"Wie werde ich reich?" - Ratgeber in vietnamesischer Buchhandlung (©Großheim)
Geschätztes BIP
223,864 Mrd. US-$ (2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
6776 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Länderrang 118 von 189 (2018)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
6,7 % (2018)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
35,3 (2016)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
53 (von 138) (2020)

Wirtschaft

Die vietnamesische Wirtschaft boomte mit einer kurzen Unterbrechung während der asiatischen Finanzkrise und erzielte laufend hohe Wachstumsraten von 7-8%. Vor allem die Privatbetriebe, die im Zuge von đổi mới, der seit 1986 eingeleiteten Reformpolitik, entstanden sind, tragen hierzu bei.

Nach stabil hohen Wachstumsraten kam die vietnamesische Wirtschaft jedoch vor einigen Jahren ins Schlingern. In vielen Bereichen sind seit ca. Anfang 2008 Überhitzungserscheinungen zu beobachten - Experten sprechen von einer der größten Belastungsproben für die vietnamesische Erneuerungspolitik bislang: die Inflationsrate stieg im Juli 2008 offiziell auf 27%, das Handelsbilanzdefizit weitete sich stark aus, der junge Aktienmarkt, auf dem viele neureiche Vietnamesen spekulieren, gab in wenigen Monaten um fast 50% nach.

Insgesamt hat Vietnam die Wirtschaftskrise nach Ansicht von Experten gut überstanden, doch fiel die Wachstumsrate 2009 auf 5,3 %, um dann 2010 auf 6,8 % anzusteigen. Nach offiziellen Angaben betrug das Wirtschaftswachstum in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 5,7% und fiel damit etwas geringer aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sorgen bereitet allerdings der Anstieg des Handelsbilanzdefizits und die Schwäche des Dong, die zu einer Flucht in Gold führte.

In der Folge stieg die Inflationsrate wieder an. So verteuerten sich die Preise für Konsumgüter im April 2011 um über 17% im Vergleich zum Vorjahr. Im August 2011 stieg der Konsumpreisindex um 23%, der größte Verteuerung in ganz Asien. Im Januar 2012 sank die Inflationsrate auf ca. 10%. 

2012 sank das Wirtschaftswachstum auf ca. 5% und die Investitionszusagen gingen um 14% zurück. Die Negativentwicklung wurde 2013 gestoppt, als Vietnam ein Wirtschaftswachstum von 5,4% erreichte.

2014 erreichte das Land mit knapp 6% das höchste Wirtschaftswachstum seit vier Jahren. Allerdings hat Vietnam nach wie vor mit einer sehr hohen Schuldenquote zu kämpfen, die z.T. auf das Platzen der Immobilienblase vor einigen Jahren zurückzuführen ist.

Insgesamt zeigt die vietnamesischen Wirtschaft seit 2014 klare Anzeichen der Erholung. So stiegen die Auslandsinvestitionen an - viele Firmen verlagerten ihre Produktion z.B. von China nach Vietnam. 2015 erreichte Vietnam ein Wachstum von 6,7%.

Im ersten Halbjahr 2016 sank das Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht auf 5,5% - Gründe hierfür waren wohl das Massenfischsterben in Zentralvietnam sowie die anhaltende Dürre im Mekong-Delta. Insgesamt betrug das Wirtschaftswachstum in Vietnam im Jahr 2016 6,2%. 2017 übertraf das Wirtschaftswachstum mit 6,8% sogar die Erwartungen der vietnamesischen Regierung.

2018 erreichte das Wirtschaftswachstum mit 7,1% den höchsten Wert seit acht Jahren - dieser Wert wurde auch 2019 mit 7,0% fast erlangt.

