Basar
Währung
Usbekischer Sum (UZS)
Wechselkurs
3.344 pro € (November 2016)
Zeitzone
UTC+5 (Keine Zeitumstellung im Winter bzw. Sommer)
Landesvorwahl (Telefon)
+998
Klima (für Hauptstadt)
Kontinental

Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Anfang Dezember 2016 hat die usbekische Regierung erklärt, dass sie Visumpflicht für Bürger von 27 Staaten, u.a. der Bundesrepublik Deutschland, ab 1. Januar 2017 aufheben will. Kurze Zeit später hat sie ihre Entscheidung rückgängig gemacht und die Abschaffung der Visumspflicht auf den 01.01.2021 verschoben. Zur Begründung hiess es, das Land sei weder technisch, noch logistisch bereit, den Ansturm von Besuchern (?!) zu bewältigen.

Bei Aufenthalten von mehr als 3 Tagen müssen sich Ausländer (ausgenommen Diplomaten), die nicht in einem Hotel wohnen und dort gemeldet sind, bei dem OWiR (Meldeamt für ausländische Bürger) des jeweiligen Stadtbezirks anmelden/registrieren. Die Anmeldung/Registrierung muss innerhalb von drei Werktagen (Wochenenden und Feiertage ausgenommen) nach der Ankunft  (Grenzübergangsstempel im Reisepass mit Datum) erfolgen. Ohne diese Registrierungsquittung bekommt man keine Flug- bzw. Fahrkarten für Reisen im Landesinneren und hat ENORME Schwierigkeiten während des Aufenthalts (man ist Schikanen der örtlichen Polizei ausgesetzt) und bei der Ausreise. Einzelreisende haben es angesichts der strengen Aufenthaltsbestimmungen schwer: Wenn bei der Ausreise oder einer der üblichen Kontrollen etwa beim Bezug eines Hotels an einem anderen Ort eine Registrierung fehlt, droht die unmittelbare Ausweisung zusammen mit einem entsprechenden Stempel im Pass (künftige Reisen nach Usbekistan untersagt) und dem Eintrag in eine entsprechende Datenbank. Das Auswärtige Amt bietet stets aktuelle Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen für deutsche Staatsangehörige an (ausführlicher dazu auch im "Merkblatt zu Einreise und Aufenthalt deutscher Staatsangehöriger nach / in Usbekistan"). Ab 5. August 2013 dürften ausländische Bürger ihre Flugtickets in Usbekistan für Reisen außerhalb des Landes ausschließlich für "harte Währungen" erwerben.

Einfuhr von Arzneimitteln (SIC!)

Es mehren sich immer häufiger die Fälle, in denen ausländische Besucher mit einem Verfahren rechnen müssen, wenn sie bei der Einreise die in ihrer Reiseapotheke mitgeführten Psychopharmaka und Beruhigungsmittel nicht deklariert haben. Dies gilt auch für im Westen als harmlos geltende und rezeptfreie Medikamente mit beruhigender und Angst lösender Wirkung. Bis zur Klärung des Verstoßes werden "Delinquenten" festgesetzt, oft für mehrere Tage oder gar Wochen! Falls Ihr Arzt Ihnen Psychopharmaka oder beruhigende Medikamente verschrieben hat, sollten Sie neben der Deklarierung am besten auch entsprechende Rezepte mit sich führen und nur übliche Mengen der jeweiligen Arznei bei sich haben (ausführlicher dazu im Merkblatt "Die Verbringung von Arzneimitteln für den Eigenbedarf bei der Einreise nach Usbekistan").

Wohnen und Versorgung

Unterkünfte gibt es in Usbekistan überall von 2 bis über 100 USD pro Nacht (von Bed & Breakfast's bis Hotels). Für längere Aufenthalte gibt es auch möblierte Appartements und Häuser. Monatsmiete ist immer eine Verhandlungsache und wird in den meisten Fällen unter der Hand in bar ausgezahlt. Mietvertäge gibt es häufig nicht oder nur zum Schein ausgestellt. Alkoholische Getränke und Speisen sind in Usbekistan weder verboten noch geächtet. Aus sowjetischer Zeit erfreut sich der Wodka ausgesprochener Beliebtheit und in jeder Hotelbar ist eine breite Palette alkoholischer Getränke erhältlich.

