Geschäftiges Kampala © E. Kling-Prein
Geschätztes BIP
26,39 Mrd. US-$ (2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
2.400 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 163 (von 188), 2016
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
19,5 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
44,6
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 57 von 129 (2018)

Wirtschaftssystem und Wirtschaftslage

Ugandaschillinge
Die Währung Ugandas: Der Ugandaschilling © P. Ehrler

In den Jahren nach der Unabhängigkeit gehörte Uganda zu den industriell am weitesten entwickelten Ländern Ostafrikas. Interne kriegerische Auseinandersetzungen sowie volks- und betriebswirtschaftliches Missmanagement haben diese Entwicklung zunichte gemacht. Allerdings konnte Uganda seit Anfang der 1990er Jahre eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage und auch der Anzahl der Beschäftigten, wenn auch noch vielfach sehr schlecht entlohnt, erzielen. Hierzu trugen enge Abstimmungen mit Weltbank und dem Internationalen Währungsfond (IWF) wesentlich bei. Die Armutsrate wurde erheblich reduziert (1992: 56 %; 2000: 35 %, 24,5 % im Jahr 2009/10 und 19,7 % in 2012/13). Investoren aus dem In- und Ausland sind willkommen. Die Regierung hat das ehrgeizige Ziel Ugandas wirtschaftlichen Erfolg weiter zu steigern: Mit der Vision 2040 soll die Wirtschaft in den nächsten 30 Jahren wettbewerbsfähig werden und die Menschen sollen ein mittleres Einkommen erzielen.

Aktuelle Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung Ugandas finden Sie im Uganda Data Profile der Weltbank. Für News aus dem Finanzsektor lohnt sich auch ein Blick auf die Seite der Bank of Uganda (BOU). Interessierte Investoren finden Informationen auf der Seite Doing Business, der Weltbank.

Statistiken zu den unterschiedlichen Wirtschaftssektoren bietet das Uganda Bureau of Statistics. Aktuelle Entwicklungen der Wirtschaft finden Sie beim Finanzministerium. Bei Socialwatch finden Sie eine Vielzahl von Indikatoren im sozialen, aber auch wirtschaftlichen Bereich. Trotz vieler guter Gesetze werden die Menschenrechte vor allem bei Menschen, die in Armut leben, nur unzureichend angewendet. Auf den interaktiven Seiten von Trading Economics können Sie Wirtschaftsdaten zu allen relevanten Themen recherchieren.

Wirtschaftssektoren

Frauen auf dem Feld
Frauen auf dem Feld: Der überwiegende Teil der Arbeit in der Landwirtschaft wird ohne Maschinen erledigt. ©J. Ehrler
Sesamanbau im nördlichen Uganda
Sesamanbau im nördlichen Uganda © E. Kling-Prein
Bugagali Wasserfälle
Bujagali Wasserfälle bei Jinja: hier entsteht das neue Wasserkraftwerk © Nils Lotz
Stromleitungen
Strom ist knapp, das neue Kraftwerk soll Abhilfe bringen. ©J. Machulla
Feuerholz versus Ölproduktion
Alte und neue Technologie; immer noch kochen die meisen Menschen mit Feuerzholz © J. Ehrler
Kaffeefabrik in Mbale
Frauen sortieren Kaffeebohnen in der Kaffeefabrik in Mbale © J. Ehrler
Vanilleverarbeitung
Vanilleverarbeitung in Mukono © G. Schweizer-Ehrler
Kakaoverarbeitung
Kakaoverarbeitung in Ostuganda © G. Schweizer-Ehrler
Palmölproduktion
Palmölproduktion auf den Ssese-Inseln. Der Regenwald wurde fast komplett mit Palmölpflanzen ersetzt. @ G. Schweizer-Ehrler