Es ist zu erwarten, dass auch die vietnamesische Wirtschaft 2020 massiv vom Coronavirus getroffen wird. Dies gilt besonders für den Dienstleistungssektor, während andere Branchen wie die Elektronikbranche und die Pharma- und Gesundheitsindustrie im ersten Quartal des Jahres sogar Zuwächse verzeichnen konnten. Insgesamt hat sich die vietnamesische Wirtschaft auch im regionalen Vergleich jedoch sehr gut geschlagen, auch wenn der IMF für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 2,7% prognostizierte  . Der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc zeigte sich jedoch optimistischer - er geht für das laufende Jahr von 5% Wachstum aus. In seiner Prognose wird er von Beobachtern bestärkt, die Vietnams erfolgreiche Bekämpfung des Coronavirus als einen Wendepunkt auch in der wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams bewerten. So sei das Vertrauen ausländischer Investoren in die Leistungsfähigkeit des Landes gestärkt worden. Ob sich die vietnamesische Wirtschaft allerdings nach der Corona-Pandemie wieder erholen wird, hängt auch davon ab, ob sie die jetzt notwendigen Strukturanpassungen vornehmen kann, um langfristig ein hohes Wirtschaftswachstum zu generieren.

Privathandel - Motor des Fortschritts (© Großheim)
Privathandel - Motor des Fortschritts (© Großheim)
Kapitalismus auf Vietnamesisch - Geschäft für "schöne Telefonnummern" (© Großheim)
Kapitalismus auf Vietnamesisch - Geschäft für "schöne Telefonnummern" (© Großheim)

Wirtschaftssektoren

Nur ca. 24% der vietnamesischen Bevölkerung leben in Städten, doch steuern diese ca. 70% des BIP bei. Der Agrarsektor hat zwar gesamtwirtschaftlich an Bedeutung abgenommen, doch ist er bezüglich der Anzahl der Erwerbspersonen nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, da hier ca. 55% der Beschäftigten gebunden sind. 2018 verzeichnete der Agrarsektor eine der höchsten Wachstumsraten in den letzten Jahren, doch steht er angesichts der schnellen Urbanisierung und Industrialisierung des Landes auch vor großen Herausforderungen.

Nachdem die Reisproduktion noch bis ca. Ende der 1980er Jahre nicht ausreichte, um die vietnamesische Bevölkerung zu ernähren, wurde Vietnam seit Beginn der Reformpolitik zu einem der größten Reisexporteure der Welt. Die Qualität des vietnamesischen Reises könnte jedoch noch weiter verbessert werden - so ist er vielfach noch stark von Pestiziden belastet.

Der Reisanbau macht zwar den Großteil der landwirtschaftlichen Produktion aus, doch gibt es seit längerem einen Trend zur Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion, der noch durch den WTO-Beitritt Vietnams im Januar 2007 beschleunigt wurde: die Anbauflächen für Reis wurden deshalb kontinuierlich zugunsten von Zuckerrohr, Tee, Pfeffer und anderen Produkten verkleinert.

Vietnam hat sich z.B. innerhalb von 30 Jahren zum zweitgrößten Exporteur von Kaffee entwickelt. Tatsächlich ist die Produktion von Kaffee in Vietnam eine "Erfolgsstory" an der einige landesweit bekannte Unternehmer mitwirkten.

Daneben ist Vietnam Exporteur von Textilien und Schuhen. Um einen besseren Zugang zum US-Markt zu erhalten und eine "Trans-Pacific-Partnership" mit Washington einzugehen, wäre Vietnam aber zu Zugeständnissen gezwungen, die auf eine radikale Umgestaltung des Wirtschaftssystems hinauslaufen würden.

Das Land verfügt zwar über große Erdöl- und Erdgasvorkommen, doch ging die Förderung im Zeitraum von 2003 bis 2013 zurück. Bislang exportierte Vietnam zwar eine große Menge Rohöl, musste aber aufgrund fehlender eigener Raffinerie-Kapazitäten petrochemische Produkte wieder einführen. Eine zweite Raffinerie soll bis 2017 fertiggestellt werden - auch mit Beteiligung deutscher Firmen.