Unabgekochtes Leitungswasser zu trinken ist nicht empfehlenswert. Wasser in Plastikflaschen gibt es fast überall zu kaufen. Es wird auch die Mitnahme eines Tischwasserfilters empfohlen. Vegetarier müssen im Restaurant speziell auf ihren Wunsch hinweisen, da es außer ein paar Beilagen gewöhnlich kein vegetarisches Essen gibt. Auf den Märkten gibt es ein reichhaltiges Angebot an frischem Obst und Gemüse wie auch Molkereiprodukten. Im Gegensatz zu Tee ist Kaffee in Usbekistan noch nicht populär. An manchen Orten gibt es gar keinen. Echter Bohnenkaffee ist selten, Instantkaffee ist eher verbreitet. In Usbekistan ist das traditionelle Fladenbrot sehr verbreitet. Dieses wird auf traditionelle Weise im Lehmofen gebacken und häufig auf der Straße verkauft. Dieses Brot ist immer frisch, manchmal noch warm.

Geld und Geldtransfer

Usbekisches Geld
Usbekisches Geld © Doniyor Dosmatov

Die usbekische Währung ist der Sum: Amtliche Wechselskurse werden auf der Website der Zentralbank stets aktuell mitgeteilt. Bei der Mitnahme von Bargeld sind Euro (Banknoten ab Ausgabedatum 1996 in gutem äußeren Zustand) zu empfehlen. Achtung: Der Umtausch auf dem Basar ist verboten. Banken und Wechselstuben der großen Hotels gewähren jedoch in etwa denselben Kurs ohne besondere Formalitäten. Rückumtausch von Sum in USD ist bei Vorlage von entsprechenden Umtauschbelegen über vorangegangenen Dollarverkauf grundsätzlich möglich, zurzeit aber eingeschränkt. Ein Rücktausch in Euro ist nicht möglich. Travellerschecks und Kreditkarten sind noch unüblich; funktionierende Geldautomaten gibt es so gut wie nicht. Nur in großen Hotels und Geschäften werden Master Card und Visa akzeptiert. Wenn man bei Western Union Deutschland ein verifizierter Kunde ist, kann man sich selbst Geld per Online-Überweisung schicken lassen (unbedingt das Land, wo Sie sind, in diesem Falle Usbekistan, vermerken!); der überwiesene Betrag kann in Usbekistan sofort und problemlos abgeholt werden (in USD). Die Einfuhr von Devisen nach Usbekistan ist in unbeschränkter Höhe möglich. Über die Deviseneinfuhr muss bei der Einreise eine Zollerklärung in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt werden. Es ist unbedingt darauf zu achten, in der Zollerklärung die mitgeführten Devisen anzugeben. Eine Überschreitung der Summe der seinerzeit eingeführten ausländischen Devisen ist nur unter Vorlage einer Bestätigung der Zentralbank der Republik Usbekistan oder einer bevollmächtigten Bank möglich. Falsche Angaben werden in der Regel mit Geldstrafe geahndet. In Einzelfällen ist es zu einer Verzögerung der Ausreise, auch um mehrere Tage, gekommen.

Reisen, Transport und Verkehr

Ferghanatal
Ferghanatal © Odil Ruzaliev

Die Infrastruktur ist nach wie vor schwach entwickelt. Eine Autobahn von Nukus und Choresm über Taschkent ins Ferganatal soll mittelfristig alle wichtigen Zentren des Landes verbinden. Die Gesamtlänge des Schienennetzes betrug 2002 3.950 km (620 km elektrifiziert). Mit der Bahn sind alle vier GUS-Nachbarn und Europa zu erreichen. Seit 2001 gibt es eine neue Bahnlinie von der Landesmitte in den Nordwesten. Die seit 1977 bestehende Taschkenter U-Bahn umfasst seit 2001 (Eröffnung einer 3. Linie) 39 km. 2002 gab es 273 Flugplätze (27 mit befestigter Start- und Landebahn). Die nationale Luftfahrtgesellschaft Uzbekistan Airways fliegt vor allem innerhalb der GUS, bietet aber auch Langstreckenflüge z. B. nach Indien und Deutschland, nach Südostasien, in den Nahen Osten und in die USA an. Der Flughafen Tashkent gehört zu dem viertschlimmsten Flughafen der Welt (2015). Das Doppelbinnenland Usbekistan nimmt an dem EU-unterstützten Projekt Eurasischer Transportkorridor (TRACECA) zur Verbindung Zentralasiens und des Kaukasus mit dem westlichen Europa unter Umgehung Russlands teil.