Laut World Factbook arbeiten ca. 72 % der Bevölkerung im Agrarsektor, für Weitere ist die Substistenzlandwirtschaft ein Zubrot um mit den zumeist niedrigen Löhnen den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Landwirtschaft ist nicht nur wichtigster Wirtschaftszweig, sondern auch mit Abstand größter Devisenbringer des Landes. Als Anteil am Bruttoninlandsprodukt nimmt allerdings der Sektor Landwirtschaft ab. Im Jahr 2017 betrug er 24,5 %. Die Sektoren Industrie (23,2 %) und Dienstleistungen (52,3 %) gewinnen an Bedeutung. Hier spielen u.a. Telekommunikation, der Finanzsektor und Tourismus eine Rolle. Während die ugandische Regierung sehr interessiert an einem Wachstum der Industrie ist, steht die Energieknappheit dem entgegen.

Ölvorkommen am Lake Albert

Bis vor wenigen Jahren galt Uganda als arm an Bodenschätzen. Inzwischen haben sich die Hoffnungen auf Ölfunde in der Region des Albertsees in Westuganda nicht nur bestätigt, weitere Ölfelder kamen hinzu. In naher Zukunft soll nun endlich das Öl gefördert werden. Derzeit sucht Uganda Investoren um eine eigene Raffinerie zu bauen. Die Kosten werden auf ca. 4 Mrd. US$ geschätzt. Als Standort wurde die westugandische Stadt Hoima ins Auge gefasst. Die Fertigstellung soll 2020 erfolgt sein, am besten zeitgleich mit dem Beginn der Förderung. Ugandas Regierung möchte baldmöglichst Öl-Einnahmen sehen, diese sollen für Bildung, Infrastruktur, Dienstleistung verwendet werden. Streit gibt es um die Steuern, die für die Weiterverarbeitung an Ugandas Regierung gezahlt werden müssten, doch niemand will bezahlen. Eine 1.445 km lange Pipeline, die längste elektrisch beheizte Ölpipeline weltweit, wird derzeit zum tansanischen Hafen in Tanga gebaut. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant, 10.000 Jobs sollen daraus für beide Länder entstehen. 

Ugandas Zivilgesellschaft, unterstützt von Parlamentariern und NGOs, drängen darauf, dass die Ölverträge publik gemacht werden. Die Erträge des sog. "Schwarzen Goldes" sollen nicht vorwiegend ausländischen Firmen aber auch nicht ugandischer Korruption zu Gute kommen.

Umweltschützer fürchten um den Erhalt des Murchison Nationalparks, in ihm liegt ein Teil der Ölfelder.

Weiterhin ist der Konflikt mit dem Nachbarland Kongo nicht gelöst. Denn die Ölvorkommen befinden sich im Albertsee, der die beiden Länder trennt; und das genau im Gebiet des Grenzverlaufs, der daraufhin von beiden Seiten verschieden interpretiert wurde. Im Jahr 2007 kam es zu Übergriffen kongolesischer Soldaten, mehrere Menschen starben, darunter ein britischer Mitarbeiter der Ölfirma. Anschließend einigten sich die beiden Präsidenten, Museveni und Kabila, auf eine gemeinsame Förderung des Öls. Doch im Moment ist davon nicht mehr viel zu hören.

Bodenschätze in Karamoja

Jahrhundertelang lebten die Semi-Nomaden Karamojas vor allem von ihren Kühen. Krankheiten, Dürren und auch der wachsende Bevölkerungsdruck führten dazu, dass viele Menschen nur noch wenige Tiere haben. So fingen Zehntausende an im trockenen Flussbett nach Gold zu graben. Die Präsenz der Soldaten und auch die Entwaffnungsprogramme der Regierung bewirkten, dass Karamoja inzwischen relativ friedlich ist. Nun kommen die internationalen Minenbetreiber, um nach Kalkstein, Marmor, Eisenerz und natürlich Gold zu graben. Ob es für die Karimajong Fluch oder Segen ist, bleibt noch abzuwarten.

Landwirtschaft

Genug Land ist noch immer die Voraussetzung einer ertragreichen Landwirtschaft. Dies wird jedoch derzeit in Uganda immer knapper, bedingt durch das rasante Bevölkerungewachstum aber auch durch die Ansiedlung von Investoren, die oftmals im Agrarsektor aktiv sind. Die Landgesetzgebung ist ein aktuelles Thema in der Politik.