Außerdem hat Vietnam Kohle-, Phosphat-, Magnesium-, Chrom- und Bauxitvorkommen. Der Plan der Regierung, in Zusammenarbeit mit einer chinesischen Firma den Abbau von Bauxit (Rohstoff für Aluminium) im zentralen Hochland voranzutreiben, hat nicht nur unter prominenten Politikern wie General Vo Nguyen Giap für Unmut gesorgt.

Nicht nur China, sondern auch Vietnam besitzt Vorkommen an Seltenen Erden. Die vietnamesische und die japanische Regierung einigten sich im Juni 2012 auf die Gründung eines Forschungszentrums, das den Abbau von Seltenen Erden in Vietnam voranbringen und damit das faktische Monopol Chinas brechen soll.

Um den steigenden Energiebedarf decken zu können, plante Vietnam vor einigen Jahren den Bau von 14 Atomkraftwerken - in Zusammenarbeit mit Japan, Russland und Südkorea. Der Baubeginn für das erste AKW in der Provinz Ninh Thuan war für 2014 festgesetzt, wurde dann aber aus Sicherheitsgründen auf das Jahr 2020 verschoben. Im November 2016 entschied die vietnamesische Nationalversammlung dann, die Pläne zum Bau von Atomkraftwerken aufgrund der massiv gestiegenen Kosten zu stoppen.

Angesichts des rasant steigenden Energiebedarfs unternimmt die vietnamesische Regierung auch verstärkt Anstrengungen, Energie zu sparen. So trat 2011 ein Energieeffizienzgesetz in Kraft. Nachdem die vietnamesische Regierung eine Zeit lang auf Kohlekraftwerke gesetzt hatte, fördert sie nunmehr verstärkt erneuerbare Energien.

Vom Bauboom profitierte z.B. Pham Nhat Vuong, der zurzeit reichste Vietnamese. Seit das Wirtschaftswachstum stockte, steckte die Immobilienbranche in Vietnam in einer tiefen Krise.

Der Tourismussektor macht 4,5 % des BIP aus. Nach offiziellen Angaben kamen in den ersten acht Monaten des Jahres 2010 39% mehr Touristen nach Vietnam als im Vorjahreszeitraum. 2014 kamen nach offiziellen Angaben 4,8 Mio. Touristen nach Vietnam, doch insgesamt war ein Rückgang der Ankünfte zu verzeichnen. Dies hing vor allem mit den Spannungen mit der Volksrepublik China zusammen (Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer), der viele potenzielle chinesische Touristen davon abhielt, Vietnam zu besuchen. Daneben spielten aber auch andere Faktoren wie die umständliche und teure Visavergabe und das schlechte Marketing eine Rolle.

Mittlerweise sind die Touristenzahlen jedoch wieder stark angestiegen und erreichten im Jahre 2016 fast 10 Millionen Ankünfte. Dies ist auch auf die große Anzahl von Touristen auf China zurückzuführen, die nach der Entspannung der Beziehungen mit Vietnam wieder ins Land strömen. Der Boom setzte sich 2018 weiter fort (15,5 Millionen Ankünfte) - auch ablesbar an der Expansion vietnamesischer Fluggesellschaften. Bezeichnend für die rasante Entwicklung des vietnamesischen Flugmarktes ist, dass im Dezember 2018 in der Provinz Quang Ninh der erste große private Flughafen eröffnet wurde.

Der Tourismussektor profitiert von den Naturschönheiten wie der Ha Long-Bucht im Norden des Landes, die von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Dass es um die Sicherheit der von verschiedenen privaten Anbietern organisierten Bootstouren jedoch nicht gut bestellt ist, zeigte sich bei einem Zwischenfall im Februar 2011, als ein Schiff sank und 12 Personen, darunter 11 ausländische Touristen, ertranken. Ein generelles Problem ist, dass der Tourismussektor in Vietnam mit Gewalt ausgebaut wird - ohne viel Rücksicht auf eine nachhaltige Entwicklung zu nehmen - wie das Beispiel der Insel Phu Quoc zeigt.