Falls Sie eine Rundreise unternehmen wollen, gibt es dafür eine Fülle von Möglichkeiten und deutschen und lokalen Anbietern (inkl. kafkaesker Erlebnisse.)

Sicherheit für Ausländer

Die Lage im Land ist ruhig. Es ist zwar weiterhin von einer latenten Gefährdungslage durch radikale Gruppen auszugehen, die in Teilen Zentralasiens operieren. Die Bedrohung richtet sich bislang nicht gegen ausländische Touristen. Bis heute gab es keine Entführungsfälle. Die eigentliche Gefahr für Leib und Gut geht eher von usbekischen Sicherheitsbehörden aus.

Liebestollen Singles ob hetero- oder homosexuell wird mit Nachdruck abgeraten, flüchtige Bekanntschaften mit nach Hause zu nehmen, da die Gefahr besonders groß ist, einem Raubmord zum Opfer zu fallen, was immer wieder vorkommt.

Das Auswärtige Amt weist in "Besondere strafrechtliche Vorschriften" hin, dass homosexuelle Handlungen von Männern strafrechtlich verboten sind und laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe ab drei Jahren geahndet, in der Praxis aber selten vor Gericht gebracht werden. Umso höher ist die Gefahr, von der korrupten usbekischen Polizei und/oder dem Geheimdienst dafür erpresst zu werden.

Stippvisite Seidenstraße: Tausendundeine Tradition in Usbekistan Doku (2016) 

Gesund bleiben

Informieren Sie sich vor Reiseantritt über die Reisehinweise des Auswärtigen Amts. Der reisemedizinische Infoservice des Tropeninstituts der Universität München bietet immer wieder aktualisierte Reisehinweise für Usbekistan mit Informationen über Impfempfehlungen und -vorschriften, Malariagebiete, spezielle Gesundheitsrisiken sowie eine Klimatabelle.

Medizinische Notfallhilfe in Taschkent erhalten Sie in Tashkent International Medical Clinic.

NOTFALLNUMMERN in Taschkent/Usbekistan: Feuerwehr: 101; Polizei: 102; Medizinischer Notruf: 103; Gas-Notdienst: 104; Telefonauskunft: 109

Telekommunikation, Internet

Post- und Fernmeldewesen: Die usbekische Post ist kaum mit der Post in Deutschland vergleichbar. Eine Zustellung bis an den privaten Briefkasten, wie dies noch in der ehem. Sowjetunion üblich war, erfolgt in der Regel nicht.

Usbekistan gehört zu den sog. Feinden des Internet. In Usbekistan gibt es zwar private Internet-Provider (Dial-Up, ADSL), sie werden aber von dem Telekommunikationsministerium und dem Sicherheitsdienst streng überwacht und zensiert. Der Internetzugang vor Ort funktioniert meistens via Telefonleitung (auch DSL-Anschlüsse sind inzwischen vorhanden und erschwinglich) und in jeder großen Stadt gibt es eine Vielzahl von Internetcafés, deren Betreiber jedoch inoffiziell verpflichtet sind, "verdächtige" Surfer und die von ihnen besuchten Websites und verschickten Emails bei den zuständigen Behörden zu melden. Besuche von inoffiziel verbotenen Websites werden mit den für Einheimische sehr hohen Geldstrafen offiziell geahndet.

Wi-Fi/WLAN in Usbekistan: Inzwischen gibt es auch in Taschkent und in anderen Städten die Möglichkeit im Internet kabellos zu surfen.

Momentan sind vier Mobilfunkanbieter im Lande tätig: Beeline Uzbekistan, Perfectum Mobile, Ucell & UzMobile.

Nützliche Adressen

Eine Sammlung von nützlichen Adressen und Angaben: Usbekische Botschaften und Konsulate, ausländische Botschaften und Konsulate in Taschkent, Liste der historischen Baudenkmäler, Museen, Theater, Entfernungsangaben zwischen einzelnen Städten der Region, monatliche Durchschnittstemperaturen in verschiedenen Orten.

