Anteil alphabetisierte Erwachsene
99,8 % (2017)
Bedeutende Religionen
Orthodoxie, Katholizismus, Judentum, Islam
Städtische Bevölkerung
69,4 % (2018)
Lebenserwartung (m/w)
67,4 Jahre / 77,1 Jahre (2017)
Gender Inequality Index
Rang 84 (2018)
Anzahl der Geburten
1,54 / Frau (2017)
Kindersterblichkeit
7,8 / 1000 (2017)

Gesellschaft

Laut dem letzten Zensus von 2001 lebten 48,45 Mio. Menschen in der Ukraine. Seitdem ist ein massiver Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. 2017 beläuft sich die Zahl der Einwohner in der Ukraine nur noch auf 42,38 Mio. Ein Fünftel der gesamten Bevölkerung ist über 60 Jahre alt. Damit gehört die Ukraine zu den europäischen Staaten mit dem stärksten demographischen Alterungsprozess. Seit den 1990er Jahren befindet sich die ukrainische Bevölkerung in einem kontinuierlichen Schrumpfungsprozess. Bislang sind Strategien seitens der Politik, diese Tendenz zu stoppen, ausgeblieben. International betrachtet nimmt die Ukraine beim Bevölkerungswachstum einen der hinteren Plätze ein. Die Einwohnerzahl des Landes wird für das Jahr 2100 auf 30 Mio. prognostiziert. Gründe für diesen Rückgang sind die geringe Fruchtbarkeitsziffer (1,29), eine nach wie vor relativ geringe Lebenserwartung, der unterdurchschnittliche Lebensstandard bei einem Großteil der Bevölkerung, eine verfehlte staatliche Sozialpolitik sowie eine schlechte medizinische Versorgung, insbesondere in ländlichen Gebieten.

Ethnische Zusammensetzung und Minderheiten

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung ist relativ homogen. 78% sind Ukrainer. Die größte Minderheit stellen die Russen (ca. 17%) dar, die zum großen Teil im Osten und im Süden des Landes leben. Alle weiteren Minderheiten liegen bei unter 1% Anteil an der Bevölkerung. Rumänische und moldauische Minderheiten (0,8%) leben vorwiegend in der Region Nordbukowina (Gebiet Černivci), die weißrussische Minderheit (0,6%) ist im Norden im Grenzgebiet zu Weißrussland beheimatet und die Krim-Tataren (0,5%) bewohnen zum großen Teil die Halbinsel Krim (dort 12% der Bevölkerung). Die ehemals starke jüdische Minderheit in der Ukraine umfasst gegenwärtig nur noch 30.000 bis 40.000 Juden. Früher bevölkerten hunderttausende Deutsche den Süden und den Westen des Landes. Heutzutage beläuft sich die Zahl von Angehörigen der deutschen Minderheit auf ca. 30.000. Das historische Ostgalizien (Gebiete L'viv, Ternopil' und Ivano-Frankivs'k) war Heimat einer großen polnischen Minderheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu Zwangsumsiedlungen. Heute beträgt die polnische Minderheit in der Ukraine nur noch 0,3%.

Die Ukraine ist ein wichtiges Emigrations-und Immigrationsland.

Immigration

Die Ukraine ist auch zum vorübergehenden Aufenthaltsort für Migranten und Asylsuchende (vor allem aus den GUS-Ländern, Asien und Nordafrika) geworden, um es als Transitland auf dem Weg in die Länder der Europäischen Union zu nutzen. Die illegalen Migranten stellen eine Herausforderung für die ukrainische Regierung dar. Die Flüchtlings- und Asylpolitik ist bei weitem nicht aufgereift und die Menschenrechtssituation für Migranten und Asylsuchende bedenklich. Auch fehlen der ukrainischen Regierung die finanziellen Mitteln, um Aufnahmelager nach internationalen Standards einzurichten. Zur Immigration gehört auch die Zahl rückkehrender Arbeitsmigranten.