Produkte aus Landwirtschaft und Gartenbau bilden nach wie vor die Basis der wirtschaftlichen Aktivitäten und sind für ca. 80 % der Exporteinnahmen verantwortlich. Auch im relativ fruchtbaren Uganda spielen Fragen der Ernährungssicherheit eine Rolle, insbesondere im Norden, im Zusammenhang mit der inzwischen zwar relativ guten Sicherheitslage, aber nach wie vor schlechten Infrastruktur. Während bereits eine gute Anzahl ugandischer Bauern auf Biolandwirtschaft setzt, gibt es auch Befürworter der Gentechnologie. Landknappheit, Monokulturen und feuchtwarmes Klima machen es Schädlingen leicht sich zu vermehren. Davon sind vor allem die Matoke-Anpflanzungen betroffen. Dürre setzt vor allem den Bauern im Norden und Osten (Karamoja) des Landes zu. Doch auch übermäßiger Regen, der in den letzten Jahren immer wieder vorkam, lässt die Ernte verderben. Neben traditionellen Erzeugnissen wie Kaffee, Baumwolle, Tee und Tabak gibt es neue Devisenbeschaffer, wie z.B. Vanille, Honig, Trockenfrüchte, Schnittblumen oder nun auch der Anbau von Aloe, vielleicht eine Chance für das seither wirtschaftlich total vernachlässigte Karamoja. Zunehmend wird nun auch Kakao angebaut, inzwischen steht Uganda mit 20.000 Tonnen im Jahr auf Rang fünf im afrikanischen Vergleich. Ein Teil davon wird im Land zu Schokolade verarbeitet. Auch Fisch zählt zu den Exportschlagern Ugandas. Doch nach jahrelanger Überfischung wird das Gut langsam knapp. Nun brachte der lukrative Viktoriabarsch, der v.a. in die EU exportiert wird, fast eine Konfrontation mit Kenia. Denn ein reiches Fischfanggebiet liegt an einer winzigen Insel im Viktoriasee. Beide Länder erheben Anspruch auf die Insel, nun sollen alte Karten die Besitztümer klären.
Nach wie vor ist Kaffee eines der Hauptausfuhrprodukte. Die Uganda Coffee Development Authority informiert umfassend über die Kaffeeanbaugebiete, die Verarbeitung und Bedeutung dieses für Uganda so wichtigen Produkts. Im Rahmen einer Public Private Partnership begleiten ein Kaffeehandelshaus und die GIZ gemeinsam ugandische Kaffeebauern bei der schwierigen Umstellung auf nachhaltige Anbaumethoden. Nicht ganz unproblematisch, da Bauern der Kaffeeplantage weichen mussten.

Tourismus und Ökotourismus

Schimpanse
Schimpanse auf der Ngamba island, Viktoriasee ©J. Ehrler
Mount Muhavura
Mount Muhavura im Südwesten des Landes ©J. Ehrler
Mount Elgon Nationalpark
In zehn Nationalparks sind Gäste willkommen. ©J. Ehrler
Riesenwachstum der Pflanzen in den Bergen des Südwestens
Riesenwachstum in den Bergen des Südwestens ©J. Ehrler

Ugandas Beliebtheit als ein touristisches Ziel hat, vor allem aufgrund der verbesserten Sicherheit in den touristischen Zentren und der vermehrten Anzahl von privaten Investoren, in den letzten fünf Jahren signifikant zugenommen. Kamen im Jahr 1999 noch 36 943 Touristen nach Uganda, so waren es im Jahr 2014 bereits bereits über 1,2 Millionen. Allerdings gaben ca. 50 % als Einreisegrund den Besuch von Freunden und Verwandten an, 21 % kamen geschäftlich und nur 16 % kamen, um sich zu erholen bzw. Urlaub zu machen.