Usbekistan-Knigge: do & don't

Grundsätzliches vorab: Usbekistan ist beileibe nicht Japan. Ihre usbekischen Kollegen und Partner erwarten von Ihnen also nicht, dass Sie bereits zu Beginn Ihres Aufenthaltes mit allen Feinheiten und Raffinessen der usbekischen Kultur bestens vertraut sind. Die unten beschriebenen Situationen haben ausschließlich idealtypischen Charakter, d.h. es sind durchaus Abweichungen vom "Kanon" möglich. 

1. Empfang und Abschied für Gäste

Empfang und Abschied für Gäste erfolgt immer an der Hof- bzw. Wohnungstür persönlich durch den Gastgeber bzw. die Gastgeberin, selbst wenn diese/r bei Ankunft der Gäste mit irgend etwas anderem beschäftigt ist. Es gilt als unhöflich, ein jüngeres Familienmitglied oder die Ehefrau bzw. den Ehemann zur Begrüßung bzw. zum Abschied zu schicken.

2. Wie man/frau sich die Hand gibt

Folgende informelle Regeln gelten beim Händedrücken: Ein Händeschütteln ist unter Frauen eher unüblich, sie umarmen sich eher. Sie strecken Männern die Hand zuerst hin, wenn überhaupt. Eine Frau wird daher üblicherweise von einem Mann nicht mit einem Handschlag begrüßt, es sei denn die Frau ist sehr emanzipiert/europäisiert, sondern mit einem leichten Kopfnicken und indem man die rechte Hand auf die linke Seite der Brust legt und die landesübliche Begrüßung "Assalomu alejkum!" (dt.: "Der Friede sei mit Euch") ausspricht. Wird frau/man als erste/r begrüßt, dann antwortet frau/man mit "Wa alejkum assalom!" (dt. "Auch mit Euch sei der Friede!").

Unter Männern ist ein fester Händedruck mit direktem Augenkontakt ein Muss; ein schlaffer gilt eher unhöflich bzw. "unmännlich". Auch beim Abschied ist ein Händeschütteln üblich. Gleich wie nah in einem Raum oder auf der Straße einzelne zu begrüßende Männer zu Ihnen stehen, müssen Sie die älteste Person und/oder das "Alphatier" zuerst begrüßen und erst dann seine Entourage. Dies führt mitunter zu aus europäischer Sicht peinlichen Situationen, wenn Sie direkt auf das "Alphatier" zusteuern und andere Anwesende dabei "ignorieren". Es wäre jedoch ein Fehler, erst den "kleinen Mann" zu begrüßen, während die älteste Person bzw. das "Alphatier" ungeduldig darauf wartet, wenn sie/es an der Reihe ist.

Ein Händedruck kann im Laufe des Tages wiederholt erfolgen: wenn Sie einen Ihrer Ansprechparter/Bekannten etc. frühmorgens begrüßt haben, ist es nicht verkehrt, bei einem Treffen am Ende des Tages, sich nochmals die Hände zu schütteln.

Usbekische Hochzeit
Usbekische Hochzeit © Rustam Bazarov

3. Welche Tisch- und Sitzordnung ist korrekt? Wie platziere ich meine Gäste optimal?

Die usbekische Tisch- und Sitzordnung, sei es am runden oder eckigen Tisch, ist in allen Regionen und allen Bevölkerungsschichten denkbar einfach: je weiter vom Ausgang bzw. der Toilette, desto ehrenhafter ist der Sitzplatz. Der vom Ausgang am weitesten entfernte Platz ist dem "höchstrangigen" männlichen (sic!) Gast reserviert. Ihm folgen andere männliche Gäste nach, die wiederum in Abstufung ihres Status zu platzieren sind. Der/Die GastgeberIn weist die Plätze zu und nimmt selbst entweder einen Platz nahe dem Ausgang, um Speisen weiterzureichen bzw. für einen ständigen Nachschub aus der Küche zu sorgen, oder einen Platz dem Ehrengast gegenüber ein, um ihn nicht "allein zu lassen". Im letzteren Fall sollte der Platz, von dem aus zwischen Ihren Gästen und der Küche kulinarisch "vermittelt" wird, von einer Dame des Hauses, einem Familienangehörigen oder einem jüngeren hilfsbereiten usbekischen Kollegen besetzt werden. Bleibt der/die GastgeberIn als VermittlerIn zwischen Küche und Gästen sollte er/sie dafür sorgen, dass der Hauptgast einen "statusgleichen" Gesprächspartner als sein Gegenüber bekommt.