Binnenflüchtlinge in der Ukraine

Die Annexion der Krim durch Russland und der Krieg im Osten der Ukraine zwangen Millionen von Menschen zur Flucht. Laut den offiziellen Statistiken ist die Zahl der Binnenflüchtlinge 2016 auf 1,8 Mio. gestiegen. Somit gehört die Ukraine zu den zehn Ländern mit den meisten Displaced Persons weltweit. Die Zahl der ukrainische Flüchtlinge in Russland wird auf ca. 1 Mio. geschätzt. Bereits 2014 verabschiedete die Verchovna Rada ein „Gesetz über die Rechte und Freiheiten von Binnenflüchtlingen“, das eine Neuregistrierung im Land, Zugang zu staatlichen Subventionen und zu sozialen Leitungen regelt. Dennoch implementieren staatliche Institutionen das Gesetz nur langsam. Zwar wurde 2015 der Zugang zum Arbeitsmarkt für Displaced Persons erleichtert, doch ist die humanitäre Lage dieser Gruppe immer noch nicht zufriedenstellend. An dieser Stelle übernehmen zahlreiche lokale und internationale NGOs und Institutionen die Versorgung der Binnenflüchtlinge. 

Bevölkerung nach Regionen ©www.laender-analysen.de/ukraine
Bevölkerungsentwicklung in Stadt und Land ©www.laender-analysen.de/ukraine
Bevölkerungsprognosen für die Ukraine 1950-2100 ©www.laender-analysen.de/ukraine
Ethnische Zusammensetzung ©www.laender-analysen.de/ukraine
Bevölkerungspyramide_Ukraine_2017, ©Btlas

Sprachen

Die offizielle Amtssprache des Landes ist Ukrainisch. Laut einem Gesetz von 2012 bestehen in der Ukraine auch regionale Amtssprachen, sobald der Minderheitenanteil in einer Region 10% übersteigt. Russisch ist die größte regionale Sprache in der Ukraine, die zumeist im Osten und im Süden des Landes gesprochen wird. Im Alltag wird Russisch nach unterschiedlichen Statistiken von ca. 40% der Bevölkerung benutzt und von fast allen Ukrainern verstanden. Dies hängt mit der starken Russifizierung des Landes zu sowjetischen Zeiten zusammen.

Nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wurde eine Ukrainisierung des Landes forciert. Dennoch blieb Russisch als Alltags- und Regionalsprache bestehen. Die sogenannte „Sprachenfrage" wurde durch Politiker in der Ukraine, aber auch in Russland, vor allem vor Präsidentschafts- und Parlamentswahlen instrumentalisiert.

Nach dem Maidan verabschiedete das ukrainische Parlament die sogenannten „Dekommunisierungsgesetze“, die u.a. sprachpolitische Fragen behandeln. Übertragungen von Rundfunksendungen in russischer Sprache sind durch diese Gesetze eingeschränkt worden.

Neben Russisch und Ukrainisch gibt es in der Ukraine weitere Minderheitensprachen, in denen auch in Schulen unterrichtet wird: Ungarisch, Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch u.a.

In der Ukraine besteht auch das Sprachphänomen Surzhyk – eine dialektale Mischung aus dem Ukrainischen und Russischen. 

Bildung

Die Ukraine hatte nach 1991 von der Sowjetunion ein zentralistisches und stark ideologisiertes Bildungssystem übernommen und war daher in diesem Bereich zu entscheidenden Reformen gezwungen. Obwohl mittlerweile einige Bildungsbereiche dezentralisiert und die Verantwortlichkeiten in die Regionen delegiert wurden, wird die Bildungspolitik zum großen Teil vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft bestimmt, so z.B. die Curricula oder Akkreditierungen für Schulbücher. Die Bildungspolitik wird in der Ukraine als ein Teil des nation building begriffen und soll eine wichtige erzieherische Rolle für die neuen Generationen einnehmen. Seit der Unabhängigkeit wurde die Ukrainisierungspolitik daher für das gesamte Bildungswesen forciert.

Trotz guter Fortschritte seit 1991 gibt es in zahlreichen Bereichen ein Nachholbedarf und es bestehen weiterhin mehrere Problemfelder. Der Bildungsbereich ist chronisch unterfinanziert und insbesondere an Schulen und Berufsschulen fehlt es oft an technischer Ausstattung. Curricula basieren häufig auf den alten sowjetischen Mustern und müssen den neuen Anforderungen noch angepasst werden. Da der Lehrerberuf sehr schlecht entlohnt wird, grassiert an den ukrainischen Schulen und Hochschulen eine starke Korruption (Titelhandel, Ghostwriting, der Kauf von Diplomen und Zeugnissen u.a.).

Die Bildungslandschaft in der Ukraine umfasst Schulen, Hochschulen, Berufsschulen und Erwachsenenbildung.

