Geschätztes BIP
119,13 Mrd. US-$ (2018)
Pro-Kopf-Einkommen
2.820,61 US-$ (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 84 von 188 (2016)
Anteil Armut (unter 2 US-$/Tag)
0,12% (2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
25 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 36 von 129 (2018)

Wirtschaft im Überblick

Ukrainische Banknote (200 UAH)
Ukrainische Banknote (100 UAH)

Wirtschaftsleistung

Die ukrainische Wirtschaft besitzt Potential auf Grundlage eines großen Absatzmarktes, einer gut ausgebildeten Bevölkerung, diversifizierter Ressourcen (fruchtbare Böden, Öl-, Gas- und Kohlevorkommen u.a.) und einer strategisch günstigen Lage zwischen der EU und Russland (durch das ukrainische Territorium verlaufen 80% aller Gasleitungen nach Europa). Trotz guter Voraussetzungen gehört die Ukraine mit rund 8.190 US-Dollar pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität, 2016) zu den ärmsten Ländern Europas.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion ist das BIP der Ukraine um ca. 60% gefallen. Erst 1999 erreichte das Land den Status von 1989. Die ukrainische Wirtschaft konnte sich nach der russischen Finanzkrise 1998 relativ schnell erholen und erreichte in den Jahren 2000 bis 2007 jährliche Wachstumsraten von ca. 7%. Durch die globale Finanzkrise von 2008 ist das Wachstum der Ukraine jedoch stark eingebrochen. Die Inflation zog von 12,8% (2007) auf 25,2% (2008) an und die Industrieproduktion ging um 34% zurück. Daher musste die Ukraine 2008 beim Internationalen Währungsfonds einen Kredit im Volumen von 16,4 Mrd. US-Dollar aufnehmen.

Nach der Krise erholte sich die ukrainische Wirtschaft nur langsam. In den Präsidentschaftsjahren von Janukovyč wurde das Land durch die stets steigende Korruption, Oligarchie und Vetternwirtschaft ausgebeutet. Das Investitionsklima ist verbesserungswürdig. Zwischen 2012 und 2015 befand sich die Wirtschaft in der Ukraine in einer Rezession und  litt stark unter dem Krieg mit Russland. Seit 2016 ist ein leichtes Wachstum zu verzeichnen. 2017 ist das BIP um 2,2% gestiegen. Für 2018 wird das Wirtschaftswachstum voraussichtlich um 3,2% steigen. Auch Investitionen und priveter Konsum sind leicht gestiegen. Die EU avancierte zum größten Handelspartner der Ukraine (Exporte betrugen 2017 41% in die EU und 9% nach Russland; Importe betrugen 2017 42% aus der EU und 11% aus Russland).

Wirtschaftsreformen

In den letzten vier Jahren gelang es der Ukraine, ihre makroökonomische Situation zu verbessern. In den Reformprozessen des Bankensektors, der Energiewirtschaft, der Haushaltspolitik, der Dezentralisierung und der öffentlichen Verwaltung sind Fortschritte zu beobachten. Im Bankensektor wurde z.B. die Zahl der Banken von 186 (im Jahr 2014) auf 86 (2017) verkleinert. Mehrere Banken wurden „de-oligarchisiert“ und befinden sich nun in staatlicher Hand, der Prozentsatz notleidender Kredite konnte deutlich verringert werden. Im Energiebereich wurde vor allem das staatliche Unternehmen Naftogas umstrukturiert und zu einem dividendenbringenden Unternehmen aufgebaut, die Strompreise wurden angepasst. Auch im Gesundheitssektor sowie im Bildungsbereich konnten erste Erfolge erzielt werden. Im Oktober 2017 wurde ein Gesetz zur umfassenden Rentenreform verabschiedet, um die Tragfähigkeit des Rentensystems angesichts einer alternden Gesellschaft zu erhöhen.  

Die Reformen in der Justiz, die Implementierung der Antikorruptionsgesetze sowie die Reformierung des Zolls und der Steuerverwaltung schreiten jedoch nur langsam voran.                                                       

Wirtschaftssektoren

Die Ukraine lieferte in der Sowjetunion ein Viertel aller landwirtschaftlichen Produktionsgüter und wurde daher auch als "Kornkammer der Sowjetunion" bezeichnet. Im primären Wirtschaftssektor bleibt die Landwirtschaft neben der Forstwirtschaft und der Fischerei weiterhin bedeutsam. Im sekundären Bereich spielen Maschinenbau, Bau von Elektrogeräten sowie Werftindustrie eine große Rolle. Die Ukraine exportiert vor allem Kohle, Stahl und Elektrogeräte. Der tertiäre Bereich erlebt in den letzten Jahren einen großen Aufschwung, insbesondere im Bank- und IT-Wesen.