Im "Idealfall" sitzen fremde Männer und Frauen in zwei separaten Räumen bzw. an zwei separaten Tischen voneinander getrennt (klicken Sie bitte auf das Bild "Usbekische Hochzeit"). Aber heutzutage ist dies in meisten Fällen nicht möglich. Aber auch an einem einzigen Tisch kann diese "Geschlechtertrennung" organisiert werden und zwar durch eine ausschließlich Männer- bzw. Frauenseite des Tisches. Diese "Geschlechtertrennung" ist umso mehr zu beachten, wenn der Altersunterschied zwischen männlichen und weiblichen Gästen erheblich ist. Bei gleichaltrigen männlichen und weiblichen Gästen oder wenn der Altersunterschied minimal ist, kann es lockerer zugehen, auch gemischte Tischseiten sind möglich, wobei allerdings ein Mann sehr ungern zwischen zwei Frauen sitzt (Es bringt nämlich Unglück!).

4. Darf ich beim Essen die Nase putzen? Wie verhalte ich mich korrekt?

Es ist in Usbekistan noch heute ein unverzeichlicher Fauxpas, sich bei Tische in Gegenwart anderer die Nase zu putzen (gleich ob ein kurzes Schnäuzen, ständiges Hochziehen oder ein kräftiges "Blaskonzert"). Man sollte nach Möglichkeit jedes Mal aufstehen, den Tisch verlassen und die Waschräume, soweit vorhanden, aufsuchen oder nach draußen gehen, damit Ihre Geschäftspartner bzw. Gäste begleitende Geräusche nicht mitbekommen. Auch ein diskretes Abtupfen der Nase beim Essen ist tunlichst zu vermeiden, denn alle Öffnungen des menschlichen Körpers gelten als "unrein".

Rechte Hand © Odil Ruzaliev
Rechte Hand © Odil Ruzaliev

5. Berühmte rechte Hand

In Usbekistan, wie in anderen islamischen Ländern, gilt die linke Hand als „schmutzig“: Es war/ist in Usbekistan immer noch üblich, nach dem Toilettengang kein Papier zu verwenden, sondern sich mit der linken Hand und reichlich Wasser zu reinigen. Daher sollten Sie während eines Essens in den sog. „traditionsgebundenen“ usbekischen Familien davon absehen, mit der linken Hand zu essen (sie kann bei Mahlzeiten aufm Tisch bleiben, s. das Bild links) oder diese zur Begrüßung zu reichen.

Pilaw: Usbekistans Leib- und Magenspeise

6. Mehr als nur ein Tee...

Ob geschäftlich oder privat: es wird empfohlen, eine jede längere Begegnung bzw. Unterredung nach Möglichkeit mit einem Tee (oder wenigstens Wasser) zu beginnen. Bei der usbekischen Teezeremonie geht es immer um etwas mehr als nur einen Tee. Das Teetrinken ist in einer Gesellschaft, wie die usbekische, außerordentlich wichtig, denn viele wichtige Angelegenheiten, wenn nicht alle, dürfen nicht mit einem trockenen Mund besprochen werden. Dies ist vor allen Dingen durch ein heisses und trockenes Klima bedingt. Im übertragenen Sinne des Wortes gilt auch folgendes: Die Münder bzw. die Seelen Ihrer Gesprächspartner gehen im Dampf eines gekochten Tees wie die Muschel auf. Wenn es sich um ein wichtiges Gespräch handelt, bei dem oft unangenehme Probleme erörtert werden müssen, dann kühlt der Tee nicht nur den Körper sondern auch erhitzte Gemütter ab. Denn bei einem Tee beginnen erst die Scharmützel unbedeutender Worte, die den wahren Wortschlachten voranzugehen pflegen.

Usbekische Hochzeit 

7. Abendessen oder Abendbrot?

Die protestantische Weisheit "Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Fürst, Abendessen wie ein Bettelmann" gilt in Usbekistan leider in umgekehrter Reihenfolge: das Abendessen ist sehr oft die Hauptmahlzeit des Tages. Daher sollten Sie Ihren usbekischen Gästen abends nicht ein in Deutschland übliches Abendbrot (Brotscheiben-Butter-Käse-Wurst-Salatblätter etc.) anbieten, sondern ein "richtiges" Abendessen mit mindestens einem warmen Gericht servieren (lassen).