Auch Vietnam ist zu einer Konsumgesellschaft geworden. So ist z.B. der Bierkonsum in den letzten Jahren massiv angestiegen, seitdem auch ausländische Bierproduzenten den vietnamesischen Markt entdeckt haben.

Vietnam verfügt über keine eigene Computerindustrie. Jetzt kam das erste in Vietnam entwickelte Computerspiel auf den Markt - bezeichnenderweise ein Spiel über die Schlacht von Dien Bien Phu 1954.

Handel

Die vietnamesische Wirtschaft exportiert vor allem Textilien, Meeresprodukte, Kaffee, Holzmöbel und Elektronikprodukte.

Vietnam ist zwar der größte Exporteur von Robustakaffee und konnte bei der Ausfuhr von Jahr zu Jahr Anstiege verzeichnen. Die Konkurrenz auf dem vietnamesischen Kaffeemarkt ist mittlerweile groß. So muss sich die größte einheimische Cafékette Trung Nguyên nicht nur dem Kampf mit globalen Kaffeeunternehmen Starbucks, das auch den vietnamesischen Markt entdeckt hat, stellen, sondern auch mit neuen einheimischen Marken konkurrieren.

Die vietnamesische Textilindustrie hat sich seit Beginn der Reformpolitik rasant entwickelt. Auch deutsche Firmen produzieren in Vietnam.

Daneben ist Vietnam auch zu einem Hauptumschlagplatz für gefälschte Produkte geworden. Viele dieser Produkte kommen ursprünglich aus China und werden von Vietnam aus in andere Länder transportiert.

E-Commerce breitet sich in Vietnam, wo das Internet und die sozialen Medien eine große Rolle spielen, immer mehr aus.

Wirtschaftspolitik

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Vietnams ist auf verschiedene Faktoren wie die günstige geographische Lage des Landes und sein Humankapital zurückzuführen. Ein großer Vorteil ist z.B. die billige Arbeitskraft. Die meisten Beobachter sind sich einig, dass Vietnam eine neue Wirtschaftspolitik verfolgen muss, um grundsätzliche Probleme wie die mangelnde Konkurrenzfähigkeit vieler staatlicher Unternehmen, die Korruption, die mangelhafte Infrastruktur und bürokratische Hemmnisse zu lösen. So profitieren viele der Staatsbetriebe von großzügigen Krediten, konzentrieren sich aber nicht auf ihr Kerngeschäft, sondern "wildern" mit wenig Kompetenz in anderen Bereichen. Dies hat in den letzten Jahren in Vietnam mehr und mehr zu Problemen geführt.

So wurden 2012 neun frühere Manager von Vinashin, einem staatlichen Schiffsbaukonzern, wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder zu z.T. hohen Haftstrafen verurteilt. Tatsächlich verschleiert dieses Urteil jedoch strukturelle Probleme, die die vietnamesische Wirtschaft bereits seit einigen Jahren plagen. Im September 2012 wurde Duong Chi Dung, der flüchtige frühere Direktor von Vinashin, in einem ungenannten südostasiatischen Land verhaftet und nach Vietnam ausgewiesen.

Gerade vor dem Hintergrund der Krise um den Schiffsbaukonzern Vinashin hatte sich der Druck auf die vietnamesische Regierung erhöht, die Privatisierung der Staatsbetriebe zu beschleunigen. Zudem wurde im Mai 2012 Duong Chi Dung, der ehemalige Direktor von Vinalines, der größten staatlichen Reederei, wegen Missmanagements verhaftet. Im Dezember 2013 wurde er zum Tode verurteilt; das Urteil wurde im Mai 2014 in einem Revisionsverfahren bestätigt.

Der Verkauf der staatlichen Brauerei SABECO im Dezember 2018 ist Teil eines übergeordneten Programms der neuen vietnamesischen Regierung unter Nguyen Xuan Phuc, die Privatisierung staatlicher Unternehmen voranzubringen.