Energie

Die Ukraine muss ca. 90% ihres Gas- und Ölbedarfs importieren, wobei ein Großteil aus Russland bezogen wird. Somit ist die ukrainische Wirtschaft stark von den russischen Energielieferungen abhängig. Die Ukraine ist der viertgrößte Gasimporteur der Welt, was auch mit einem äußerst ineffizienten Energieverbrauch zusammenhängt. Einen Teil der Gas- und Ölkosten deckt der ukrainische Staat durch die Abrechnung von Transitlieferungen vor allem von russischem Gas nach Europa. Die ukrainische Abhängigkeit von Russland im Energiebereich wurde mehrmals als politisches Instrument eingesetzt.

Außenhandel, Handelsbilanz

Außenhandelumsatz mit der EU und Russland in USD bis 2016 ©www.laender-analysen.de/ukraine
Außenhandelumsatz mit der EU und Russland in Prozent bis 2016 ©www.laender-analysen.de/ukraine
Importe und Exporte (EU) bis 2016 ©www.laender-analysen.de/ukraine

Bis vor einigen Jahren gestaltete sich der Außenhandel der Ukraine nach dem Prinzip der Pendelpolitik: Es gab sowohl Bemühungen, Zugang zum europäischen Markt zu erhalten, als auch die Handelsbeziehungen mit GUS-Staaten zu intensivieren. 

Der Handel der Ukraine war durch die Energieabhängigkeit von Russland, durch die Wirtschaftsbeziehungen aus der sowjetischen Zeit sowie durch einen von den Oligarchen beherrschten Markt geprägt. In den 2000er Jahren intensivierte sich der Handel mit Russland und stieg um 40%. 2005 lagen Exporte in die Russische Föderation bei 8 Mrd. USD, 2007 bei 13 Mrd. USD. 2010 stieg Russland zum größten Handelspartner der Ukraine auf, ca. 26% aller Exporte gingen in das Nachbarland. Aufgrund vieler politischer Krisen und des Drucks Russlands auf politische Entscheidungen in der Ukraine stagnierte der Handel jedoch in der Folgezeit. Seit dem Beitritt der Ukraine zur WTO 2008 verbesserte sich schrittweise auch der Handel mit europäischen Ländern. Der Außenhandelsumsatz mit der EU stieg von ca. 11 Mrd. USD 2002 auf 30 Mrd. USD 2016 (exkl. der annektierten Krim und der besetzten Ostgebiete).

2013/14 brach die Handelskraft der Ukraine aufgrund der Krise zusammen. 2014 und 2015 sank das BIP um ca. 18% und der Außenhandel um ca. ein Drittel. Die Hryvnja verlor an Kaufkraft und die Inflation betrug 48,6%

Durch die Krise mit Russland musste sich der Außenhandel neu orientieren und die Bedeutung der EU als Handelspartner wuchs weiter. Die meisten Exportprodukte stammen aus der Metallurgie, Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Maschinenbau, wobei die Exportzahlen von metallurgischen Produkten und Maschinenbauerzeugnissen aufgrund der schwierigen Beziehung zu Russland zurückgegangen sind. Die Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft zeigen dagegen steigende Tendenz, weil auch die Nachfrage aus Europa wächst.

Entwicklung

Die Ukraine hat seit Ende der 1990er Jahre einen großen Bevölkerungsschwund zu verzeichnen, was zum einen mit einem drastischen Geburtenrückgang und der relativ geringen Lebenserwartung (der Männer), zum anderen aber vor allem mit der Arbeitsmigration (ca. 7 Mio. Ukrainer leben und arbeiten in EU-Ländern) zusammenhängt. Die Arbeitsmigration hat zwar einerseits zu einem großen und anhaltenden Kapitalfluss aus dem Ausland geführt und Investitionen und den Aufbau von klein- und mittelgroßen Gewerbebetrieben in der Ukraine möglich gemacht. Andererseits wurden dadurch Familienzusammenhänge brüchig und infolgedessen auch gesamtgesellschaftliche Probleme (Alkoholismus, Drogen, HIV) verstärkt. Daher sind unterstützende Maßnahmen notwendig, um das Land in mehreren Sektoren zu stabilisieren und sozialen Erosionen zu verhindern oder zumindest abzumildern.

Internationale Unterstützung

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) unterstützt die Ukraine in den Bereichen Demokratische Regierungsführung, Armutsbekämpfung, Krisenprävention und Energie und Umwelt. Im Rahmen des Transform-Programms hat das BMZ zwischen 1994 und 2005 Reformprojekte in den Bereichen nachhaltige Wirtschaftspolitik (kleiner und mittlerer Unternehmen), Staatsverwaltung, Energiesektor und AIDS-Bekämpfung in der Ukraine mit 115 Mio. Euro unterstützt. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten und Kanada drittgrößter Geldgeber. Obwohl in der Ukraine bis 2008 (vor der Wirtschaftskrise) ein wirtschaftlicher Aufschwung stattgefunden hat, behindert nach wie vor ein Reformstau in wesentlichen Sektoren (Energieversorgung, Modernisierung der Infrastruktur, Berufsbildung, Gesundheitswesen und Reorganisation öffentlicher Institutionen), die langfristige Entwicklung des Landes.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl. OECD) ist in der Ukraine seit 1991 aktiv. Seit 2014 unterstützt die OECD verstärkt die Ukraine auf ihrem Reformweg in drei Programmen: Anticorruption Network for Eastern Europe and Central Asia, Eurasia Competitiveness Programme und Support for Improvement in Governance and Management (SIGMA). Die Europäische Union (EU) kooperiert mit der Ukraine im Rahmen der Nachbarschaftspolitik und des Assoziationsvertrages, z.B. Freihandelszone. Aufgrund einer stark angeschlagenen Wirtschaft nimmt die Ukraine auch am Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds teil.