8. "Hüsteletikette" für Männer

Ein Mann sollte (besonders in der Provinz) vor dem Eintritt in einen privaten oder Dienstraum, wo nur Frauen sitzen, höflich hüsteln und somit seinen Besuch audiell ankündigen, bevor er gesehen wird, um den Frauen Zeit zu geben, sich in "Ordnung" zu bringen und die "richtige" bzw. "anständige" körperliche Haltung anzunehmen.

9. Pausenfüller? Unbedingt!

Wenn Sie Ihre usbekischen Kollegen zu einem Abendessen eingeladen haben, sollten Sie darauf achten, dass während einer Unterhaltung vor, während und nach dem Abendessen keine längeren ("norddeutschen") Pausen entstehen, denn diese werden von den Usbeken als unbehaglich, unangenehm und peinlich empfunden. Wohin dann mit den Blicken und Händen?!
Selbst wenn Sie keinen passenden Gesprächsstoff parat haben oder einen usbekischen Gast komplett uninteressant finden, sollten Sie sich bemühen, eine all zu lange  Pause mit den sog. Pausenfüllern zu beenden: Kinder, Familie, Wetter, etc. Eben ein Small Talk, ein kleines leichtes geselliges Gespräch ohne die tiefgründige Diskussion. Und bitte keinen Businesstalk, dieser langweilt nicht nur die anderen Gäste, sondern betrübt die Vorfreude auf das leckere Essen und beschwert unnötig den Magen.
Merken Sie, dass das Gespräch auch zwischen den anderen (deutschen und usbekischen) Gästen zum Erliegen gekommen ist, sollten Sie als Gastgeber unbedingt mit einer weiter führenden Anmerkung oder einem Witz intervenieren und für einen erneuten "Redefluss" sorgen. Das gehört auch zu Ihren Pflichten als Gastgeber! Wenn Sie eingeladen sind, können Sie sich zurücklehnen, es ist dann nicht Ihre Sorge, sondern die Ihrer Gastgeber. Als Gast sind Sie in diesem Falle entspannter. Aber auch in diesem Falle ist ein Anschweigen peinlich!
Das Gesagte bedeutet allerdings nicht, dass Sie wie ein Maschinengewehr dauernd rattern müssen. Natürliche kurze Pausen zum Nachdenken, Luftholen, Teetrinken, Schlucken, zur Nahrungsaufnahme etc. sind durchaus möglich.

10. Nicht trinkfest? Sehr verdächtig!

Obwohl Usbekistan ein islamisch geprägtes Land ist, geht es bei vielen gesellschaftlichen Anlässen (außer während der Totenfeier) fast immer hoch her (Wodka-Konsum 2012 auf Platz 5 weltweit!). Wenn Sie keinen Alkohol trinken, dann haben Sie ein gewaltiges Problem. Denn die Usbeken trinken nämlich nicht einfach nur viel, das Trinken hat auch eine wichtige soziale Funktion. Man trinkt auf das Beisammensein, das bedeutet auch: Wenn Sie nicht mittrinken, sind die Leute schnell beleidigt und denken, Sie seien ein Petzer - wenn alle andere trinken, tut nämlich Alkohol deren Wahrheit kund, aber nicht Ihre! Rechtfertigungen oder Erklärungen Ihrerseits werden äußerst selten akzeptiert oder einfach überhört. Daher lieber heimlich stilles Wasser ins eigene Glas einschenken und damit brav anstoßen oder an einem mit echtem Alkohol aufgefüllten Glas kurz nippen und heimlich wegkippen.

11. Keine getrennten Rechnungen

In Usbekistan ist es normalerweise nicht üblich in einem Restaurant getrennte Rechnungen zu verlangen, weil das gemeinsame Essen Verbundenheit demonstrieren soll. Einzelne Rechnungen zerstören dieses Gefühl der Gemeinschaft. Man wird entweder „eingeladen“ oder man lädt selber seinen Gesprächspartner ein oder man einigt sich im Voraus über eine Aufteilung der Kosten nach dem Essen (im Restaurant wird trotzdem eine gemeinsame Rechnung verlangt).

Würdenträger zu Gast beim Emir von Buchara
Würdenträger zu Gast beim Emir v. Buchara (AK aus vorrevolutionärer Zeit)

12. "Time to say goodbye?" Nein!

