchert", in der Nähe von Entebbe 1947 zum ersten Mal entdeckt. Jetzt befindet sich dort ein Virusinstitut, betrieben von 400 zum Teil internationalen Forschern, das Verdachtsfälle auf virale Erkrankungen für ganz Ostafrika untersucht.

Weit weniger Beachtung in den Medien findet die sog. Nodding-Disease, die seit Ende 2011 vermehrt in Norduganda auftritt. Es erkranken vorwiegend Kinder und Jugendliche. Diese noch kaum erforschte schwere Erkrankung, mit Krampfanfällen einhergehend, führt zu geistiger Behinderung und endet oftmals tödlich, manchmal nach jahrelangem Leiden. Bisher gibt es nur Vermutungen über die Ursache, wie schlechte Ernährung und Hygiene, oder einen Zusammenhang mit Onchozerkose. Erste Behandlungszentren wurden jetzt eingerichtet.

HIV/AIDS

Aufklärungsplakat "Aids"
Aufklärungsplakat: Ermunterung den HIV-Status zu wissen.©G. Ehrler

In der öffentlichen Meinung gehören Uganda und AIDS zusammen wie ein Zwilling zum anderen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Uganda -- nicht zuletzt durch den Einsatz Präsident Yoweri Musevenis -- diese Krankheit nicht tabuisiert hat, d.h. dass auch Zahlen über die Verbreitung von AIDS nie unter Verschluss gehalten wurden. Durch diese Offenheit, die nicht zuletzt viele namhafte AIDS-Forscher und Hilfsgelder ins Land brachte, konnte Uganda eines der fortschrittlichsten AIDS - Bekämpfungsprogramme der Welt aufbauen. Bereits 1987 wurde von Betroffenen die AIDS-Organisation TASO gegründet, die bis heute in der Beratung der von HIV/AIDS betroffenen Menschen, dem sog. councelling sehr engagiert ist. In Ugandas Familien wird nicht viel über Sexualität oder AIDS geredet. Hier schafft das Straight Talk Radio Abhilfe. In Kooperation mit jungen Menschen entstand ein Programm, sowohl im Radio als auch als Zeitung, das nicht nur Aufklärung anbietet sondern auch auf viele Fragen junger Zuhörer bzw. Leser eingeht. Hunderte aidskranker Eltern in Uganda haben in den vergangenen Jahren "Erinnerungsbücher" für ihre Kinder verfasst. Darüber schreibt Henning Mankell in seinem Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt".

Leider wähnten sich viele Ugander in den letzten Jahren in einer gefährlichen Scheinsicherheit vor der Krankheit. Unwissenheit und Falschinformationen, wie z.B., dass die Beschneidung von Männern eine HIV Infektion verhüten könnte oder die angebliche Heilung durch antiretrovirale Medikamente, trugen maßgeblich dazu bei. So stieg auch leider die HIV-Infektionsrate der 15- bis 49jährigen bis auf ca. 7,4 % an, jedoch sank die Rate im Jahr 2016 wieder auf 6,5 %. Uganda liegt damit im afrikanischen Mittelfeld. Den Kampf gegen die Diskriminierung der HIV-Positiven trat Uganda nun mit einem Schönheitswettbewerb an. Gewählt werden Miss und Mister Y+. Das Y+ steht für "Youth positiv" (Jugend positiv). Die jungen Teilnehmer des Wettbewerbs mussten ihre eigene Geschichte präsentieren, wie sie mit der HIV-Infektion umgehen.

Nach wie vor hat AIDS verheerende volkswirtschaftliche Auswirkungen: Im Grunde muss man für jeden benötigten Arbeitsplatz zwei Leute ausbilden, da man davon ausgehen kann, dass einer von ihnen in den nächsten 10 Jahren an AIDS sterben wird.

Kultur

Kasubi tombs
Kasubi Tombs: Palast und Grabstätte der Baganda, Welterbe der UNESCO. Leider brannte die kulturelle Stätte im März 2010 komplett ab. ©Ernst Herold
Tänzerinnen der Ngoma Troupe in Mbale
Tänzerinnen der Ngoma Troupe in Mbale © E. Kling-Prein
Ausstellungsstück im Museum in Kabale
Ausstellungsstück im Museum in Kabale © G. Schweizer-Ehrler

Kulturelle Identitäten

Die unterschiedlichen Ethnien Ugandas weisen eine große kulturelle Vielfalt auf. Während die Bambuti und Batwa als eine bedrohte und diskriminierte Minderheit im Westen des Landes leben, sind ihre Nachbarn, die Batooro in einem Königreich organisiert, wiederum die Bakonjo und Bamba leben in den Ruwenzoribergen und sollen vom Mount Elgon ausgewandert sein. Vater und Sohn benutzten früher bei der Jagd eine wortlose Kommunikation mit Pfeiftönen.