Deutsch-ukrainische Zusammenarbeit 

Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine begann bereits kurz nach der Unabhängigkeit des Landes. Seit 1993 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Ukraine in ihrem Transformationsprozess. Die GIZ führt in folgenden Bereichen Programme und Projekte durch: Nachhaltige Wirtschaftsförderung, Energieeffizienz und HIV/Aids-Bekämpfung. Darüber hinaus betreut die GIZ im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) ein Programm zur Unterstützung der deutschen Minderheit in der Ukraine (ca. 33.000 Angehörige).

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übernahm die GIZ die Unterstützung der Ukraine in der Vorbereitung zur Fußball-Europameisterschaft 2012. Die Zusammenarbeit konzentrierte sich auf die Bereiche Standortmarketing, Entwicklung und Verbesserung des touristischen Angebotes und öffentlichen Personennahverkehrs und der Flughäfen.

Seit 1992 ist die KfW im Auftrag mehrerer deutscher Ministerien in der Ukraine tätig und konzentriert sich vor allem auf die Unterstützung in den Bereichen Energie, Finanzwesen und Strukturentwicklung. 

Seit 2008 werden mehrere Projekte in der Ukraine im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf der Förderung von Energieeffizienz und Verkehrsmodernisierung.

Auch die CIM ist in der Ukraine präsent und arbeitet in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Verwaltungsreform und Regionalentwicklung. Darüber hinaus bietet die CIM im Rahmen des Programms „Rückkehrende Fachkräfte“ Unterstützung für ukrainische Fachkräfte an, die nach ihrem Studium, ihrer beruflichen Ausbildung oder Berufstätigkeit in Deutschland in die Ukraine zurückkehren.

2014 intensivierte die deutsche Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der Ukraine und erhöhte die Entwicklungshilfe auf 20 Mio. Euro. 2016 wurden alle Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung im „Aktionsplan Ukraine“ gebündelt, der vom Auswärtigen Amt koordiniert wird. 

Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich

Das Bildungsniveau in der Ukraine ist relativ hoch und entspricht dem eines fortgeschrittenen Reformlandes. Auch wenn in diesem Sektor wichtige Reformen (insbesondere der Curricula) nach wie vor nur halbherzig durchgeführt werden, so ist doch das Ausbildungsniveau ukrainischer Schüler und Studenten verhältnismäßig gut. Die Zusammenarbeit im Bildungsbereich konnte seit den 1990er Jahren ausgebaut und intensiviert werden. Seit 1993 besteht ein deutsch-ukrainisches Kulturabkommen und seit 1998 fördert ein deutsch-ukrainisches Abkommen über Hochschulzusammenarbeit Partnerschaften zwischen Hochschulen und Instituten.

Die deutsche auswärtige Kulturarbeit hat in der Ukraine mittlerweile zu einem breiten und gut funktionierenden Netzwerk von Bildungseinrichtungen sowohl im Schul- und Hochschulwesen als auch im außerschulischen Bereich geführt. Seit 1993 besteht in Kyïv ein Goethe-Institut, das neben der Sprach- und Kulturarbeit auch auf den Ausbau des Netzwerkes von Lesesälen und Sprachlernzentren in den Regionen des Landes fokussiert ist. Seit den 1990er Jahren wurden mehrere DAAD-Lektorate in der Ukraine eingerichtet, darunter ein IC-Lektorat in Kyïv. Die Stipendiatenprogramme und Informationsarbeit des DAAD haben auch zu einem Anstieg ukrainischer Studentenzahlen an deutschen Hochschulen geführt (gegenwärtig ca. 4.000 ukrainische Studenten). Das Zentrum für Auslandsschulwesen entsendet regelmäßig deutsche Lehrkräfte an ukrainische Schulen. Seit September 2008 besteht eine deutsche Schule in Kyïv.

 

Folgende Links führen zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen:

GIZ

DAAD

Goethe-Institut

Heinrich-Böll-Stiftung

Friedrich-Ebert-Stiftung

Konrad-Adenauer-Stiftung

Hanns-Seidel-Stiftung

KfW

EU

USAID 

IWF

Weltbank

Unicef

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2018 aktualisiert.

Über die Autorin

Kateryna Stetsevych ist Osteuropawissenschaftlerin und Kulturmanagerin. Seit 2008 ist sie als Landestrainerin für die Ukraine bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig. Nebenberuflich arbeitet sie im Fortbildungsbereich verschiedener deutscher Kulturmittlerorganisationen.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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