Ugandas 10 Nationalparks sind zwar nicht übermäßig groß, doch bieten alle eine faszinierende Landschaft, von den heißen Quellen im Semuliki Park, dem Riesenwachstum der Pflanzen im über 5000 m hohen Ruwenzori, den Nilfällen im Murchisonfalls-Nationalpark, dem Bergregenwald im Mount Elgon bis zur Savanne im Kidepo-Nationalpark. Ebenso ist die Tierwelt sehr vielfältig. Zwar gibt es Nashörner nur in einer Aufzuchtstation im Nordwesten des Landes, doch ansonsten haben Ugandas Parks von Antilopen über Giraffen, Löwen, Nilpferden bis zu Zebras, von einer äußerst vielfältigen Vogelwelt ganz zu schweigen, sehr viel zu bieten. 

Dies hat auch die ugandische Regierung jetzt endlich erkannt und im März 2008 das Tourism Bill verabschiedet. Immerhin bringt Tourismus 1,4 Mrd. Dollar jährlich. In Zukunft soll Tourism Uganda, die Nachfolgeorganisation vom "Uganda Tourism Board" mehr Geld zur Verfügung stehen. Finanziert wird dies durch eine neue Hotelsteuer.
Der Reiseführer Lonely Planet wählte Uganda im Jahr 2012 als beliebtestes Trendreiseziel.

Uganda beherbergt etwa zwei Drittel der noch auf der Welt verbliebenen Berggorillas. Zum Schutze der Primaten und zur wirtschaftlichen Förderung der lokalen Bevölkerung werden diese Naturschätze im Rahmen geordneter Ökotourismusprogramme Besuchern zugänglich gemacht, so z.B. im Waldreservat Bwindi Forest. Während Ruanda jetzt die Preise für den Besuch der Primaten auf 1.500 USD verdoppelt hat, möchte Uganda zumindest bist Mitte 2018 bei 600 USD in der Hauptsaison und 450 USD im Mai und November, bleiben.
Nahe den Parks, über ganz Uganda verstreut, finden Sie die Projekte der 1998 gegründeten Uganda Community Tourism Association (UCOTA). Durch den sog. "Community Tourismus" wird die einheimische Bevölkerung in die Planung und Umsetzung von touristischen Entwicklungsprojekten involviert. Kleinprojekte, wie z. B. die Herstellung von Handarbeiten und Kunsthandwerk, aber auch traditionelle Veranstaltungen der Gruppen, werden gefördert. Bei dieser Art von Tourismus wird sichergestellt, dass Gewinne weitgehend bei der lokalen Bevölkerung verbleiben. Inzwischen hat auch Ugandas Regierung erkannt, dass die Dorfgemeinschaften einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg von Tourismus beitragen. In den neuen Tourismus-Richtlinien erklärt die Regierung Tourismus zu einem wichtigen Standbein der Armutsreduzierung.

Wirtschaftspolitik

Das Armutsproblem

Die Charakterisierung der ugandischen Wirtschaft und die Beschreibung der entwicklungshemmenden Faktoren unterscheiden sich nicht viel von denen anderer Länder in Sub-Sahara Afrika und belegen, dass Uganda nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Trotz durchschnittlicher Wachstumsraten in den letzten Jahren von ca. 5 % herrscht auf dem Lande nach wie vor eine unbeschreibliche Armut. Bei einer Verstädterungsrate von 16 %, einer der geringsten Afrikas, ist hiervon der Großteil der Bevölkerung betroffen. Nur dank der Fruchtbarkeit des Landes kommen große Hungersnöte, wie beispielsweise in Äthiopien, nicht vor. Die letzten Jahre waren geprägt von Dürre,  Ernteausfällen und Unruhen nach den Wahlen. Dies beeinflusste auch die Inflationsrate, die bis auf über 25 % anstieg, sich aber wieder auf unter 5 % einpendelte und damit den niedrigsten Wert der EAC erreichte.