Im August 2012 wurde Nguyen Duc Kien, Mitgründer einer der größten Banken Vietnams und einer der reichsten Männer im Land, festgenommen. Nguyen Duc Kien wurde im Juni 2014 zu 30 Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Im Oktober 2014 wurde Ha Van Tham, Direktor der privaten Ocean Bank und einer der reichsten vietnamesischen Geschäftsleute, wegen Betrugs verhaftet. In einem großen Prozess wurde er 2017 zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Nguyen Xuan Son, der frühere Direktor von PetroVietnam, einem staatlichen Ölkonzern, erhielt im gleichen Prozess wegen Missmanagement und Veruntreuung sogar die Todesstrafe.

Insgesamt werden von der vietnamesischen Führung neue Initiativen erwartet, um die strukturellen Wirtschaftsprobleme zu lösen. Tatsächlich unternahm die vietnamesische Regierung 2015 Anstrengungen, die Privatisierung der Staatsunternehmen voranzutreiben. Auf der anderen Seite ist die führende Rolle des Staatssektors in der Wirtschaft auch in der neuen Verfassung vom November 2013 festgeschrieben.

Die Vergabe von massiven Krediten an Staatsunternehmen, die sich dann z.B. im Fall von Vinashin als "faule Kredite" herausstellten, ist auch Grund für die tiefgreifende Schuldenkrise, in der sich die vietnamesische Wirtschaft befindet. Folge der hohen Staatsverschuldung ist u.a., dass nicht genügend staatliche Gelder vorhanden sind, um die notwendigen Infrastrukturprojekte wie den Bau der Metro in Ho Chi Minh-Stadt zu finanzieren.

Im Oktober 2015 unterzeichnete Vietnam zusammen mit 11 anderen Ländern das Transpazifische Partnerschaftsabkommen (TPP). Vietnam erhofft sich von diesem Freihandelsabkommen, das 2017 oder 2018 in Kraft treten soll, vor allem einen leichteren Zugang zu ausländischen Märkten. Ob das Freihandelsabkommen tatsächlich das erwünschte Allheilmittel sein und die vietnamesische Wirtschaft wieder in Schwung bringen wird, muss sich zeigen - es gibt auch warnende Stimmen, die vor allem auf die mangelnde Konkurrenzfähigkeit vieler kleiner und mittlerer Betriebe in Vietnam hinweisen.

Die vietnamesische Volksarmee (VVA) ist auch in der Wirtschaft aktiv - so gehört ihr Viettel, einer der größten Telekommunikationsunternehmen. Diese Verwicklung der VVA in die Wirtschaft wird in Vietnam mehr und mehr diskutiert.

Das grundlegende Problem Vietnams, wie in einem mit Korruption behafteten System der "Kapitalismus gezähmt" werden kann, bleibt bestehen. So ist die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams in den letzten Jahren insgesamt sehr erfolgreich, doch die Wirtschaftspolitik der vietnamesischen Regierung vermag noch nicht, diese Entwicklung auf die Grundlage fester Regeln und Gesetze zu stellen.

Nach dem Austritt der USA aus dem bereits unterschriftsreifen Freihandelsabkommen TPP einigten sich die zehn verbleibenden Staaten im November 2017 auf dem APEC-Gipfel in Da Nang darauf, "den Geist des Abkommens" hochzuhalten und die Partnerschaft auch ohne die USA umsetzen zu wollen.

Vietnam plant die Errichtung von drei weiteren Sonderwirtschaftszonen. Ob diese dem Land tatsächlich wirtschaftliche Vorteile verschaffen, ist umstritten.

Ende Juni 2019 unterzeichneten Vietnam und die EU ein Freihandelsabkommen, das für Vietnam mit erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen verbunden ist.