Schule

In der Ukraine besteht die allgemeine Schulpflicht ab fünf, sechs oder sieben Jahre (abhängig von der Entscheidung der Erziehungsberechtigten). Die Schulbildung umfasst drei Stufen: Grundschule (drei oder vier Jahre), Mittelschule (in etwa vergleichbar mit der deutschen Sekundarstufe I) und Oberschule (vergleichbar mit der deutschen Sekundarstufe II). In den 1990er Jahren diversifizierte sich das Schulsystem stark und es entstanden unterschiedliche Schulformen wie Gymnasien, Lyzeen und Colleges, die eine qualitativ bessere Ausbildung in der Oberstufe bieten (z.B. Sprachgymnasien, Lyzeen mit Schwerpunkt Mathematik o.Ä.). Auch Privatschulen sind zugelassen. 2001 wurde eine Schulreform eingeleitet, die u.a. eine Erweiterung der Schulausbildung von zehn auf zwölf Jahre vorsieht, was mittlerweile schrittweise eingeführt worden ist.

Hochschule und Berufsausbildung

Im Hochschulbereich sind in den 1990er Jahren bis heute zahlreiche internationale Kooperationen entstanden, da die Regierung bestrebt ist, die ukrainischen Hochschulen an das europäische System anzugleichen. Seit 2005 ist das Land Mitglied im Bologna-Prozess. Es wurden Bachelor- und Masterabschlüsse, modulare Curricula und das ECTS-System eingeführt. In der Ukraine existieren vier Akkreditierungsstufen für Hochschulen. Erste Stufe: Berufsschulen und -colleges, die eine Art Ausbildung bieten. Zweite Stufe: Institute, die Bachelorabschlüsse anbieten. Dritte und vierte Stufen: Akademien, Institute und Universitäten. Hochschuleinrichtungen der vierten Akkreditierungsstufe erhalten die meisten staatlichen Zuwendungen und verzeichnen trotz hoher Studiengebühren den größten Zulauf an Studenten. Nachdem früher das Studium kostenfrei war, werden gegenwärtig für 75% der Studienplätze Gebühren verlangt, deren Höhe vom Studienfach und Abschluss abhängen.

Der Bereich der Berufsausbildung wurde zu sowjetischen Zeiten zum großen Teil von der Industrie getragen. Aufgrund des Niedergangs der Fabriken und Unternehmen Anfang der 1990er Jahre fiel auch die Zahl der auszubildenden Institute und Colleges. Die Berufsausbildung wird in drei Stufen unterteilt: Elementarausbildung, die kostenfrei ist, eine vierjährige Ausbildung, für die keine Hochschulreife nötig ist, und die Hochschulausbildung (z.B. für Ingenieurberufe).

Gesundheit

Anzahl der HIV-Infizierten (1991-2007)

Das Gesundheitssystem der Ukraine steckt seit der Unabhängigkeit in einer tiefen Krise, da die bisherigen ukrainischen Regierungen notwendige Reformen unterlassen haben. Die heutige Organisations- und Infrastruktur im Gesundheitswesen wurde zum großen Teil von der Sowjetunion übernommen. Offiziell wird es zwar zentral vom Gesundheitsministerium reguliert, in Realität ist es jedoch stark fragmentiert. Die Kommunen tragen bis zu ca. 80% der Gesundheitskosten. Im Unterschied zum ukrainischen Wirtschaftssektor wurde der Gesundheitssektor größtenteils nicht privatisiert. Ein System der Krankenversicherungen - wie in Deutschland - existiert nicht, bzw. nur auf lokaler Ebene als Pilotprojekte. Durch die politische und wirtschaftliche Instabilität ist das Gesundheitswesen in der Ukraine chronisch unterfinanziert. Auch wenn die elementare Versorgung für Patienten gewährleistet werden kann, fehlt es vielen Krankenhäusern und Polikliniken an modernen technischen Geräten und speziellen Medikamenten. Die Löhne im Gesundheitsbereich sind besonders niedrig, und die Korruption ist in diesem Sektor daher hoch.

Die Verfassung der Ukraine sichert zwar jedem Bürger eine kostenlose gesundheitliche Versorgung zu, doch sieht die Realität anders aus. Fast alle Dienstleistungen der medizinischen Versorgung müssen privat bezahlt werden. Insbesondere Sozialbenachteiligte und Rentner verzichten deswegen auf Arztbesuche.