Derzeit hat Uganda gute Chancen die Armut zu reduzieren, schließlich steht das Land kurz davor selber Öl zu fördern und möchte auch eine eigene Raffinerie bauen. Jedoch sind Probleme bereits jetzt absehbar, z. B. die Frage nach der Kompensierung für das Land, das für Infrastruktur, wie Straßen, und auch für die Raffinerie benötigt wird.

Verschuldung

Der Internationale Währungsfond (IWF), Weltbank und weitere Geber honorieren die entwicklungspolitischen Bemühungen Ugandas durch umfangreiche Neuzusagen, um das Land bei der Armutsbekämpfung zu unterstützen. Wichtigste Geber sind die Weltbank, UNDP (United Nations Development Programme), Europäische Union und Afrikanische Entwicklungsbank sowie - bilateral - Großbritannien, Dänemark, USA, Schweden, Niederlande, Norwegen, Deutschland, Irland und Japan. Uganda hat sehr schnell auf die neue Weltbank-Politik reagiert und als erstes Land im März 2000 ein vollständiges Poverty Reduction Strategy Paper eingereicht. Bereits im April des selben Jahres erreichte Uganda den Completion Point für die Aufnahme in das HIPC-II-Entschuldungsprogramm. Der zweite Nationale Entwicklungsplan läuft von 2015/16 bis 2019/20. Uganda profitiert jetzt von einem umfassenden Entschuldungsprogramm in Höhe von insgesamt 1,95 Mrd. US-Dollar. Weltbank und IWF wollen der Regierung damit rund die Hälfte der Schulden erlassen.

Lesen Sie hierzu die Seiten des Uganda Debt network, eines Zusammenschlusses von Nicht-Regierungs-Organisationen, Institutionen und Individuen mit der Zielsetzung einer langfristigen Reduzierung der Schuldenlast und eines effektiven Einsatzes der nationalen Ressourcen zum Nutzen der Menschen in Uganda.
Mitte 2005 haben die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten und Russland sich darauf geeinigt, den ärmsten Ländern der Welt Schulden in Milliardenhöhe zu erlassen. Weltbank, Internationaler Währungsfond (IWF) und die Afrikanische Entwicklungsbank werden insgesamt 40 Ländern, darunter Uganda, Schulden in Höhe von 56 Milliarden Dollar streichen. Eine erste Umsetzung dieses Beschlusses für Uganda und 14 weitere Staaten kündigte die Weltbank an. Für Uganda bedeutet dies eine Entschuldung um fast 90 % . Die frei werdenden Gelder sollen laut Finanzminister für die Bereiche Bildung und Infrastruktur verwendet werden.

Regionale Integration

Die East African Community (EAC)

Im Juli 2000 nahmen regionale Kooperations- und Integrationsbemühungen in Ostafrika einen neuen Anlauf. Der EAC-Vertrag schafft umfassende Regelungen zur Gestaltung der Zusammenarbeit. Ruanda und Burundi wurden am 1. Juli 2007 als neue Mitglieder der EAC aufgenommen.

Ein Binnenmarkt mit fast 135 Mio. Einwohnern entsteht derzeit auf einer Fläche der Größe Westeuropas. Anfang 2004 unterzeichneten die Staatschefs von Tansania, Kenia und Uganda das Protokoll zur Weiterentwicklung der East African Community (EAC) zu einer Zollunion, diese trat im Januar 2005 in Kraft und konnte Anfang 2010 nach einer Übergangsperiode, voll umgesetzt werden.

Seit Mitte 2010 verfügen die fünf Mitgliedsstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft über einen gemeinsamen Markt. So soll in Zukunft ein Austausch von Waren, Dienstleistungen, Arbeitskräften und Kapital ermöglicht werden. Für Arbeitskräfte und Unternehmen ist eine Niederlassungsfreiheit geplant. Neue Straßen und Eisenbahnen sollen den Handel erleichtern. Die Umsetzung sollte zwei bis fünf Jahre dauern.
Die Umsetzung der Währungsunion für alle fünf Länder der EAC soll innerhalb der nächsten zehn Jahre erfolgen. Der Plan auf eine schnelle Umsetzung eines föderalen Staatenzusammenschlusses wurde erst einmal zurückgesetzt. Bisher konnte sich bei der betroffenen Bevölkerung der drei ursprünglichen Staaten der EAC keine Mehrheit finden. Im Auftrag der Bundesregierung unterstützt die GIZ die Integrationsbemühungen dieser Staaten.