Verweilen Ihre usbekischen Gäste nach einem Abendessen bei Ihnen länger, als Ihnen genehm ist, sollten Sie (auch Ihre Familienangehörigen) auf das geringste Zeichen von Ungeduld verzichten und in Gegenwart Ihrer Gäste solche Sätze wie "ich muss morgen früh aufstehen / etwas wichtiges erledigen"; "Schatzi, wie spät ist es?" etc. tunlichst unterlassen. Auch Ihre Worte sollten im Einklang mit Ihrer Körpersprache stehen, d.h. weder ein demonstrativ langer Blick auf die Wanduhr noch entnervtes Nesteln an der Armbanduhr sind angebracht; keine eng an den Körper gepressten Arme, keine (un)bewussten Versuche, ständig die Sachen an den richtigen Platz zu legen.

Die Usbeken sind grosse "Dechiffrierer" und werden es sofort merken! Das wäre ein Affront Ihren Gästen gegenüber und infolgedessen Ihren Aufgaben und Zielen im Land nicht förderlich. Und vergessen Sie bitte nicht, dass der Gast bei den Usbeken einen quasi heiligen Status genießt. In diesem Falle heisst es: "Mitgefangen - mitgehangen!" Die Usbeken würden Ihre Gastfreundschaft nicht über Gebühr strapazieren.

Sie können dennoch auf die usbekische Art und Weise ein höfliches Zeichen zum Aufbruch setzen, indem Sie einen abschließenden Tee servieren. Die usbekischen Gäste brechen für gewöhnlich nicht einzeln auf, sondern alle zusammen. Eine Aufforderung dazu kommt fast immer vom "Alphatier", d.h. der ältesten angesehendsten Person, die wie ein Kommando an alle Anwesenden klingt: "Khosh, turdik!" (dt.: "Los, wir brechen auf!"). Es wäre Ihrerseits sehr schicklich, zu versuchen Ihre Gäste aufzuhalten, indem Sie sie energisch bitten, doch etwas länger zu bleiben ("Der Abend ist noch jung! Morgen ist Sonntag! etc"). Aber seien Sie sicher: keiner der usbekischen Gäste würde Ihrer Bitte entsprechen.

13. Sag's durch die Blume!

Aus usbekischer Sicht sind die Deutschen zu direkt. Die Neigung der Deutschen, Meinungen und Kritik unverblümt und ungeachtet aller Umstände sofort zu äußern, kann das Klima erheblich vergiften - die Usbeken fallen dabei fast tot um! Ein klares Nein wird als Affront empfunden. Oft gibt es bei den Usbeken kein klares Nein; Europäer tun gut daran, zwischen den Zeilen zu lesen und aus dem Kontext annähernd richtige Schlüsse zu ziehen. Wer in Usbekistan ungeduldig auf Effizienz pocht, erntet Unverständnis. Kritik, besonders öffentlich, sollte fast immer durch die Blume erfolgen; in Usbekistan regiert die vorsichtige Andeutung. Und ähnlich wie in vielen Ländern hat der Chef das Sagen - als Alleinentscheider an der Spitze.

14. Werde ich bespitzelt?!

Falls Sie keinen politischen Auftrag in Usbekistan und keine politisch "verdächtigen" Bekanntschaften vor Ort haben, wird der usbekische Geheimdienst an Ihnen und Ihren Tätigkeiten kaum Interesse haben. Allerdings sollten Sie beachten, dass Vertreter solcher Berufe wie Taxifahrer (auch inoffizielle), Friseure, Kellner, Geldwechsler u.ä. vom Geheimdienst angeworben werden, um "auffällige" Personen zu melden. So muss z. B. ein Taxifahrer oft melden, welchen "auffälligen" (vor allem ausländischen) Fahrgast er aufgenommen hat und wohin dieser wollte, warum dieser Fahrgast in Taschkent/Samarkand/Buchara etc. unterwegs war, was der Fahrgast so alles erzählt und gefragt hat. Sie werden daher unterwegs mit lokalen Taxifahrern oft mit einem langen und ausführlichen Fragenkatalog "malträtiert". Sie müssen in diesem Fall keine Antworten geben, Sie können ruhig antworten, Sie seien müde und möchten Ihre Fahrt lieber schweigend absolvieren. Solche Situationen sollten Sie mit ruhig Blut zur Kenntnis nehmen, ohne aber dabei in Paranoia zu verfallen.