 

HIV-Infektionen und AIDS

Die HIV-Infektionsrate ist in der Ukraine die höchste unter allen europäischen Ländern und liegt bei 1,6% der Bevölkerung (über 450.000 Infizierte). Betroffen sind in erster Linie Drogenabhängige und Prostituierte, allerdings sind mittlerweile auch andere Bevölkerungsgruppen von der Infektion betroffen. Lange Zeit gab es seitens der staatlichen Behörden keinerlei Aufklärung zur Infizierung mit HIV. Erst in den letzten Jahren leitete die ukrainische Regierung einige Präventivmaßnahmen ein und initiierte eigene Projekte. Größtenteils wird die Prävention, Betreuung von Infizierten und die Aufklärung von ukrainischen und internationalen NGOs übernommen.

Die HIV-Infizierten und AIDS-Kranke werden in der ukrainischen Gesellschaft stigmatisiert bzw. ausgeschlossen. Sie haben keinerlei Möglichkeiten am sozialen Leben teilzunehmen, wenn es zum Ausbruch der AIDS-Erkrankung kommt oder ihre HIV-Infektion bekannt wird.

Weiterführende Links:

GIZ-Projekt (HIV-Prävention)

Länderseite der WHO zu HIV/AIDS

United Nations Development Programme

International HIV/AIDS Alliance (Länderseite Ukraine)

Ausführliche Hintergrundinfos auf wikipedia

Religion

Die Ukraine ist nicht nur ein multiethnisches, sondern auch ein multireligiöses Land. Der überwiegende Teil der ukrainischen Bevölkerung ist christlich. Die Geschichte des Christentums begann auf den heutigen Territorien der Ukraine bereits im 10. Jahrhundert. Im Jahr 988 wurde die bis dahin heidnische Kyїvsʼka Rusʼ durch den Fürsten Volodymyr den Großen (Wladimir den Großen) getauft. Die ukrainische Kirchenlandschaft ist heterogen und in sich gespalten. Sie wird durch mehrere Kirchen repräsentiert: Russisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat), Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kyїver Patriarchat), Autokephale Orthodoxe Kirche, Griechisch-Katholische Kirche (auch als Unierte Kirche bezeichnet), katholische und protestantische Gemeinden sowie zahlreiche Sekten, die vor allem nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden sind.

Die Territorien der heutigen Ukraine wurden historisch auch durch die jüdische Kultur und Religion beeinflusst. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten hier ca. 1,5 Mio. Juden. Insbesondere der ukrainische Westen mit Galizien, Wolhynien und der Bukowina war durch die jüdische Bevölkerung geprägt, deren Anteil in den größeren Städten und Shtetls bis zu 60% betrug. Die Halbinsel Krim bewohnten die Karäer bzw. die Karaimen  – turkstämmige Juden.

Den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg überlebte nur ein Drittel der jüdischen Bevölkerung. Laut der sowjetischen Volkszählung 1989 betrug die Zahl der Juden ca. 487.000. Der Großteil der ukrainischen Juden emigrierte nach dem Zerfall der Sowjetunion ins Ausland, vorwiegend nach Israel und in die USA.

Kultur

Mann in huzulischer Tracht

Die Bandbreite ukrainischer Kultur ist immens. Sie umfasst das alte ukrainische Volksliedgut, Folklore und volkstümliches Handwerk, barocke und klassische Musik, bildende Kunst, Literatur und Theater, Film und Videokunst, zeitgenössische Fotografie, Pop- und elektronische Musik. Trotz oder gerade wegen der mangelhaften staatlichen Finanzierung entwickelte sich in den letzten zwanzig Jahren ein starker nichtstaatlicher Kultursektor mit neuen Impulsen.

Kulturpolitik

Die ukrainische Kulturpolitik gewann in der Präsidentschaft von Viktor Juščenko an Bedeutung. 2005 wurde das "Konzept der Nationalpolitik im Kulturbereich", ein Schlüsseldokument zu den Leitlinien der Kulturpolitik, im ukrainischen Parlament verabschiedet. Die Kulturpolitik des Staates forcierte eher die Ausprägung der ukrainischen Identität und förderte in erster Linie eine traditionelle Kultur. Auch nach der Maidan-Bewegung 2013/14 und dem Kriegsbeginn am Donbas hält der Staat weiterhin am Konzept einer national geprägten Kulturpolitik fest.