Neue Entwicklungen auf dem Weg zu einem Wirtschaftszusammenschluss Afrikas wurden im Oktober 2008 in Kampala auf den Weg gebracht. Ein historisches Treffen der drei regionalen Wirtschaftsgemeinschaften (SADC, COMESA, EAC) fand in Kampala statt. Diese Wirtschaftsgemeinschaften wollen in Zukunft besser kooperieren und regelmäßige Treffen abhalten. 

Afrikanische Union und NEPAD

Uganda ist Mitglied in diversen multilateralen Foren und Organisationen, so auch in der Afrikanischen Union und der Nepad. Die Afrikanische Union (AU) ist aus der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) hervorgegangen und wurde am 9. Juli 2002 in Durban (Südafrika) gegründet. Die OAU hatte in den rund vier Jahrzehnten ihrer Existenz die Auflösung der Kolonialstrukturen als Priorität angesehen. Bereits im Juli 2001 haben die Staats- und Regierungschefs der "Organisation für Afrikanische Einheit" die Initiative "New Partnership for Africa's Development" NEPAD ins Leben gerufen. Damit verpflichten sich die Staaten Afrikas zu Demokratie, Menschenrechten, guter Regierungsführung und stabiler Wirtschaftspolitik.

Handel

Die seit einigen Jahren bestehende negative Handelsbilanz verstärkte sich weiterhin. Die Ausgaben für Importe stiegen kontinuierlich, trotz einer Zunahme der Exporte konnte kein Wachstum der Einnahmen daraus erzielt werden. Das Hauptexportgut ist nach wie vor Kaffee (18 % im Jahr 2015) gefolgt von Tabak (5,1 %) Mais, Fisch, Kakao, Ölsaaten etc. Bei den Importen steht raffiniertes Erdöl mit 16 % an erster Stelle, gefolgt von Medikamenten (5,4 %), Palmöl, Autos, Lastwagen etc. Auch der Import von Altkleidern stellt mit 1,1 % einen beträchtlichen Anteil am Import dar. Jedoch möchte die Ostafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft diese Importe bis zum Jahr 2019 auslaufen zu lassen, im Moment werden sie mit höheren Steuern belegt, später soll ein Bann folgen.
Das Ministry of Trade, Industry and Cooperatives bietet eine große Anzahl an Informationen zu diesem Thema.

Laut Auswärtigem Amt ist Deutschland innerhalb der EU einer der wichtigsten Handelspartner Ugandas (Handelsvolumen 2016: 186 Mio Euro). Deutschland bezieht vorwiegend Kaffee, Fisch, andere landwirtschaftliche Produkte. Uganda importiert aus Deutschland vor allem Maschinen und chemische Erzeugnisse. Uganda erzielte im Handel mit Deutschland einen leichten Überschuss.

Derzeit gewinnt Asien, vor allem China und zum Teil auch Indien, als Handelspartner an Bedeutung. Seit 2006 haben sich die chinesischen Importe, vor allem Schuhe, Textilien, Motorräder, Elektrogeräte und Medikamente, mehr als verdoppelt und betragen inzwischen 41,8 % der Gesamteinfuhren. Uganda möchte aber auch den Export nach China intensivieren, beliebt sind in der Volksrepublik landwirtschaftliche Produkte und bald auch ugandisches Öl. 

Ein kritischer Exportartikel ist Tropenholz. Doch dies stammt vorwiegend aus der Dem. Rep. Kongo. Der Markt ist wachsend, vor allem in Uganda selber und in den Nachbarländern.