Die Privatisierung staatlicher Unternehmen hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt - insgesamt scheint sich der vietnamesische Staat mehr und mehr aus der Wirtschaft zurückzuziehen.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Straßenhändlerin in Hanoi (© Großheim)
Straßenhändlerin in Hanoi (© Großheim)
"Alles, damit die Bevölkerung reich ist, der Staat stark, demokratisch, gerecht und zivilisiert" (© Großheim)
"Alles, damit die Bevölkerung reich ist, der Staat stark, demokratisch, gerecht und zivilisiert" (© Großheim)
"Jeder macht seine Arbeit gut und trägt dazu bei, eine schöne und reiche Heimat aufzubauen" (© Großheim)
"Jeder macht seine Arbeit gut und trägt dazu bei, eine schöne und reiche Heimat aufzubauen" (© Großheim)

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Bei der Bekämpfung der Armut konnten in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte erzielt werden. Die Armutsrate ging von 58% im Jahre 1993 auf 13,5 % (Weltbank, 2014) zurück. Die Armutsverteilung in Vietnam ist jedoch sehr ungleichgewichtig - bestimmte Regionen wie das Zentrale Hochland sind noch überdurchschnittlich von Armut betroffen. In den letzten Jahren ist auch die Armutsrate unter ethnischen Minoritäten zurückgegangen, doch insgesamt stellen sie immer noch den größten Anteil der als arm eingestuften Gruppen der vietnamesischen Bevölkerung.

2002 verabschiedete die vietnamesische Regierung eine neue sozioökonomische Entwicklungsstrategie, die Comprehensive Poverty Reduction and Growth Strategy, die auf ein armutsorientiertes Wachstum setzt.
Bei seiner Strategie der Armutsbekämpfung hat sich Vietnam an den Millennium Development Goals (MDGs) orientiert. Bei der Umsetzung der MDGs hat das Land große Erfolge erzielt.

Vietnam hat sich nunmehr zur Verwirklichung der Sustainable Development Goals (SDGs) verpflichtet.

Internationale Entwicklungsanstrengungen

Im Bereich der EZ ist Japan der größte Geldgeber. Aufgrund eines Korruptionsfalls wurde die Vergabe weiterer Gelder an Vietnam zunächst gestoppt. Im Februar 2009 erklärte Japan schließlich, die Entwicklungshilfe wiederaufzunehmen.

Nachdem es bereits vor einigen Jahren bei der Vergabe von japanischen ODA-Geldern nach Vietnam zu Unregelmäßigkeiten gekommen war, wurde im März 2013 bekannt, dass eine japanische Consulting-Firma ca. 780,000 US $ Bestechungsgelder an verantwortliche Personen in Vietnam bezahlt hat, um den Zuschlag für ein aus ODA-Mitteln finanziertes Projekt zu erhalten.

Im Juni 2014 stoppte Japan erneut die Vergabe von neuen ODA-Krediten. Hintergrund war die Aufdeckung eines neuen Korruptionsfalls: Japan Transportation Consultants hatten hohe Mitarbeiter von Vietnam Railways bestochen, um den Zuschlag für ein aus japanischen ODA-Mitteln finanziertes Infrastrukturprojekt zu erhalten. In Vietnam wurden in der Folge sechs verantwortliche Personen verurteilt.

Bis März 2016 hat die Weltbank Vietnam 21 Milliarden US$ an ODA gegeben, während sich die finanzielle Unterstützung der Asian Development Bank seit 1993 auf 15,2 Milliarden US$ beläuft. 

Die UN ist mit ihren wichtigen Organisationen in Vietnam vertreten. Darüber hinaus erhält Vietnam auch von der EU Fördergelder.

Deutsche Entwicklungsanstrengungen

Die deutsche EZ ist seit der Wiederverinigung in Vietnam tätig. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Berufliche Bildung, Umwelt (Biodiversität und Küstenschutz) und Energie (Energieeffizienz und erneuerbare Energien).

Folgende Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2020 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Martin Großheim, Prof. für vietnamesische Geschichte an der Seoul National University. Studium in Passau und Hanoi, mehrere längere Studien- und Forschungsaufenthalte in Vietnam, Frankreich, Japan und den USA. Publikationen u.a.: "Ho Chi Minh. Der geheimnisvolle Revolutionär. Leben und Legende", "Modernes Vietnamesisch" (zusammen mit Ngo Thi Bich Thu).

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