Während in einigen Ethnien die Beschneidung der jungen Männer beim Eintritt ins Erwachsenenalter üblich ist, werden bei den Ethnien der Sabiny in der Region Kapchorwa, bei den Pokot und den Tepeth in Karamoja, die Frauen beschnitten. Diese Praktiken wirksam zu bekämpfen ist nicht einfach, solange man die sozio-kulturellen Wurzeln nicht kennt und dort ansetzt. Doch immer häufiger begehren Betroffene auf und gehen gegen das grausame Ritual an die Öffentlichkeit. Immerhin ist die Genitalverstümmelung seit 2009 in Uganda verboten, es drohen bis zu 10 Jahren Haft bei Zuwiderhandlungen. Als Folge wird das Ritual nun von einigen Familien in Kenia ausgeführt, versteckt in Maisfeldern, von hygienischen Bedingungen kann keine Rede sein. 

In jeder Ethnie findet die traditionelle Hochzeit, also das Aushandeln des Brautpreises, auf unterschiedliche Art statt. In Ankole wurden (und werden z. T. immer noch) die Bräute mit Milch gemästet, bis sie dick genug waren.

Seit über 600 Jahren stellen Handwerker des Ngonge Clan in Buganda ein Rindentuch, das sog. Barkcloth, her; früher für den Gebrauch der königlichen Familie heute auch für touristische Zwecke. Die UNESCO nahm das rare Handwerk auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Ugandas Museen

Bereits 1908 wurde das Uganda Museum in Kampala gegründet. Bis heute gilt es als eine der Hauptattraktionen Kampalas. Neben ethnologischen, anthropologischen und vielen historischen Objekten finden sich auch Fahrzeuge der ehemaligen Präsidenten. Interessant sind die wechselnden Ausstellungen. In den letzten Jahren haben sich jedoch auch in vielen kleineren Städten wie z. B. Moroto, Kabale oder Gulu kleine aber zum Teil sehr sehenswerte Community Museen entwickelt.

Traditionelles Theater, Musik, Film und Kunst

Der verbreitetste Kulturträger in Uganda ist das Theater. Das Ndere Dev' Theatre wird als erstes Kulturprojekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt. Doch auch die traditionelle Musik, mit einer großen Vielfalt an Instrumenten, hat ihren Platz in Uganda, wenn auch heute die moderne Musik eine große Rolle spielt. Manche Kids, v.a. in Kampala, haben Breakdance und Hip Hop für sich entdeckt. In einem Projekt wird versucht, damit marginalisierte Jugendliche zu erreichen. Ugandas aufstrebende Filmindustrie Wakaliwood produziert in Kampalas Slums neuerdings Actionfilme mit kleinstem Budget und oftmals Pfannen und Auspuffrohren als Waffen, mit viel Blut, das mittlerweile kein Schweineblut mehr ist, sondern aus Farbe besteht.
Ugandas internationales Filmfestival Amakulu findet nach mehrjähriger Pause erneut statt, jetzt gänzlich unter ugandischer Leitung. Als neue Zielgruppe werden nun Kinder mit Cartoons angesprochen, denn die Fernseher werden in Uganda immer mehr und davor sitzen vorwiegend Kinder.

Im Bereich Literatur hat Uganda einige bedeutende Schriftsteller zu bieten. Okot P´Bitek aus Gulu galt als einer der bedeutendsten Dichter Afrikas. In seinen Stücken "Song of Lawino", "Song of Ocol" und "Two songs" beschäftigt er sich mit den Gegensätzen von Moderne und Tradition. Eigentlich wollte Moses Isegawa Kardinal werden, doch schließlich landete er in den Niederlanden. In seinem Werk "Die Schlangengrube" beschäftigt er sich mit Intrigen und Korruption während des Amin-Regimes. Der Roman "Abessinische Chronik" beschreibt einen jungen Mann von seiner Kindheit bis zur Auswanderung nach Europa, Einblicke in Korruption, Nepotismus und innerafrikanische ethnische Konflikte inklusive. Jennifer Nansubuga gewann mit ihrer Familiensaga Kintu, die im vorkonialen Buganda beginnt und versucht Tradition mit der modernen Welt zu verbinden, 2013 den Kwani? Manuskript Preis.

Sehr vielfältig ist Ugandas Kunsthandwerk, angefangen von handwerklich gekonnt gefertigten Dachkonstruktionen, über Tonware, kunstvoll geflochtene Matten oder Körben bis hin zu filigran gefertigtem Schmuck. Bilder ugandischer Künstler findet man in Kampala regelmäßig bei Ausstellungen in den Galerien. Inzwischen finden eine Vielzahl von Konzerten, Festivals oder Workshops in Kampala, aber auch in kleineren Städten, statt.

Zahara Muhammed wurde Miss Uganda 2015. Ihre Vorgängerin Leah Kalanguka musste nicht nur ihre Schönheit zur Schau stellen, sondern auch ihr landwirtschaftliches Können, wie Schweine säubern oder Kühe melken. Schließlich sollen sie helfen, die landwirtschaftlichen Produkte des Landes zu vermarkten.