Von den Amerikanern wird ihre Handelsinitiative AGOA, (African Growth and Opportunity Act) die für etwa 6000 Produkte aus Afrika zollfreien Zugang zum amerikanischen Markt gewährt, als vorbildlich gepriesen. Die Initiative passt freilich ins Bild eines unilateral handelnden Amerikas, das den multilateralen Ansätzen - in diesem Fall der Welthandelsorganisation - eigene Abkommen entgegenstellt, deren Regeln es selbst bestimmen kann. Uganda trat als eines der ersten afrikanischen Ländern AGOA bei, mit großen Hoffnungen, die mehr und mehr enttäuscht werden.

Ladenbesitzer
Ladenbesitzer auf dem Land © Ernst Herold
Kleidung im Geschäft in Kampala
Geschäft in Kampala © G. Brünz

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Herstellung von Backsteinen
Die Herstellung von Backsteinen ist für viele Familien eine Einkommensquelle. Doch die Abholzung geht dadurch voran. © N. Lotz

Millennium Entwicklungsziele (MDG) und nachhaltige Entwicklung mit den SDGs

Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, darunter Uganda, hatten sich verpflichtet, die Millennium Entwicklungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Der sog. Poverty Eradication Action Plan (PEAP) und das daraus resultierende Poverty Reduction Strategy Paper stellten Ugandas nationalen Entwicklungsrahmen und mittelfristiges Planungsinstrument dar um die Entwicklungsziele zu erreichen. Im Jahr 2008 fand eine Revision des PEAP statt. Die Umsetzung der Entwicklungsziele wird nun in einem 5, 10 und 30-jährigen National Development Plan weitergeführt und von der National Planning Authority (NPA) koordiniert. Die Umsetzung des Entwicklungsplanes erfolgt Sektor übergreifend und dezentral im sog. Local Government.

Bei einigen Entwicklungszielen, wie z. B. dem Zugang zur freien Grundbildung konnte Uganda gute Erfolge verbuchen, jedoch sind die Schulabbrecherquoten noch sehr hoch. Anfangs war Uganda auch bei der Reduzierung der Prävalenz von HIV-Erkrankungen erfolgreich, jedoch ist die Anzahl der Neuinfizierten im Moment wieder am Steigen. In anderen Sektoren, vor allem dem Gesundheitsbereich und dabei besonders der Gesundheit von Mutter und Kind, konnten kaum Fortschritte erzielt werden.

Die Zahl der Armen hat sich von 56 % im Jahr 1992 auf 19,7 % im Jahr 2013 verringert. Nach wie vor leben die Ärmsten Ugander im Norden Ugandas, speziell in Karamoja.

Im September 2015 wurde auf einem Gipfel der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Anhand von 17 Zielen, den sog. Social Development Goals (SDG) sollen bis zum Jahr 2030 Armut beendet, Gesundheit verbessert und Ungleichheit reduziert, sowie Klimaveränderungen adressiert werden. Ugandas Ziele lehnen sich an die National Vision 2040, so soll zum Beispiel das Einkommen der Ugander auf 9.500 USD im Jahr ansteigen. Interessant ist auch der regionale Vergleich für die Post-2015-Ära der United Economic Comission for Africa.

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Uganda verfügt über eine rege Zivilgesellschaft mit einem großen Selbsthilfepotenzial. Eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Community-based Organizations (CBOs) wurden in den letzten Jahren gegründet. Ende 2015 wurde ein neues und umstrittenes NRO-Gesetz verabschiedet. Dieses gibt der Regierung mehr Einfluss Nichtregierungsorganisationen nicht zuzulassen und Aufenthaltserlaubnisse von NRO-Mitarbeitern abzulehnen. Viele NGOs in Uganda sind im nationalen NGO Forum, bzw. bei DENIVA, einem Netzwerk, das den Nichtregierungsorganisationen und kleinen CBOs eine Plattform zum Austausch und gemeinsamer Lobbyarbeit bietet, organisiert. Bei WOUGNET (Women of Uganda Network) sind eine Vielzahl von Frauenorganisationen registriert und online erreichbar..