15. Eine Gesellschaft, wo selbst kleine Kinder gesiezt werden

Usbekistan ist eine Gesellschaft, wo Eltern und Schwiegereltern immer und selbst kleine Kinder sehr oft gesiezt werden. „Sie können Du zu mir sagen“ geht in Usbekistan ohne weiteres nicht. Es gilt folgende Regeln zu beachten: 1) alle ältere Menschen unabhängig von sozialem Status, 2) unbekannte Personen jeglichen Alters und 3) alle Frauen werden grundsätzlich gesiezt. Das "Du" ist sehr persönlich und kann in manchen Situationen oft als Beleidigung empfunden werden. Ein schneller Übergang zum "Du" ist nur bei den Ortskräften möglich, die mit der deutschen Kultur vertraut sind.

Wenn Sie einer usbekischen Partnerorganisation vorstehen oder dort leitende/beratende Funktionen ausüben, sollten Sie aus Ihrem eigenen Interesse Ihren usbekischen KollegInnen das "Du" nicht zu schnell anbieten und die Verwendung der "Du"-Anrede sorgsam austarieren. Das "Sie" schafft eine notwendige Distanz und verleiht Ihren Anweisungen und Empfehlungen zusätzliche Kraft. Empfehlenswert wäre, wenn die meisten Ihrer KollegInnen Sie siezen und mit "Frau/Herr sowieso" ansprechen würden.

Wie überall auf der Welt, ist frau auch in Usbekistan oft dem Machismus und sexuellen Belästigungen durch Männer ausgesetzt. Wenn Sie als Frau in Usbekistan tätig sind oder als begleitende Person leben, ist es manchmal hilfreich, das usbekische Bild der "gesitteten" Frau zu kennen, um dieses in bestimmten Situationen auch umzusetzen, selbst wenn Ihr europäisch geprägtes Naturell dagegen heftig rebellieren würde. Eine solcher Situationen ist, wenn Sie allein an einer Männergruppe, besonders in der Provinz oder bei rituellen Anlässen, vorbeimüssen. In der usbekischen Gesellschaft erwartet man dabei von der "gesitteten" Frau, dass sie weder mit dem Kopf, noch mit Händen, oder Füßen eine Unschicklichkeit begeht, dass sie leicht vornübergeneigt daherschreitet und sich dabei vor jeder unschicklichen Gebärde, Körper-, Kopf- oder Armbewegung hütet. Ihr Blick soll dabei alles bis auf den Fleck meiden, wo sie den Fuß hinsetzen will, vor allem wenn sie zufällig an der Versammlung der Männer vorbeimuß. Ein direkter Blickkontakt zwischen Frau und Mann sollte dabei ausbleiben.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2018 aktualisiert. 

Autor

Dr. Bahodir Sidikov, geb. 1970 in Taschkent. Studium d. Arabistik, Islamwissenschaft und Geschichte des Nahen Ostens in St.-Petersburg. Seit 2005 als Politikberater tätig. Schwerpunkte: Staat und Staatlichkeit, Wirtschaft und Entwicklung sowie Gesellschaft; informelle Netzwerke, politischer Islam in Zentralasien und im Südkaukasus. Gutachter für die Soros Stiftung, Weltbank, Swiss Peace Foundation und die Bertelsmann-Stiftung.

 

 

Literaturhinweise aus der GIZ-Datenbank

Tourismus

Alltagsleben

Sprachbücher und Sprachlernseiten

  • KHAYRALLA ISMATULLA: Uzbek Textbook, volume I, Indiana University, Springfield 2001. Die gesprochenen Texte sind online abrufbar;
  • SHARIPOVA, Nigora & YKEMA, Hanneke: Marhamat – Uzbek Coursebook for Beginners, Tashkent 2002;
  • AZIMOVA, Nigora: An Elementary Uzbek Textbook, Workbook, Cyrillic Alphabet Reader, and video and audio CDs, Bloomington, Ind, 2005.
  • KRIPPES, Karl A.: Uzbek-English Dictionary, Kensington, Maryland 1996; rev. ed. 2002; Wörterbuch online;
  • Amerikanisch-usbekische Sendungen (Radio, Video; auch Podcasts);
  • Britisch-usbekische Sendungen;

Weiterführende Links

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