Ein Film aus Uganda "Call me Kuchu" erhielt im Jahr 2012 den entwicklungspolitischen Filmpreis "Cinema fairbindet". Er wird seit 2011 jedes Jahr vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Kooperation mit der Berlinale vergeben. Der Film handelt von den tagtäglichen Schwierigkeiten Homosexueller in Uganda.

Die Kleidung

Im Alltag ist die Kleidung in Uganda der unsrigen oftmals sehr ähnlich. Doch für Feste, oder auch in ländlichen Gegenden findet man oftmals Frauen mit Busuti, einem weiten langen Kleid, oder Männer mit Kanzu, einem weißen Gewand.

Doch gerade in den Städten wächst eine Generation junger Frauen heran, die offen ist für eine neue aber afrikanische Mode. Modemacher wie Sylvia Owori nutzen diese Chance und kombinieren afrikanische Stoffe mit modernen Schnitten und erreichen damit ein großes Publikum, Arbeitsplätze für lokale Schneiderinnen inklusive. Jedoch an Miniröcke dürfen sich Uganderinnen nun nicht mehr heranwagen: Im Rahmen des kürzlich verabschiedeten Anti-Pornografie-Gesetzes ist freizügige Kleidung verboten. 

Deutsch-ugandische Kulturbeziehungen

Diese konzentrieren sich vor allem auf die Förderung der deutschen Sprache, sowie Vergabe von DAAD-Stipendien. An zehn Sekundarschulen und drei Universitäten wird Deutsch als Fach unterrichtet. Des Weiteren findet eine starke Kooperation im sportlichen Bereich, unterstützt von einer deutschen Fachkraft, statt.

Aus der Ugandan German Cultural Society entstand 2008 das Goethe Zentrum in Kampala und ist in der Bukoto Street in Kamwokya, zu finden. Angeboten werden Kulturveranstaltungen, Theater, Sprachprogramme u.v.m.

Religion

Prozession zum Märtyrer Tag in Namugongo
Karfreitagsprozession in Ostuganda. © P. Ehrler
Kampalas Nationale Moschee
Die Uganda National Mosque ist die größte Moschee in Kampala © G. Schweizer-Ehrler

Die europäischen Missionare hatten im vorletzten Jahrhundert auch Uganda zum Schauplatz europäischer Differenzen gemacht. Sie lieferten sich bei der Missionierung einen Wettlauf entlang von Stammesgrenzen, was zu einer weiteren Vertiefung der Gegensätze führte. Auch in Afrika galt: wie der Herr, so's Geschärr. Der bugandische König Mutesa wurde beispielsweise katholisch, also wurden es seine Untertanen auch. Über Jahrzehnte vermischten sich traditionelle- und Weltreligionen, meist ohne große Probleme. 

In Uganda ist durch die Verfassung und Gesetze die Religionsfreiheit garantiert. Jedoch kam es in letzter Zeit, vor allem aus Furcht vor Rekrutierung von Terrormitgliedern, zu einzelnen Verhaftungen von Scheichs und Mitgliedern von religiösen Minderheiten.

Die am meisten verbreitete Religion stellt das Christentum mit über 85 %. Schätzungen lauten: Römisch-katholisch 39,3 %, Anglikaner 32 %, Anhänger von Pfingstkirchen 11 %, sunnitische Muslime 13,7 %, Anhänger traditioneller Religionen 0,1 %.

Die evangelikalen Pfingstbewegungen erhalten durch amerikanischen Einfluss derzeit starken Zulauf. So wird auch die Anti-Gay Kampagne vorwiegend aus diesen Kreisen unterhalten und finanziert.

Sekten

Zunehmend bekommen in Uganda die unterschiedlichsten Sekten mehr und mehr Anhänger. Im März 2000 starben im kleinen Ort Kanungu mehrere hundert Menschen, die der Weltuntergangssekte Wiederherstellung der zehn Gebote Gottes angehörten.

Foren

Diskutieren: Im Internet finden Sie Newsgroups und Foren, um Meinungen und Beiträge, vor allem von Ugandern, aber auch von sog. "Expats", nachzulesen. Dort werden beispielsweise Themen wie HIV/AIDS und Wirtschaftsfragen diskutiert.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2017 aktualisiert.

Autorin

Gertrud Schweizer-Ehrler

Gertrud Schweizer-Ehrler, Sozialmanagerin mit pflegerischer Grundausbildung arbeitete langjährig in einer NGO (Salem International) in Uganda, ist erste Vorsitzende des Vereins Tukolere Wamu, gemeinsam für Eine Welt e.V. Beratung, tätig in Schulung und Öffentlichkeitsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen, in der Organisation und Reiseleitung für Projekt- und Begegnungsreisen nach Uganda und ist Herausgeberin des Uganda-Ostafrika-Blogs.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Linktipps

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