Vielfältige Initiativen sollen den Menschen aus der Armut heraushelfen. So profitieren im Moment vor allem Frauen aus den zahlreichen Angeboten der Mikrofinanzierung. Zahlreiche staatliche Initiativen bekämpfen ebenfalls die Armut. Besonders in benachteiligten Gebieten gibt es vielfältige Programme, z.B. den Northern Uganda Social Action Fund (NUSAF), oder Alternative Basic Education (ABEK) for Karamoja. Freilich sind auch diese Programme von internationalen Donors unterstützt.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

GIZ Projekt zur Förderung von energiesparenden Feuerstellen
GIZ Projekt zur Förderung von energiesparenden Feuerstellen © Bild: N. Lotz
Theaterprojekt im Gefängnis in Lira
Ein Theaterprojekt im Gefängnis in Lira wurde von Mitarbeitern des ZFD unterstützt. Gespannt verfolgen die Insassen das Stück, das sie mit ihren Meinungen und Impulsen beeinflussen können. © S. Mani

Ugandas Abhängigkeit von ausländischer Hilfe war in den vergangenen 20 Jahren anhaltend hoch und an dieser Situation wird sich auch in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Immer stärker wird Chinas Engagement, z. B. mit der Finanzierung des Express Highways nach Entebbe und mehreren Industrieparks an mittelgroßen Städten wie Mbale, Tororo oder Luwero. Lesen Sie mehr darüber was  ausländische Gelder für die Eliten bewirken, werden damit Stimmen gekauft oder Regierungsprogramme umgesetzt?
Seit 2007 ist Uganda ein Schwerpunktland der deutschen EZ und hat folgende Schwerpunkte vereinbart:

  • Wasser- und Sanitärversorgung
  • Regenerative Energien und Energieeffizienz
  • nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, ländliche Agrarfinanzierung

Ein wichtiger Partner ist die Privatwirtschaft. Berufsbildung für Jugendiche, v.a. für Mädchen wird ebenfalls gefördert. Des Weiteren setzt sich Deutschland in Uganda für eine Gute Regierungsführung (Good Governance), die Korruptionsbekämfpung und die Wahrung der Menschenrechte ein.

Ein wichtiger Partner des entwicklungspolitischen Engagements in Uganda ist die Privatwirtschaft. Flächendeckend wird zudem das Ziel verfolgt, durch Berufsbildung Perspektiven für Jugendliche, vor allem für Mädchen, zu schaffen 

Zu den Regierungsverhandlungen im Mai 2013 reiste der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach Uganda. Im Oktober 2016 wurden 93,5 Mio Euro für den Zeitraum 2016 und 2017 zugesagt. Allerdings setzte Deutschland, wie auch andere Geberländer Ende 2012, die Budgethilfe aus. Begründet wurde diese drastische Maßnahme mit Korruptionsskandalen, der Beschuldigung Ugandas die Rebellen in der Dem. Rep. Kongo zu unterstützen und der Verschärfung der Gesetze gegen Homosexuelle.

Die Programme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit werden durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt, die seit Anfang 2011 die Tätigkeiten der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) vereint.

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner nationaler und internationaler Institutionen und Organisationen der finanziellen (FZ) und technischen (TZ) Entwicklungszusammenarbeit (EZ):

Multilaterale Geber

 Deutsche Organisationen

Andere Geberländer und Organisationen

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2018 aktualisiert.

Autorin

Gertrud Schweizer-Ehrler

Gertrud Schweizer-Ehrler, Sozialmanagerin mit pflegerischer Grundausbildung arbeitete langjährig in einer NGO (Salem International) in Uganda, ist erste Vorsitzende des Vereins Tukolere Wamu, gemeinsam für Eine Welt e.V. Beratung, tätig in Schulung und Öffentlichkeitsarbeit zu entwicklungspolitischen Themen, in der Organisation und Reiseleitung für Projekt- und Begegnungsreisen nach Uganda und ist Herausgeberin des Uganda-Ostafrika-Blogs.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu folgenden Themen:

Linktipps zu Wirtschaft und Entwicklung

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