In der Ukraine bestehen sowohl offizielle und zentral koordinierte Kulturbereiche als auch eine ausdifferenzierte inoffizielle und freie Kulturszene. Letztere entwickelt sich sehr dynamisch und interkulturell, insbesondere nach dem Maidan (2013/14). So entstanden in den letzten drei Jahren zahlreiche Initiativen von Kulturschaffenden und -aktivisten, die sich nicht nur für die Entwicklung vor Ort einsetzen, sondern auch für eine langfristige Kulturstrategie des Landes.

Film

Nachdem die ukrainische Filmindustrie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung und der Konkurrenz aus Russland zunehmend ins Abseits geraten war, konnte sie sich in den vergangenen Jahren ein wenig erholen. Als größtes Filmfestival der Ukraine gilt das 1970 gegründete "Molodist" (Jugend). Bekannte ukrainische Regisseure sind Oleksandr Dovženko, Ivan Mykolajčuk und Kira Muratova. Seit 2003 findet in der Ukraine jährlich das renommierte Menschenrechtsfilmfestival Docudays.UA statt. Seit 2010 gewinnt auch das Filmfestival in Odessa an Bedeutung. In den letzten Jahren entwickelt sich der Filmbereich etwas dynamischer, vor allem Kurz- und Dokumentarfilme sind auf internationalem Markt präsent. Größere Erfolge feierte der ukrainische Regisseur Serhij Loznytsia mit seinen Dokumentarfilmen „Maidan“ (2014), „Sobytie“ (The Event, 2015) und „Austerlitz" (2016). 2010 debütierte Loznytsia auch mit einem Spielfilm („Mein Glück“). International beachtet wurde der Film „Plemya“ (The Tribe, 2014) des Regisseurs Myroslav Slaboshpyckyj. Zu den wichtigen Institutionen im Filmbereich zählt das Nationale Dovzheko Center, das 1999 gegründet wurde und das sich nicht nur als Archiv, sondern auch als eine intellektuelle Plattform versteht.     

Literatur

Einer der boomenden Kulturbereiche ist die ukrainische Literatur. Von März 2012 bis März 2014 war die Ukraine gemeinsam mit Polen und Belarus Regionalschwerpunkt der Leipziger Buchmesse. Schriftsteller wie Andrei Kurkov, Juri Andruhovyč, Serhiy Žadan, Ljubko Dereš, Oksana Zabužko, Mykola Ryabčuk u.a. begeistern mittlerweile auch viele Leser in Deutschland und Europa.

Zu den größten Buchmessen in der Ukraine zählen das Lvivskyj Forum vydavciv (Lemberger Verleger Forum), das bereits seit 1993 besteht, und das „Knyzhkovyj Arsenal“ in Kyiv, das 2010 gegründet wurde. Die ukrainische Verlagslandschaft entwickelt sich in den letzten Jahren dynamisch. Obwohl auch der Buchmarkt in den letzten zwei Jahren die Wirtschaftskrise zu spüren bekam und die Auflagen immer noch sehr niedrig sind, kommen immer mehr Neuerscheinungen auf den Markt.   

Musik

Seit dem Eurovision Song Context 2004 und dem Sieg der ukrainischen Sängerin Ruslana (Lyžyčko) mit ihrem Beitrag "Wild Dances" ist die ukrainische Popmusik kein unbeschriebenes Blatt mehr. 2016 gewann die ukrainische Sängerin Jamala den Eurovision Song Contest mit dem Lied „1944“ über die Deportation der Krim-Tataren aus ihrer historischen Heimat Krim durch Stalin Die Popmusik in der Ukraine hat den größten Anteil am Musikbereich und boomt seit Anfang der 1990er Jahre. Die chronisch unterfinanzierte klassische Musik hat dagegen einen schweren Stand. Die Infrastruktur (Konservatorien, Philharmonien, Operntheater) für die Entwicklung der klassischen Musik ist jedoch vorhanden, doch bedarf sie dringend einer Reform. Zu den bekanntesten ukrainischen Opernsänger und -innen, von denen viele im Ausland engagiert sind, zählen Viktoria Lukianetz, Olga Mykytenko, Taras Konoshchenko und Oleg Kulko. Insbesondere nach dem Maidan entstanden in der Ukraine zahlreiche neue Musikprojekte wie z.B. das Ensemble für neue klassische Musik UKHO. Seit 2013 entwickelt sich verstärkt die elektronische Musik, insbesondere durch Onuka, die momentan erfolgreichste Sängerin in diesem Bereich.   

Theater

Die ukrainischen Theater sind am stärksten vom politischen Wirrwarr und von der Unterfinanzierung betroffen, da ca. 95% aller Theaterhäuser nationale bzw. kommunale Subventionen erhalten. Die ukrainische off-Theater-Szene beschränkte sich auf wenige Theaterprojekte, darunter das Theater "Dakh" in Kyiv und das Theater "Arabesky" in Charkiw. In den letzten fünf Jahren und insbesondere nach dem Maidan 2013/14 und dem Ausbruch des Krieges im Donbas entstand eine neue Dynamik in der ukrainischen Theaterlandschaft. Neue Theaterprojekte, - gründungen und –initiativen, die sich politischen und gesellschaftlichen Fragen zuwenden und eine „Kommunikation mit Gegenwart“ herstellen (Oleh Vergilis, Theaterkritiker), prägen das Theaterfeld. Im Unterschied zum Großteil der staatlichen Theater, die kommerzielles Unterhaltungstheater anbieten, widmen sich junge Akteure den aktuellen Themen wie Binnenflüchtlinge, Krieg, ukrainische Identitäten, Propaganda, Krim-Annexion, Menschenrechtsverletzungen. Aber auch in wenigen staatlichen Theatern wie z.B: Les Kurbas-Theater in Lviv oder Molodyj teatr (Junges Theater) in Kyjiv wächst das Interesse für die ukrainische Gegenwart.  Darüber hinaus sind in den letzten Jahren zahlreiche Festivals entstanden, die neue Verbindungen des ukrainischen Theaters mit internationalen Akteuren schufen. Insgesamt ist eine positive Dynamik im Theaterfeld, das sich nach Themen, Akteuren und Formaten ausdifferenziert, zu verzeichnen. Eine ähnliche Entwicklung findet im Bereich Drama, der lange ein Schattendasein fristete.

 

 

EURO 2012

Zwischen dem 8. Juni und dem 1. Juli 2012 fand in Polen und der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft statt. Die beiden Länder erhielten 2007 den Zuschlag der UEFA und setzten sich gegen die Konkurrenten Italien und Kroatien/Ungarn durch. Polen und die Ukraine möchten sich als moderne Länder präsentieren und versprachen sich vor allem ein Imagegewinn. In Polen und der Ukraine wurdenin jeweils vier Städten die Spiele austragen. In Polen befanden sich die Spielstätten in Warschau, Posen, Danzig und Wroclaw. In der Ukraine wurden die Spiele in Kyїv, Doneck, Harkiv und Lviv ausgetragen.

Die Vorbereitungen auf das Turnier sind nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen. So wurden Polen und die Ukraine wegen Bauverzögerungen von Stadien durch die UEFA abgemahnt. Aufgrund der Einmischung der ukrainischen Regierung in die Angelegenheiten des Fußballverbandes wurden der Ukraine auch vom Weltverband Fifa Sanktionen angedroht.

Ein großes Problem stellte in der Ukraine die massive Korruption im Zusammenhang mit der EURO 2012 dar. So kostete die Austragung der EM in der Ukraine statt der geplanten 3 Milliarden Euro 11,5 Milliarden Euro, die Hälfte davon soll der ukrainische Steuerzahler tragen. Alleine der Umbau des Olympiastadions in der ukrainischen Hauptstadt verschlang 585 Millionen Euro, das Berliner Olympiastadion kostete im Vergleich dazu „nur“ 242 Millionen. Auch die noch größtenteils fehlende Infrastruktur wurde bemängelt: unfertige Straßen, zu wenige Unterkünfte im mittleren und unteren Preissegment für die Fußballfans, Sicherheitsmängel in den Stadien.

Durch den sogenannten „Hundeskandal“ geriet die Regierung der Ukraine stark in die Kritik. Um das Stadtbild zu verbessern, ordneten die Behörden die gezielte Tötung von ca. 250.000 herumstreunenden Hunden an. Nach zahlreichen Protesten von Tierschutzorganisationen wurde die Tötung per Gesetz untersagt.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2017 aktualisiert.

Über die Autorin

Kateryna Stetsevych ist Osteuropawissenschaftlerin und Kulturmanagerin. Seit 2008 ist sie als Landestrainerin für die Ukraine bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig. Nebenberuflich arbeitet sie im Fortbildungsbereich verschiedener deutscher Kulturmittlerorganisationen.

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Thorsten Hölzer
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